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Das Fürther Rundfunkmuseum würdigt fränkische Firmen - vor allem die unbekannten - 17.05.2018 19:00 Uhr

Das waren noch Zeiten: Der Grundig Satellit 6001 galt Ende der sechziger Jahre als das Maß aller Dinge für Kofferradio-Experten und Design-Fans. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Natürlich, Grundig und Metz kennt jeder. Loewe auch noch. Das sind die ehemaligen Weltkonzerne mit ihren formschönen Radioapparaten und Fernsehkisten, die unsere analoge Kinderzeit prägten. Das Knacken beim Einschalten. Das Brummen der Röhren beim Warmlaufen. Die andächtige Wartezeit, bis aus dem Nichts Musik oder eine Erzählerstimme drang. Und natürlich das alles sehende grüne magische Auge!

Aber neben den großen Drei hatten Nürnberg, Fürth und Franken allgemein noch andere Radiofirmen zu bieten. Klangvolle Namen wie TeKaDe oder gar Lumophon aus Nürnberg. Nicht zu verwechseln mit dem "Felaphon", einem Tonbandgerät, das die obskure Firma Felap aus Reichelsdorf in den sechziger Jahren neben ihren Radios anbot. Obskur deshalb, weil fast nichts mehr von dieser Firma übrig geblieben ist. Selbst passionierte Radioexperten müssen hier passen. In Erlangen bot die Firma Friho — benannt nach ihrem Chef Fritz Hofmann — schon in den zwanziger Jahren Detektorempfänger an.

Allseits bekannt ist ja die Geburtsstunde des Grundig-Imperiums mittels des als Spielzeug deklarierten Bastelsets "Heinzelmann", aus dem jeder halbwegs begabte Tüftler ein Radio zusammenschrauben konnte. Noch abenteuerlicher mutet indessen die Stunde Null des Coburger Unternehmens Padora an. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges blieb ein Militärzug mit Nachrichtengeräten im Frankenwald stecken. Es kam sofort zu Plünderungen, bis die Amerikaner die Geräte beschlagnahmten. Der Tscheche Josef Pazdera hatte einen guten Draht zum amerikanischen Oberkommandierenden. Der überließ ihm die Geräte, und Pazdera gründete sein Unternehmen Padora mit dem Radio "Veste Coburg". Als allerdings der Philips-Konzern dem Unternehmen 1950 den Geldhahn zudrehte, war es mit Padora vorbei.

Grundig und Pazdera standen mit ihren Ideen nicht alleine da. Einige Radios der Marke Eigenbau direkt aus der Nachkriegszeit komplettieren die kleine Ausstellung in der Kurgartenstraße. Tüftler schlachteten hierzu einfach die Funkgeräte der Wehrmacht aus und funktionierten sie zu zivilen Zwecken um.

Erstmals erläutert das Rundfunkmuseum seine Präsentation nicht mit Texttafeln, sondern mit einer Medienstation. Auf einem Schirm schimmert eine Karte von Franken, einige Orte sind mit Fähnchen markiert. Per Knopfdruck holt sich der Leser Informationen zu allen ehemaligen wie noch existierenden Rundfunk-Firmen heran. So erfährt er auch vom Werdegang der Firma "Willy Hütter". 1933 gestartet, beglückte Hütter die Hörer mit den Radios "Musikus" und "Bambino". Vom Radiomarkt verdrängt, hält sich die Firma Willy Hütter heute immer noch über Wasser. Nämlich mit Funkalarmanlagen und Funkfernsteuerungen für Garagentore.

Z"Made in Franken: Von Hinterhoffabriken und Weltkonzernen": Rundfunkmuseum der Stadt Fürth (Kurgartenstraße 37). Dienstags bis freitags 12-17 Uhr, Wochenenden und Feiertage 10-17 Uhr, letzter Donnerstag im Monat 12-22 Uhr. Bis März 2019.  

Reinhard Kalb

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