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„Bei uns verschwinden halt keine Kugeln vom Tisch“, macht Manfred Grimmeiß (63), der erst 1996 mit Billard begonnen hat und seit 15 Jahren die 1979 gegründete Abteilung in Poppenreuth führt, den Unterschied zu Snooker und Pool deutlich. Spielarten, die für die Mehrzahl der Akteure und Zuschauer — nicht zuletzt durch Fernsehübertragungen — in den vergangenen Jahren immer attraktiver geworden sind.
Beim Carambolage, in der Deutschen Billard Union als Karambol geführt, haben die Tische keine Taschen, die jeweils drei Kugeln, auch Bälle genannt, bleiben auf dem Tisch. In der Freien Partie muss der Spielball bei jedem Stoß „nur“ die beiden anderen berühren, möglichst zart, um sie für den nächsten Versuch nahe beieinander zu halten. Beim Dreiband muss, daher der Name, der Spielball vor dem Kontakt mit der zweiten Kugel mindestens dreimal eine Bande berührt haben — technisch und taktisch enorm anspruchsvoll und daher sehr trainingsintensiv.
Entsprechend viel Zeit muss investiert werden, bis es Spaß macht und sich die ersten Erfolge einstellen – „und das entspricht nicht mehr dem Zeitgeist“, sagt Dieter Schenk, der schon bayerischer Vizemeister war. Er ist der beste Poppenreuther im Dreiband. Am Wochenende, beim 6:2 und 2:6 gegen BC Landau, ist Schenk zum Auftakt der Oberliga, der höchsten Spielklasse in Bayern, als einziger zweimal als Sieger vom „Brett“ gegangen, wie die Aktiven den Tisch nennen. Seit vier Jahrzehnten kämpft der 56-jährige Zirndorfer mit den Kugeln, weiß, wovon er spricht, wenn er sich an das erinnert, was die gute, alte Zeit genannt wird.
Im Nürnberger „Café Vaterland“ haben sie begonnen. In einem großen Gründerzeit-Saal mit Stuck und allem Drum und Dran, ab den 60er Jahren zugleich die Wiege und das Zentrum von Carambolage.
Später war hier die Heimstatt des Billard Club Noris und des Carambolage Club Nürnberg, den es, so der frühere Vaterland-Wirt Rainer Lepp, selbst begeisterter Spieler und immer noch CCN-Vorsitzender, „nur noch auf dem Papier gibt“. Der BCN dagegen integrierte sich bereits vor 33 Jahren als Billardabteilung beim SV Poppenreuth. Nicht mehr so mondän, aber sportgerecht im Tiefgeschoss des Vereinsheims, „denn woanders ist nicht genügend Platz für die drei großen und die drei kleinen Tische“ (Grimmeiß).
Dort treffen sich überwiegend erfahrene Billardspieler zu ihrer Passion, immerhin 25 der 41 Mitglieder spielen wettkampfmäßig in drei Dreiband- und zwei Freie Partie-Teams. Auf den Aufstieg in die zweite Bundesliga verzichteten die Poppenreuther vor einigen Jahren sportlich schweren Herzens, „denn wer soll das bezahlen bei den Fahrten quer durch Deutschland?“ (Grimmeiß). Der Abteilungsleiter ist in der „Dritten“, in der Bezirksliga aktiv, der einzigen Klasse in Nordbayern mit sechs Mannschaften aus Fürth, Erlangen, Coburg und Regensburg.
„Da kennt jeder jeden, oftmals schon seit Jahrzehnten“, sagt er. Und legt damit einen Finger in die Wunde. Bereitet neben dem finanziellen Aufwand den meisten Karambol-Gruppierungen doch vor allem der fehlende Nachwuchs große Sorgen. „Wünschenswert“ wäre gezielte Jugendarbeit zwar, aber ganz abgesehen von organisatorischen Schwierigkeiten mangelt es am Interesse der geeigneten Altersgruppen.
So bleibt man an den Trainingsabenden weitgehend unter sich, profitiert vom Können der besseren und erfahreneren Spieler, denn einen Trainer gibt es nicht. Grimmeiß trainiert vier bis sechs Stunden pro Woche, hält jedoch „acht bis zehn Stunden für erforderlich, um besser zu werden“. Auch ein finanzieller Aspekt, muss für jede Stunde am Tisch doch ein Obolus entrichtet werden.
Das aber hält kaum jemanden ab, besitzt Karambol doch, wie einer der Poppenreuther schmunzelnd einwirft, „so etwas wie ein Suchtpotenzial“. Und das nimmt offensichtlich in fortgeschrittenem Alter nicht ab. Zum Glück für Karambol und seine Protagonisten nicht nur beim SV Poppenreuth.



