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„Bessere Mitte“ zu Gast in Venedig

Christofer Hornstein stellte bei der Architektur-Biennale die Fürther Bürgerinitiative vor - 31.08.2012 22:00 Uhr

2009 lud die BI — im Bild Christofer Hornstein und Ursula Kreutz — zum Straßenfest ein, um Unterschriften für ein Bürgerbegehren zu sammeln. © Winckler


Christofer Hornstein ist gerade in einer Gondel auf dem Canal Grande unterwegs, als ihn der Anruf der FN erreicht. Für Architekten ist das ohnehin reizvolle Venedig in diesen Tagen besonders spannend: Die Biennale ist die wichtigste Ausstellung für Architektur und Städtebau. Bis zum 25. November werden in Venedig etwa 200000 Besucher erwartet. Auch Hornstein hat die Koffer gerne gepackt.

Der diesjährigen Schau hat Kurator David Chipperfield den Titel „Common Ground“ gegeben: Ziel war es, einen „gemeinsamen Boden“ von Architektur und Gesellschaft auszuloten. Zu dem Motto passt, was Hornstein im Gepäck hat: einen Vortrag über die Bürgerinitiative „Eine bessere Mitte für Fürth“, die sich Ende 2008 gründete und gegen die Pläne des Investors Sonae Sierra stellte. Zum Hintergrund: Sonae Sierra wollte ein großes Einkaufszentrum im Herzen von Fürth errichten; der Bürgerinitiative (BI) war dabei insbesondere der geplante Verkauf der Rudolf-Breitscheid-Straße an den Investor ein Dorn im Auge. Sie befürwortete stattdessen ein Konzept, bei dem die Straße öffentlicher Raum bleiben und denkmalgeschützte Gebäude erhalten werden sollten. Ein Hausbesitzer, der sich weigerte, sein Haus an Sonae Sierra zu verkaufen, brachte schließlich das Vorhaben zu Fall. Heute ist die BI in die Planungen für den Einkaufsschwerpunkt eingebunden.

Im Deutschen Pavillon durfte Hornstein am Mittwoch auf Einladung des Bundes Deutscher Architekten (BDA) die Arbeit der Fürther Bürgerinitiative vorstellen; „reuse the public“ hieß die Veranstaltung, bei der es um das gemeinsame Engagement von Architekten und Bürgern ging. Neben der BI wurden dem Publikum ein generationenübergreifendes Wohnprojekt in Bonn und eine Initiative zur Stadterneuerung mit Jugendlichen im Berliner Stadtteil Neukölln präsentiert.

Der BDA habe ihn angerufen und eingeladen, sagt Hornstein. Wie genau der Verband, dessen Sprecherin in Venedig gestern nicht erreichbar war, auf die Fürther Initiative aufmerksam wurde, weiß er nicht. Aber: „Die BI ist bundesweit schon bekannt und zwar dafür, dass sie konstruktive und nicht destruktive Arbeit leistet.“

Nicht nur meckern

Ausgewählt wurden, wie in der Ankündigung der Veranstaltung nachzulesen ist, tatsächlich Initiativen, die es nicht dabei beließen, Unzufriedenheit zu äußern, sondern sich eine „Teilhabe an der Formierung von Gesellschaft und Stadt“ wünschten. Projekte, die einem neuen „Bewusstsein für die Bedeutung öffentlicher Räume“ Ausdruck verliehen haben.

„Fürth kam ganz gut weg, glaube ich“, sagte Hornstein nach der Veranstaltung. Schließlich konnte er auch davon berichten, dass „ein Umdenken bei den Entscheidungsträgern der Stadt“ eingesetzt habe, das Engagement sich also gelohnt habe. Vor allem aber sei es ihm in dem Vortrag darum gegangen, „andere Architekten zu ermutigen, sich in den partizipativen Prozess miteinzumischen“ — trotz des Gegenwinds, mit dem man rechnen müsse und der „einen auch schmerzt“.

Er bedaure, dass sich viele Architekten — vielleicht „aus Angst, keine Aufträge zu bekommen“ — „auf ihren Expertenstatus zurückziehen“, anstatt sich gemeinsam mit Bürgern zu engagieren. Mit den Sachverständigen an ihrer Seite können Bürger dem Baureferat und den Planern, „die ihnen schöne Animationen präsentieren“, „ganz anders Kontra geben“, so Hornstein. „Ich glaube, dass die BI ohne einen Sachverständigen nicht den Rückhalt gehabt hätte.“ Er sei daher auch enttäuscht gewesen, dass sich kein anderer Architekt hinzugesellt habe.

Eigentlich, sagt er, sollte sich doch jeder für sein Umfeld interessieren: „Ich hätte es mir nicht verziehen, wenn da jetzt das Ufo von Sonae Sierra stehen würde.“

Nachtrag: Am Freitag, als dieser Artikel in den Fürther Nachrichten erschien, rief der BDA zurück. Andreas Denk, Chefredakteur der Zeitschrift der architekt, der verantwortlich für die Konzeption der Veranstaltung "reuse the public" war, erzählte auf FN-Nachfrage, dass er die BI bereits seit mehreren Jahren beobachte. Er habe sie für die Veranstaltung ausgewählt, weil es ihr "nicht nur darum ging, ein Projekt zu verhindern". Interessant sei an dieser BI, dass sie sich nicht, wie es für solche Initiativen üblich ist, auflöste, als das Vorhaben von Sonae Sierra scheiterte: "Danach kam dieser größere, stadtplanerische Impuls", sagt Denk. "Sie wollen mit der Stadtverwaltung zusammen was erreichen. Das sind nicht nur Wutbürger, sondern sie leisten konstruktive Arbeit - ich finde, das ist ein guter Weg." Für ihn sei die Bürgerinitiative beispielhaft für ein "neues bürgerschaftliches Verständnis". 

Claudia Ziob

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