Donnerstag, 15.11.2018

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Cadolzburger Kinder werden zu Burg-Experten

Das Erlebnismuseum und die Grundschule kooperieren neuerdings - 15.05.2018 21:00 Uhr

Der „Kurhut“, den Museumspädagogin Monika Dreykorn (links) mitbrachte, kam bei den Cadolzburger Grundschülern sichtlich gut an. © Foto: Sabine Rempe


Hoch und mächtig ragen die alten Mauern in die Höhe. Die Kinder der Klasse 1 a schauen nach oben und staunen. Ruhig ist es an diesem Morgen im Innenhof der Burg. Fragt sich natürlich: Wie war das eigentlich, als hier im Mittelalter unzählige Bedienstete herumwuselten und die Herrschaften in den noblen Räumen umsorgten?

Genau darum geht es bei dieser ersten Visite der künftigen Fachleute in Sachen Cadolzburg. Über vier Grundschuljahre werden die Jungen und Mädchen regelmäßig das neue Erlebnismuseum erkunden; ein Stempelpass wird die Kinder schließlich als Experten ausweisen. Mit den Museumspädagogen Monika Dreykorn und Maximilian Keck dreht sich im Moment erst einmal alles um das riesige Tretrad, das die Besucher im Hof erwartet.

Der Nachbau des hölzernen Geräts erinnert daran, wie es vor Jahrhunderten gelingen konnte, Stein um Stein aufeinander zu türmen. "So eine Tretmühle wurde wie ein Kran genutzt", erklärt Monika Dreykorn. Angetrieben wurde das Ganze von Menschen, die im Rad liefen. Das bringt Moritz (7) auf eine Frage: "Sind die auf allen Vieren da drin rumgerannt, so wie die Hamster?" Die Fachfrau weiß: "Nein, die liefen aufrecht." Josepha (6) möchte noch mehr wissen: "Haben die sich damals freiwillig gemeldet oder hat der König die ausgesucht . . .?"

Zum Start des neuen Kooperationsmodells zwischen Schule und Burg ist auch Cadolzburgs Bürgermeister Bernd Obst gekommen. Den Kindern verrät er, wie er als Junge das alte Gemäuer erkundet hat: "Damals gab es ja noch kein Erlebnismuseum, aber die Burg war für uns der schönste Abenteuerspielplatz." Schulleiterin Monika Oswald-Jung freut sich: "Die Cadolzburg liegt als Lernort für uns so nah, dass es eine Vergeudung wäre, diesen nicht intensiv zu nutzen." Die Idee für die Kooperation war bei einer Lehrerfortbildung auf der Burg entstanden.

Naschen wie der Kurfürst

Die Schülerinnen und Schüler stehen inzwischen vor dem riesigen Schlot, unter dem sich einst Ochsen am Spieß drehten. Wer eine feine Nase – und vielleicht eine Brise Fantasie – hat, der kann hier noch immer einen Hauch von leckeren Gewürzen wahrnehmen. Immerhin wurden an dieser Stelle einst bis zu 300 Ochsen Jahr für Jahr zu delikaten Braten verarbeitet.

Museumspädagoge Maximilian Keck verrät aber auch, was Kurfürst Albrecht gerne genascht hat: "Kandierten Kümmel." Aus einem großen Glasgefäß dürfen die Kinder eine Kostprobe der Spezialität nehmen – frisch angemischt, versteht sich.

Aus der Hofküche geht es nun hinauf zu den Herrschaften. Die Schülerinnen und Schüler lernen Friedrich I., den ersten Kurfürsten aus dem Hause Zollern kennen, seine Frau Elisabeth von Bayern und den gemeinsamen Sohn Albrecht Achilles, der mit Anna von Sachsen verheiratet war.

Was aber war ein "Kurfürst"? Von den Pädagogen hören die Kinder, dass diesen Titel die sieben Fürsten trugen, die im Mittelalter den deutschen König wählen durften. Wie sich eine solche Würde anfühlte, lässt sich gleich ganz direkt nachempfinden. Monika Dreykorn reicht einen nachgearbeiteten "Kurhut" herum und jeder darf das gute Stück aus Samt und Pelz einmal aufsetzen.

Im Erkersaal erfahren die Erstklässler dann, was es mit den Wappen auf sich hatte, die alle, die Rang und Namen hatten, einst führten: Ein Stück Familiengeschichte sei darauf jeweils in allerkürzester Form zusammengefasst gewesen.

Jetzt dürfen die Kinder selbst aktiv werden und ein Wappen entwerfen und zeichnen. Bei ihrem nächsten Besuch im kommenden Schuljahr wird das Thema "Ritter" im Mittelpunkt stehen. Monika Dreykorn verspricht: "Das wird auch richtig spannend." 

Sabine Rempe

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