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Brachialgewalt im Doppelpack

Duos aus Fürth und Madison machten im Kunstkeller o27 mächtig Furore - 16.08.2015 11:45 Uhr

Bobby Hussy bearbeitet seine Gitarre mit solcher Gewalt, dass die Saiten immer wieder reißen. Seine Partnerin Heather hält die Klanggewitter am Schlagzeug unbeeindruckt auf Kurs. © Foto: Michael Müller


Ab wann eigentlich ist eine Band eine Band? Wo liegt die Mindestzahl der Musiker? Solisten können es mit der Gitarre vorm Bauch, Mundharmonika am Kiefergestell und Trommel auf dem Buckel ordentlich krachen lassen. Aber zur eigentlichen Musik braucht es eine gewisse Spannung, ein gegenseitiges Vertrauen, aber auch ein wechselseitiges Anstacheln und Herausfordern. Und dazu braucht es eben mindestens zwei.

Dass Frauen ungeheuren Lärm bereiten können, weiß wohl jeder Mann. Also haben sich die Sängergitarristin Anja Kröpke von den Shivas und der Drummer Jürgen Rakus von Dåy Høuston zusammengetan. Und weil der Sound der Gitarre so tief gestimmt ist, liefert Anja Kröpke den Bass gleich mit. Der Name ist gut gewählt, denn während Mr. Go straight und unbarmherzig, aber höchst variabel auf dem Schlagzeug antreibt, lässt Mrs. Flow ihrer Stimme freien Lauf, auch wenn die sich im Independent-Gewitter nur selten gegen die Gitarre durchsetzen kann. Höhepunkt war „Up to the River“, ein alter Titel von Dåy Høuston.

Vertauschte Rollen

Nach der Verschnaufpause liefern „The Hussy“ aus dem US-Bundesstaat Wisconsin Punkrock. Auch hier ist der Name Programm: „Hussy“ bedeutet soviel wie „Schlampe, Luder, Miststück“. Allerdings sind hier die Rollen vertauscht und auch optisch bemerkenswert. Bobby, ein spargeldürrer Typ mit langen Haaren und viel Wut im Bauch, malträtiert die Gitarre, während seine Partnerin Heather stoisch das Schlagzeug klopft.

Lautstärke ist alles, die Gitarre ist gnadenlos übersteuert. Und Bobby Hussy schrubbt sein Instrument derart mitleidlos, dass ihm bereits beim ersten Song eine Saite reißt. Macht nichts, ein Profi wechselt sie schnell aus, und solange hält Heather mit Trommeln und Scherzen die Zuhörer bei Laune. Kann es weitergehen? Krach, Schepper, Klirr und auf einmal: Zoing! Das war die nächste Saite, sie vibrierte nur drei Songs lang. Saitenwechsel, auf ein Neues.

Ein weiteres nihilistisches Garagengewitter, rohe Gewalt, pure Energie, monotones Geklopfe, unartikulierter Schreigesang. Nach drei oder vier Songs macht die dritte Saite schlapp. Jetzt reicht’s, Bobby Hussy lässt sich eine andere Gitarre bringen, und mit der findet das Duo Infernale zu einem krönend-krachenden Abschluss. Konsequenterweise hätten die Musiker ruhig ihre Instrumente zerdeppern können. Aber Saitenspannen macht offenbar doch mehr Spaß, als Trümmer wegzukehren. 

REINHARD KALB

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