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Cadolzburg: Gelungene Zeitreise ins Mittelalter

Die Besucher tauchten bei zwei Vorführungen in die Vergangenheit ein - 05.09.2017 11:00 Uhr

Steinmetz- und Bildhauermeister Christoph Bücker zeigt den Besuchern der Cadolzburg sein Handwerk an einem Thüringer Sandstein. © Armin Leberzammer


Ob beim Spiegelfechten, dem Schaukampf mit den Langschwertern oder den langen Hellebarden, die Bühne im Palas der Cadolzburg sollten die Besucher besser nicht betreten. Gekonnt lassen dort Susanne Schmitt und Britta Hagmeyer ihre Waffen schwingen, während Fechtlehrer Wolfgang Abart die Prinzipien dieser bewaffneten Auseinandersetzung erläutert.

Schwertkunst ist kein bloßes Aufeinandereinschlagen: Susanne Schmitt und Britta Hagmeyer demonstrieren, wie im späten Mittelalter die Waffen geschwungen wurden. © Armin Leberzammer


"Das war kein wildes Aufeinandereinhauen", betont der 45-Jährige aus Tübingen, der Training und Kurse hauptberuflich anbietet. In mühsamer Archivrecherche hat er zudem vieles über die Schwertkunst des Mittelalters erfahren und sie in einer stattlichen und bebilderten Fibel zusammengefasst. Auch über die Folgen einer solchen Auseinandersetzung weiß er zu berichten.

"Einen Ritter im Kampf umzubringen, war gar nicht das oberste Ziel", erzählt Abart den Zuschauern. Der Grund: Meist zog ein getöteter Ehrenmann eine Fehde durch dessen Verwandtschaft nach sich. Und außerdem ließ sich für einen Gefangenen in der Regel eine hübsche Summe Lösegeld, mindestens aber dessen Rüstung und Pferd erzwingen.

Susanne und Toni Schmitt aus Neunkirchen am Brand hat das Schwertkampffieber bereits vor über zehn Jahren gepackt, ausgelöst durch Filme wie "Braveheart". Mittlerweile haben die beiden den Anspruch, authentisch und zeitgenössisch zu kämpfen, nicht wie in Hollywood.

Wolfgang Abarts Schwertschule haben sie in einem Kurs am Nürnberger Bildungszentrum kennengelernt. Dass sie irgendwann alle rund 500 Fechttechniken und –figuren beherrschen, vermögen die beiden nicht zu sagen. Ein Ziel ist es allemal. Obwohl Toni Schmitt offen einräumt: "Da braucht man Jahre, um das zu erreichen."

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In einem Wochenendseminar an der VHS hat auch Christoph Bücker sein Handwerk nicht gelernt. Der 56-Jährige ist Steinmetz- und Bildhauermeister. Ein schöner Beruf sei das, "ein Handwerk im wahren Sinne des Wortes". Der Regensburger ist mittlerweile im sozialen Bereich berufstätig, Steinmetzvorführungen gibt er nur noch bei Gelegenheiten.

An diesen Tagen fertigt er einen Sandsteinquader mit dem Logo der Bayerischen Schlösserverwaltung. "Kein Nürnberger Burgsandstein, weil der viel zu brüchig und quarzig für so feine Arbeiten ist", erklärt der Experte. Sein Arbeitsmaterial komme aus Thüringen, vermutet er. Wenn jemand unter den Museumsbesuchern sich mit Hammer und Meißel versuchen möchte, rät Bücker doch zu dem weicheren Nürnberger Sandstein. Dann sehe man schneller die Ergebnisse. "Das Interesse an den zwei Tagen hier auf der Cadolzburg war groß", sagt er, "die Leute haben nicht mehr so viel Gelegenheit, einen echten Steinmetz zu beobachten."

  

ARMIN LEBERZAMMER

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