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Cadolzburgs gepflegte Bach-Welt erfreut auch die Vögel

Brunnlohgraben: Nach der Umgestaltung stieg die Zahl der Arten in zehn Jahren auf 52 - 13.11.2017 06:00 Uhr

Was auf dem Plan dargestellt ist, den die Fachleute hier präsentieren, konnten die Besucher des „Gewässer-Nachbarschaftstages“ am Brunnlohgraben in Wachendorf in der Praxis sehen. © Foto: Hans von Draminski


Es geht um zu viel Feinmaterial in Bächen und Flussläufen. Die Verschlammung verringert die Lebensräume von Fischen und Kleinlebewesen. Auch Erholungssuchende haben wenig Lust, in einer braunen Brühe zu baden. Zudem steigt der Aufwand, den die Gemeinden treiben müssen, um die Gewässer sauber zu halten.

Beim Gewässer-Nachbarschaftstag, an dem traditionell Ämtervertreter und betroffene Kommunalpolitiker teilnehmen, wurden mögliche Lösungswege gezeigt, unter anderem am Beispiel des Brunnlohgrabens in Wachendorf. "Schon mit kleinen Maßnahmen lassen sich unsere Bäche wieder naturnäher gestalten", weiß Cadolzburgs Bürgermeister Bernd Obst, der sich bei einem Rundgang mit zahlreichen Praktikern darüber austauschte, wie man den sogenannten Feinmaterialeintrag in Wasserläufe verhindern oder zumindest reduzieren kann. Der Unterhalt der kleinen Bäche liegt bekanntlich in der Verantwortung der Gemeinden, die dabei vom Freistaat Bayern in Planung und Umsetzung unterstützt werden.

Dabei kommen Experten wie der Flussmeister Gunther Haas vom Wasserwirtschaftsamt Nürnberg zum Einsatz. Er fungiert als Berater der Gewässer-Partnerschaften, die als landkreisweites Netz aufgebaut sind, und weiß dabei "Mitspieler" wie das Landesamt für Umweltschutz oder das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) an seiner Seite.

Projekte wie die teilweise Renaturierung und Umgestaltung des Brunnlohgrabens unweit der Wachendorfer Kläranlage haben dabei durchaus Vorbildcharakter, denn es geht darum, mit vergleichsweise einfachen Mitteln Flächen so herzurichten, dass die Neuverschlammung der Wasserläufe zumindest gebremst wird.

"Im konkreten Fall wurden gut zwölf Hektar umgestaltet", erklärt Cadolzburgs Marktbaumeister Herbert Bloß. Zu den Maßnahmen gehörte die Anlage beziehungsweise Wiederherstellung von Teichen, die auch als Regenrückhaltebecken dienen – Katastrophen wie das "Jahrhunderthochwasser" vor ein paar Jahren sollen sich möglichst nicht wiederholen.

Die Ergebnisse sind laut Bernd Obst nicht nur sicht- sondern auch messbar: So habe sich nicht nur die Wasserqualität am Brunnlohgraben deutlich verbessert, auch die Vogelpopulation sei gestiegen: Von 18 hier vor rund zehn Jahren vorkommenden Arten auf nun aktuell 52, wie der Landesbund für Vogelschutz beim letzten Monitoring feststellte.

Und weil ein solches ganzheitliches Vorhaben nur dann funktionieren kann, wenn möglichst viele an einem Strang ziehen, hat man laut Dieter Speer, Diplom-Biologe beim Landschaftspflegeverband Mittelfranken, längst auch die Landwirte mit ins Netzwerk geholt. "Schmackhaft" werde das Thema für sie, weil die intelligente Gewässerpflege auch jenen Vorteile bringe, die ihren Lebensunterhalt mit dem verdienen, was die "heimische Scholle" hervor bringt.

So findet auch das Projekt "boden:ständig", mit dem die Auswirkungen von Starkregenereignissen gemildert werden sollen, bayernweit guten Anklang. Im Cadolzburger Gemeindegebiet wird das, wie mehrfach berichtet, ebenfalls realisiert und setzt dabei auf Nachhaltigkeit und clevere Bewirtschaftung. 

HANS VON DRAMINSKI

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