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Samstag, 22.09.2018

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Blockierte Parkplätze: Wilhermsdorf greift durch

Segelboote und Anhänger dauerhaft abgestellt - "Eine Unverschämtheit" - 08.09.2018 16:00 Uhr

In der Wilhermsdorfer Siedlung „Süd“ sind seit langer Zeit diverse Anhänger, ein Wohnwagen, zwei Boote auf Hängern sowie ein abgemeldetes Auto abgestellt. Bürgermeister Uwe Emmert ist die Situation leid © Heinz Wraneschitz


Ja, auch Wilhermsdorf hat Wasserflächen: den Sauweiher oder Regen-Rückhaltebecken. Aber ob die für jene Segelboote geeignet sind, die seit Monaten am Parkplatz im Baugebiet Süd stehen, ist doch stark zu bezweifeln.

Einer der beiden Hänger scheint sehr begehrt zu sein. So sind schon mal die Blinklichter abgeschraubt worden, nur noch die Kabel hängen aus dem Rahmen. Ob der Besitzer etwas davon mitbekommen hat, dass sein Bootstransporter inzwischen als Ersatzteillager missbraucht wird, ist unbekannt. Das Kennzeichen "MSP" — Main-Spessart — lässt zumindest vermuten, dass er nicht jeden Tag vorbeikommt. Das trifft auch beim zweiten Boot zu, dessen Trailer hat ein Nürnberger Kennzeichen. Außerdem blockieren seit vielen Wochen ein Wohnwagen und fünf Einachs-Autoanhänger die Parkplätze, die eigentlich für Besucher von Anwohnern in "Wilhermsdorf Süd" gedacht sind.

Der Bürgermeister ist die Situation leid

Bürgermeister Uwe Emmert ist die Situation inzwischen leid. "Es ist eine Unverschämtheit, öffentliche Parkplätze zu missbrauchen", schimpft er. Denn erlaubt ist das monatelange Abstellen von Hängern — ob mit der ohne Boot — sowie Wohnwagen im öffentlichen Raum nicht. Genauso wenig, wie von schrottreifen Pkw einfach die Nummernschilder abzuschrauben und sich auf Nimmerwiedersehen aus dem Staub zu machen. Anders Wohnmobile: Die dürfen stehen so lange sie wollen, sagt die Polizei. In Nürnberg und Fürth organisieren die Stadtverwaltungen mit der Polizei immer wieder Abschleppaktionen. Auf diese Art müssen vor allem Autohändler für ihre Rechtsverstöße mit nicht angemeldeten Fahrzeugen finanziell bluten. Die Stadt Fürth hatte 2017 vergeblich auf Hilfe aus Berlin gehofft, um gegen Laster vorzugehen, die in Wohngebieten abgestellt werden.

Aßerhalb der Städte ist das schwieriger: Laut einem Polizeisprecher verteilen die Ordnungshüter in den Landkreisen noch nicht einmal die berüchtigten "Roten Punkte": Diese Aufkleber setzen Fahrzeughaltern einen Termin; sie fordern zum Entfernen ihrer Vehikel auf, bevor diese auf Halterkosten abgeschleppt werden. Auf dem Land dagegen informieren die Beamten lediglich die Ordnungsämter und die müssten dann entscheiden, wie es weitergeht, so der Polizeisprecher.

Werbeanhänger im Fokus der Polizei

Aus der Fürther Kreisverwaltung heißt es in diesem Zusammenhang: "In den letzten acht Wochen wurden der Straßenverkehrsbehörde rund zehn Werbeanhänger gemeldet." Auf diese konzentrieren sich nun verstärkt die Polizisten während ihrer Streifenfahrten.

Bürgermeister Emmert geht dieser Einsatz nicht weit genug. Er nimmt das ärgerliche Parken jetzt in Gemeindehand: "Ich habe die Bauhof-Mitarbeiter beauftragt. Sie fahren die öffentlichen Parkplätze ab und erfassen die länger abgestellten Fahrzeuge: Anhänger, Wohnwägen, abgemeldete Autos, defekte Fahrräder."

Danach werde das weitere Vorgehen mit der Polizei und dem Landratsamt abgestimmt, kündigt Emmert an. Dauerparker seien zum Beispiel auch am Gras zu erkennen, das unter dem Boden oder teilweise sogar aus den Kotflügeln herauswächst.

Abgeschleppt vom Hallenbadparkplatz

Schwierig wird vor allem das Entfernen von Pkw von jenem Parkraum, der zwar öffentlich zugänglich, aber gemeindlicher oder privater Grund ist. Hier könne nur eingegriffen werden, "wenn es eine einschränkende Beschilderung gibt", heißt es aus dem Polizeipräsidium; für Fahrzeuge ohne Nummernschild gelte dies natürlich nicht.

Am Wilhermsdorfer Hallenbadparkplatz beispielsweise gibt es eine solche Einschränkung: Nur während des Badbesuchs darf dort geparkt werden. Hier hat die Gemeinde dieser Tage das erste Exempel statuiert: Ein Auto, das über ein Jahr dort abgestellt war und dessen Halter ins Ausland verzogen ist, wurde abgeschleppt. Nun dient es der örtlichen Feuerwehr als Übungsgerät für Fahrzeugbrände.

Die Besitzer wollen sich Kosten sparen

Warum gerade Transportanhänger oder Wohnwagen mit großstädtischen Kennzeichen auf Parkplätzen der Region viel Zeit verbringen, hat im Übrigen vor allem einen egoistischen Grund: Die Besitzer wollen sich schlicht die Kosten für einen Dauerparkplatz sparen.

Zumindest in Wilhermsdorf beginnt die Gemeinde nun das, was die Polizei auch anderen Kommunen empfiehlt: Um das Problem zu lösen, solle "zusätzlicher Überwachungsdruck aufgebaut" werden. Dass die Marktgemeinde sich das Fehlverhalten nicht mehr länger bieten lassen will, hat sich offenbar sogar bis zu einigen Wildparkern herumgesprochen. Ein Opel, der monatelang ohne Nummernschild am Parkplatz "Süd" stand, ist kürzlich verschwunden. 

Heinz Wranschitz

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