Höchstwahrscheinlich ist beim Auftritt der Global Kryner ein Rekord gebrochen worden, gelang es doch Klarinettist und Sänger Christof Spörk kaum zwei Minuten, nachdem der erste Ton erklang, mit einem lässigen Fingerzeig das Comödien-Publikum zum spontanen Mitklatschen zu animieren. Mitklatschen. In Fürth.
Gut, dem unerwarteten Temperamentsausbruch ging bald darauf ein bisschen die Luft aus. Und doch. Kenner wissen, dass es hierzulande wohl kaum einen sensibleren Gradmesser für die mitreißende Live-Qualität einer Band geben kann.
Das Sextett aus Österreich — in Nürnberg spielte es jüngst im Rathaus beim Silvestival auf — hat die auf Anhieb erstaunlich klingende Idee, Pop-Hits im Oberkrainer-Volksmusik-Stil zu verarbeiten, zu einer Kunstform erhoben. Akkordeon, Trompete, Klarinette, Gitarre und Bassposaune werden mit einer Virtuosität gehandhabt, die grandios ist. Die Bearbeitung der Songs ist schlicht unglaublich kreativ und immer wieder überraschend.
Ganz gleich, ob sie sich Rammsteins „Engel“ oder Peter Fox und sein „Haus am See“ vorgeknöpft haben. Selbst Peter Alexanders „Süßeste Früchte“ haben hier auf einmal einen ganz neuen Charme. Dazu kommt die Stimme von Sabine Stieger, die zum Beispiel Grönemeyers „Flugzeugen im Bauch“ mit scheinbarer Mühelosigkeit das Pathos austreibt.
Wäre man nicht so abgelenkt mit Hören, Begeistertsein und, ja doch, Klatschen, dann eignete sich so ein Global-Kryner-Auftritt auch prima zum Stücke raten. Der Spaß, den die Band daran hat, musikalische Zitate in Lieder zu packen, ist ansteckend. Verblüffender ist allerdings fast noch, wie fabelhaft zusammenklingen kann, was nie dazu erdacht war, gemeinsam anzutreten.
Natürlich haben die Sechs auch Heimatliches mitgebracht. Mit Georg Kreisler etwa geht’s zum Taubenvergiften in den Park. Für einen Song lang bleibt hier der ironische Bruch, den die Band so wunderbar bespielt, außen vor. Dieses Lied ist schön. Schön bös. Wunderbar.
Was man auch von den Moderationen behaupten kann. Sabine Stieger macht’s besonders einfühlsam und erklärt, was sonst womöglich unterginge: „Das nächste Stück“, macht sie liebevoll klar, „heißt Sehnsucht, weil es mit Sehnsucht zu tun hat.“
Schön, wenn die Dinge endlich mal so einfach sind. Hinzufügen kann man dem im Grunde nur eines: Die Global Kryner sind großartig, weil sie großartige Musik machen und spontan die Laune heben. Auch und gerade im Januargrau.
Aktuelle CD: „Coverstories“ (Wildwechsel/Universal)



