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„Bei uns sitzen alle mit im Boot“

Ein Jahr Tafel Langenzenn: Kirsten Landauer und Marion Ströbel ziehen eine erste Bilanz - 11.12.2010 09:00 Uhr

Kürbisse, Kohl oder doch ein Apfel? Kirsten Landauer (links) und Marion Ströbel von der Tafel Langenzenn präsentieren einen Teil des Angebots. © Winckler


Ein Jahr Tafel Langenzenn, wie fällt Ihre Bilanz aus?


Kirsten Landauer: Durchaus positiv, obwohl der Start schwierig war. Wir waren uns nicht sicher, ob überhaupt jemand kommt. Am Anfang haben wir relativ schnell knapp 25 Ausweise ausgestellt, inzwischen haben wir rund 60. Und es funktioniert problemlos.

Wer bekommt einen Ausweis?

Marion Ströbel: In der Regel Hartz-IV-Empfänger oder Menschen unterhalb bestimmter Einkommensgrenzen. Die hängen wiederum davon ab, wie viele Personen im Hausstand leben. Man muss lediglich seine Unterlagen, Bescheide und den Personalausweis mitbringen und bekommt dann seinen Ausweis.

Sie hatten das Potenzial bedürftiger Menschen in Langenzenn auf rund 200 Personen geschätzt. Trauen sich noch nicht alle, zu kommen?

Landauer: Hinter einem Ausweis stehen ja oft Familien. Wir betreuen derzeit insgesamt 88 Erwachsene und 30 Kinder. Aber durch den wirtschaftlichen Aufschwung hat der eine oder andere wieder eine Arbeitsstelle bekommen und fällt damit erfreulicherweise für die Tafel weg. Manchen ist es aber schon noch peinlich, zu kommen.

Ströbel: Wir hören das beispielsweise von in der Nachbarschaftshilfe engagierten Ehrenamtlichen, die auch auf das Angebot der Tafel hinweisen. Gerade alte Menschen denken oft, ich bin ja auch bisher ohne die Tafel ausgekommen. Außerdem stellen wir einen gewissen Wechsel fest, speziell bei den Männern.

Weshalb bei den Männern?

Ströbel: Einige, die anfangs da waren, kommen nicht mehr. Sachen wie Brot, Wurst oder Kaffee haben sie immer gern genommen, unsere frischen Produkte weniger. Diese erfordern doch so manche Kochkenntnisse und das haben viele nie gelernt.

Die Kunden sind das eine, die ehrenamtlich Tätigen das andere. Hat die Tafel genügend Helfer?

Landauer: Anfangs zählte der Verein 41 Mitglieder, jetzt sind es über 100. Für die Arbeit in der Ausgabestelle in der Nürnberger Straße haben sich richtige Teams gebildet, die sehr engagiert und mit Freude in der Tafel arbeiten. Man darf nicht vergessen, dass ein Ausgabetag für die Helfer um 9 Uhr beginnt und erst gegen Nachmittag 15 Uhr beendet ist. Auch von den Bürgern, dem Handel, der Stadt und den Kirchengemeinden werden wir sehr gut unterstützt.

Ihr Konzept, sich nicht wie Cadolzburg oder Stein der Fürther Tafel anzuschließen, sondern eigenständig zu sein, ist also aufgegangen?

Landauer: Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht und in vielen Sitzungen darüber diskutiert. Der Knackpunkt war: Die Langenzenner geben gerne etwas — für Langenzenner. Das heißt, sie wollen, dass ihre Spende in der Stadt bleibt. Außerdem: Bei uns sitzen alle mit im Boot, von den Pfarrern der beiden Kirchengemeinden bis zum Bürgermeister. Die Stadt hat uns beispielsweise die Wohnung für die Ausgabestelle überlassen, müssten wir die Räume mieten, hätten wir finanziell ein Problem.

Wie ist das Verhältnis zu den anderen Tafel-Stellen im Landkreis?

Ströbel: Das hat sich gut eingespielt, wir machen uns keine Konkurrenz. Wir betreuen die Menschen innerhalb unserer politischen Gemeindegrenzen, die enger gefasst sind als beispielsweise die kirchlichen. Klare Aufteilungen sind für Kunden und Handel notwendig.

Gibt es Produkte bei den Spenden, die Sie aktuell besonders bräuchten?

Landauer: Die Langenzenner, ob die Bürger oder der Handel, versorgen uns gut. Dankbar wären wir aber für Geldspenden. Dafür dürfen wir ja keine Lebensmittel kaufen, aber wir müssen natürlich die laufenden Kosten wie Heizung, Strom und insbesondere die Versicherungen für unsere Ehrenamtlichen decken. Außerdem würden wir gerne ein Auto mit einer Kühlzelle anschaffen, um die Produkte abzuholen oder zu liefern. Bisher arbeiten unsere Fahrer in ihren Privat-Pkw mit Thermoboxen, das ist im Sommer schon schwierig. Neu kostet so ein Auto rund 22000 Euro, ein gebrauchtes Fahrzeug täte es aber auch.

Was ist sonst noch geplant?

Ströbel: Bei unseren Kunden haben sich teilweise richtige Freundschaften gebildet. Wir wollen das fördern und im Frühjahr auf einem Grundstück neben der Ausgabestelle einen Tafelgarten anlegen. Da kann jeder ein Beet hegen und pflanzen, was er möchte. Ein paar Interessenten haben sich schon gemeldet.

Tafel Langenzenn: Ausgabe immer Samstag ab 13 bis 14 Uhr, Nürnberger Straße 29. Info unter Tel.: 0162/4118317, kontakt@langenzenner-tafel www.langenzenner-tafel.de Spenden unter Sparkasse Fürth, Konto: 40145575, Bankleitzahl: 762 500 00.

  

Interview: HARALD EHM

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