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Nicht drei, sondern gleich acht Jurymitgliedern müssen sich die Casting-Teilnehmer präsentieren. Im Umkleideraum des Betriebshofes warten zwischen Jacken, Mänteln und Taschen die zukünftigen Musicalstars: Zwei unterhalten sich ganz locker, einer reibt sich nervös die Finger vor Aufregung, ein anderer murmelt seinen Text vor sich hin.
Währenddessen trinkt Malte Berwanger im Mehrzweckraum noch einen Schluck Tee, legt eine CD ein, stellt sich kurz vor und legt los. Schon nach wenigen Sekunden werfen sich Regisseur Jan Burdinski und seine Regieassistentin vielsagende Blicke zu. Und staunen dann wie der Rest der Jury, während Berwanger voller Inbrunst und Hingabe die „Unstillbare Gier“ aus Tanz der Vampire interpretiert.
Als er den letzten Ton gesungen hat, herrscht einen Moment gespannte Stille. „Grandios“, entfährt es Burdinski, dann brandet Applaus auf. „Unglaublich. Toll.“ Der 30-jährige Sänger ist ein Volltreffer – und vom Fleck weg engagiert. Geld, beeilt sich Autor Fritz Stiegler aber schnell anzumerken, könne man dem jungen Mann nicht bieten. „Darum geht es mir auch gar nicht“, erwidert der Schauspieler und Sprecher, „ich will Erfahrungen sammeln und Sicherheit im Gesang gewinnen.“
An Auftritten, lacht Stiegler, „wird es Ihnen mit Sicherheit nicht mangeln. Im Gegenteil.“ Auch bei der „Weißen Witwe“, die im Juli mit sechs Vorstellungen wieder aufgeführt wird und für das „Fränkische Weihnachtsmusical“ ist dem gebürtigen Forchheimer ein Part sicher.
Ob er das Pensum überhaupt bewältigen könne, überlegt der Gonnersdorfer Öko-Landwirt laut, denn Berwanger wohnt in München. Doch die Bedenken wischt Malte Berwanger schnell beiseite: „Ich bin oft in meiner Heimat und fahre außerdem gerne Auto.“
Die Hauptrolle für den „Aeronauticus“ scheint also gefunden – die Arbeit der Jury geht indes trotzdem weiter. Immerhin gilt es insgesamt knapp 100 Rollen zu besetzen. Das „Fränkische Weihnachtsmusical“ soll Ende 2012 uraufgeführt und mit zwölf Vorstellungen in der kleinen Comödie in Fürth präsentiert werden. „Es hat nichts mit einem Krippenspiel zu tun“, macht Komponist Matthias Lange deutlich, „sondern ist lustig, charmant und durchaus auch kritisch.“ Das musikalische Repertoire reicht dabei von Rock’n’Roll über Gospel, Pop bis hin zu Klezmer-Musik. Im „Aeronauticus“, der im Juli 2013 Premiere haben soll, geht es um den Flugpionier Gustav Weißkopf, der den ersten bemannten Motorflug unternommen hat, dessen Auswanderung nach Amerika und – wie könnte es anders sein – eine zerbrochene Liebesgeschichte. Typischer Musicalsound und Orchestermusik wird die Zuhörer erwarten, aber durchaus auch jazzige und bluesige Stücke.
Alleine 31 Titel hat Matthias Lange für dieses Musical komponiert und arrangiert. „Wir wollen jede Rolle mindestens doppelt besetzen, daher brauchen wir sehr viele Sängerinnen und Sänger“, erklärt Thomas Dröge, Vorsitzender des 2008 gegründeten gemeinnützigen Vereins Cadolzburger Burgfestspiele.
Bei „Magdalena“ und der „Weißen Witwe“ hatten sich die Darsteller und Komparsen bereits zu einer „großen Familie“ zusammengefunden, wie Schriftführerin Sandra Zucker sagt. „Aber da ist niemand gesetzt“, betont Jan Burdinski, „jeder Neue hat die gleichen Chancen und Möglichkeiten.“ Und die will auch die zwölfjährige Lena Frank aus Stadeln ergreifen. Sie wartet in der Umkleide mit ihrem Papa.
Aus den Fürther Nachrichten habe sie vom Casting erfahren, erzählt sie munter, „und weil ich sehr gerne singe, habe ich mich angemeldet“. In ihrer Schule, einem musischen Gymnasium in Erlangen, hat sie schon öfter bei Musicals mitgemacht. „Das macht Spaß“, sagt die Fürtherin mit leuchtenden Augen, „und es wäre das Größte für mich, in Cadolzburg dabei zu sein.“ Nein, Cadolzburg sucht nicht den Superstar – hier ist die Gemeinschaft die Hauptperson.



