Freitag, 16.11.2018

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Cadolzburg: Selbst Bienen leben hier wie im Mittelalter

Verborgene Gärten der Veste: Führung zu Orten, die Besuchern sonst verschlossen bleiben - 13.09.2018 13:00 Uhr

Sven-Patric Klameth illustrierte seine Führung auch mit diversen Bildern. © Foto: Fiedler


Eigentlich sollte alles in voller Blüte stehen. Doch die Hitze und Trockenheit dieses Sommers ist für Gärtner eine kaum zu bewältigende Aufgabe. Dennoch, ganz schmucklos muss Sven-Patric Klameth, Landschaftsarchitekt mit dem Fachbereich Gartendenkmalpflege, die bepflanzten Areale rund um die Burg nicht präsentieren.

"Unser Gärtner hat sich schon entschuldigt, dass wir nicht überall kunterbunte Vielfalt vorfinden", verrät er. Aber im extremen Klima dieses Sommers sei eben nicht mehr möglich. Er freue sich deshalb schon über die vielen kleinen Farbtupfer in den Beeten, die als Bienenweiden gedacht sind.

Klameth führt seine Besuchergruppe zunächst in den Brunnenhof der Burg. Ein schattiger kühler Ort. Im Burgkonzept sei der Brunnenhof als Ruhe- und Erholungsort ausgewiesen, berichtet der Mitarbeiter der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung.

Schatten unter Robinien

Zwei ältere Robinien beschatten den Platz rund um eine Felshaube. Sie markiert die Spitze des Sandsteinriegels, auf dem die Cadolzburg seit Jahrhunderten thront. Dezent unterstreicht die Bepflanzung die Qualität des Raumes: ein paar Veilchen und Lerchensporne im Frühjahr, Rosen und Farne jetzt im Sommer. Während Klameth seine Zuhörerinnen und Zuhörer in den Halsgraben führt, beschreibt er die mittelalterliche Architektur. "Der Halsgraben trennt Vor- und Hauptburg", erfährt die Gruppe und kann sich freuen, ihn überhaupt betreten zu dürfen — im Normalfall ist der Halsgraben nicht zugänglich.

"Und woher kommt der Name?", will eine Gartenfreundin aus Deberndorf wissen. Das Mauerwerk steige wie ein Hals aus dem Boden auf, so Klameth. Er selbst spricht von der Faszination der Cadolzburg, weil man von hier aus die Dimension am eindrücklichsten wahrnehmen könne.

Aus Gärtnersicht ist der Halsgraben kein Höhepunkt. Holunder, Walnuss und Gras würden es nicht gerade ins Gartenmagazin schaffen. Dafür ist der Halsgraben ein guter Ort, um etwas über Felssanierungen zu erfahren, oder welche Fragen sich Bauarchäologen aufdrängen. Wenn etwa eine uralte, in Stein gehauene Treppe heutzutage ins Nirgendwo führt.

Zweifelsfrei findet das mauerbewehrte Gärtchen im Vorhof der Veste das größte Interesse bei den Teilnehmern. "Er war wohl nie ein Versorgungsgarten", lässt Klameth wissen. Eher ein Ort des Rückzugs für die Bewohner der Burg.

Der Burggarten ist ins Konzept der Cadolzburg als ein lebendiges, lehrendes Museum eingebunden. "Die Aufgabe von uns Gärtnern besteht darin, den Garten so zu gestalten, dass er sich ins Museumskonzept einfügt." Soll heißen, dass er einmal das Mittelalter widerspiegelt und in das pädagogische Konzept des Burgmuseums passt.

Der heutige Burggarten wurde in Anlehnung an die Klostergärten gestaltet. "Ihre Beschreibung und Kochbücher aus der Zeit sind unsere besten Quellen", verrät der Landschaftsbauer, warum die Beete heute so bepflanzt sind, wie sie die Besucher vorfinden. Im Anschluss an das mauerumfriedete Areal stehen Obstbäume und Beerensträucher. "Gerade bei den Beeren haben wir nach historischen Varianten gesucht", verrät Klameth.

Klameth berichtet von den Recherchen. Sie beginnen mit den Gartenplänen aus dem Jahr 1629. Das ist die älteste Quelle, die er ausfindig machte. "Dann haben wir Katasterpläne aus dem 19. Jahrhundert", fährt er fort. Die zeigten eine Zweiteilung in Obstwiesen und Beete.

Kräuter und Heilpflanzen

Kochen oder Färben wie im Mittelalter, Getreideanbau wie im Zeitraum vom 9. bis zum 15. Jahrhundert: Der Burggarten liefert heute für die Mittelalterküche des Museums Gemüse und Kräuter, hält Heilpflanzen vor und solche, mit denen sich Stoffe und Papier färben lassen. Der Mohn macht rot, die Ranunkel gelb. "Kinder können bei den Museumskursen damit hantieren", sagt Klameth.

Ganz zum Schluss dürfen die Besucher noch einen Blick auf die Burgbienen werfen. Die sind an einem verschwiegenen Ort hinter der Alten Schule angesiedelt. Ganz nach Sitte der Zeit haben sie ihre Waben in Strohkörbe gebaut.

Das ist für Klameths Zuhörer die größte Überraschung. Zu sehen, dass auf der Cadolzburg selbst die Bienen im Mittelalter angekommen sind. Nur bei der Gartenführung kann man darauf einen Blick werfen. Das nächste Mal im Mai 2019. 

Petra Fiedler

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