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Das Fuck Hornisschen Orchestra ist ein musikalisch-poetisches Chaosduo aus Leipzig, bestehend aus Christian Meyer und Julius Fischer. Letzterer ist durch den Dokumentarfilm „Dichter und Kämpfer" über die deutsche Poetry-Slamszene bekannt geworden, worin auch schon das FHO mit einem Kurzauftritt glänzte.
Was ist nun das Erfolgsrezept? Zum einen sind es Nonsens-Texte mit viel Stegreif-Improvisation, etwas Sex- und Ekeleffekte (Christian Meyer ist erkältet) sowie die perfekte Artikulation von Reimkaskaden — was ein routinierter Poetryslammer sowieso draufhat. Meyer verkörpert den Nerd, den germanistischen Fachidioten und Bastelfreak mit notorischer Erfolglosigkeit bei den Frauen, abseitigen Neigungen und obligatorischer Hornbrille. Julius Fischer hingegen ist der bodenständige Kumpeltyp mit Bart und Lodenjacke.
Hinzu kommt das musikalische Equipment. Hatte vor 40 Jahren ein Keith Emerson das abenteuerlichste Synthesizergeheul noch aus einem wandschrankgroßen Knopf- und Kabelmonster hervorgezaubert, entlockt Christian Meyer sein Galaxisgefiepe, Untertassentremolo und ätherisches Godzilla-Gestöhne aus Spielzeug-Clavinetten vom Flohmarkt. Dem Elektroschrottorchester begegnet Kumpel Julius wiederum mit der warmtönenden Bardenklampfe und dem Pathos des friedens- und umweltbewegten Weltverbesserers, der noch von der letzten Barrikade den profitgierigen Wohnparkbauern und Waldvernichtern ein „Häuser pfui, Bäume hui!" entgegenschleudert.
Hinzu kommt ein Gesang zum Steinerweichen. Manchmal harmonieren die beiden aufs Schönste, doch sobald man denkt, huch, die meinen's ja ernst, markiert Christian den Rapper, während Julius als Heavy-Metal-Schlächter oder Nazi-Gothic-Werwolf ins Mikrofon gurgelt.
Und die Texte? Die knüpfen an den guten alten Nonsens von Insterburg & Co. an. Beispiele: „Bei dir muss ich mich nicht erklären — du arbeitest als Dolmetscherin", oder „Du, bei dir leg ich mich gern zur Ruh', du machst beruflich Gräber zu."
Schonungslos sezieren die sächsischen Hornissen die Seelenqualen der Teenager, erforschen die Erotik des Tunnelbohrens und stellen Blender wie DJ Bobo und Konsorten mit einem simplen Bliptronic 5000 in die Ecke. Spätestens wenn „Am Lago di Lugano" zu Harmoniegesang und Endlos-Gitarrenschleife Eidechsen ihre Schwänze, Kettensäger ihre Hände und Freizeitkapitäne Boot und Leben verlieren, liegen die Zuhörer in der Kofferfabrik am Boden, winseln um Gnade und verlangen dennoch nach noch mehr.




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