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20 Millionen Euro hat das städtische Tochterunternehmen infra in die Anlage investiert, die sich zwischen Seukendorf und Langenzenn direkt an der B8 befindet. Laut Partheimüller ist diese Biogasanlage „bundesweit die bisher erste und einzige in ihrer Größenordnung, die komplett von einem Stadtwerk gestemmt wird“. Der infra-Chef zeigte sich stolz, nicht mehr nur „Verteilnetzbetreiber“ zu sein, sondern Erzeuger heimischer, „grüner“ Energie. Aus 51000 Tonnen Mais-, 6000 Tonnen Gras- und 6000 Tonnen Ganzpflanzensilage sollen hier pro Jahr künftig 20 Millionen Kilowattstunden Strom und 31 Millionen Kilowattstunden Wärme erzeugt werden. Im Jahr werden damit nach infra-Angaben 17400 Tonnen Kohlendioxid eingespart. Das entspreche dem jährlichen Ausstoß von fast 8400 Kraftfahrzeugen.
Erklärtes Ziel der infra ist es, demnächst 6300 Haushalte in Fürth vom neuen Bioenergiezentrum aus mit grünem Strom zu versorgen und bis zu 2000 Haushalte mit Fernwärme. Nach den Worten von Manfred Zischler, stellvertretender Geschäftsführer der infra, wird das voraussichtlich ab Februar oder März der Fall sein. Zwar produziert die Anlage laut Partheimüller bereits Rohbiogas, doch wurde erst jetzt, zur offiziellen Inbetriebnahme, in den Gärbehältern die Temperatur erreicht, bei der der Gärprozess richtig in Gang kommt. Kommende Woche soll mit dem Entzünden einer Gasfackel das produzierte Biogas sichtbar gemacht werden.
Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung beglückwünschte infra-Geschäftsführer Partheimüller zu dessen unternehmerischem Mut und sprach von einem „Projekt, das viele Gewinner kennt“: die Umwelt, die regionale Wirtschaft und insbesondere die Landwirte, für die die Anlage eine stabile Einnahmequelle darstelle.
Cadolzburgs Bürgermeister Bernd Obst stieß in das gleiche Horn. Dass die Marktgemeinde grünes Licht für den Bau der Anlage auf Cadolzburger Grund gegeben, heimischen Landwirten damit einen Absatzmarkt miterschlossen und eine regionale Energieversorgung mitinitiiert habe, sei „der richtige Weg“ gewesen. „Davon bin ich überzeugt“, sagte Obst, auch wenn von Anfang an klar gewesen sei, dass eine solche Anlage „für den einen oder anderen auch Belastungen bringen“ würde.
Wie mehrfach berichtet, ist von Anfang an Kritik an dem Mammutprojekt laut geworden. Vor allem die Bewohner des benachbarten Seukendorf fürchten um ihre Ruhe. Ein Gutachten geht von 6200 Zulieferfahrten im Jahr aus und von ebenso vielen Fahrten zum Abtransport der Gärreste. Für den Spitzenmonat September wurden 3600 An- und Abfahrten prognostiziert. Ein Anwohner klagte Anfang November, ihm sei „ein ganz großes Stück Lebensqualität“ genommen worden. Denn: „Seit ein paar Wochen dröhnen nun stollenbereifte Traktoren mit Hänger teilweise von der Größe eines Reisebusses von sieben Uhr früh bis abends kurz vor zehn durch unseren Ort.“
Landrat Matthias Dießl wünschte der infra Erfolg mit ihrem Bioenergiezentrum, bat die Verantwortlichen aber auch, Forschungen im Auge zu behalten, wonach Biogasanlagen etwa mit Wildblumensilage statt mit Mais gefüttert werden könnten. Weniger Monokulturen und mehr Nahrung für die lebenswichtige Biene wären die Folge, und das Bioenergiezentrum laut Dießl dann „wirklich ein Vorzeigeprojekt“.



