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Carmen trifft Susi und Strolch

Die vier EvangCellisten in der Fürther Christkönigskirche - 09.08.2016 18:00 Uhr

Das Celloquartett aus Hof erfüllte den Kirchenraum kontrastreich und energiegeladen mit einem breiten Musikspektrum. © Foto: Giulia Iannicelli


2008 hatten die Cellisten der Hofer Symphoniker dieses Quartett zunächst noch unter einem anderen Namen gegründet. Ihr musikalisches Markenzeichen ist die Vielfalt aus allen Genres, und so spielten sie auch in Fürth unter dem Thema „Notturno“ eine bunte Mischung aus Abendliedern, Opern, Volksliedern aus aller Welt, Filmmusik und Jazz.

Wenn vier Virtuosen auf diesem Instrument musizieren, ist Wohlklang programmiert. Und so erfüllte schon beim einleitenden Abendlied ein fast feierliches Klangbild den Kirchenraum. Es wurde aber von zwei Ausschnitten aus Bizets Oper „Carmen“ ziemlich abrupt abgelöst. In der Habanera der Carmen wechselt die Solostimme nahtlos, vom dezenten Pizzicato der Mitspieler unterlegt.

Und von der Leidenschaft der heißblütigen Carmen ging es schnurstracks zur Wartburg, wo Minnesänger Wolfram von Eschenbach in düsterer Todesahnung das Lied an den Abendstern aus Richard Wagners „Tannhäuser“ singt. In der sehnsuchtsvollen Melodie des Cellos glaubte man die lyrische Baritonstimme des Wolfram zu hören.

Tolle Arrangements

Auch der italienische Opernkomponist Giacomo Puccini gilt als Meister des Schöngesangs „Belcanto“. In zwei Arien aus seiner Oper „Tosca“ und dem Lied der Lauretta „Väterchen, teures, höre“ aus „Gianni Schicchi“ kosteten die vier Cellisten in tollen Arrangements die schwelgende Melodieseligkeit voll aus, ehe dann im Superhit aller Tenöre – von Luciano Pavarotti bis Jonas Kaufmann – „Keiner schlafe“ Arie und Abendlied in einem erklingen. Der übergangslos und schon sehr abrupt anschließende „Tango passionato“ hätte aber besser in den zweiten Teil nach der Pause mit Musik aus aller Welt gepasst.

Und der begann wieder mit einem Abendlied, mit einem Höchstmaß an Expressivität und Klangschönheit dargeboten. Beim deutschen Volkslied „Im schönsten Wiesengrunde“ durfte das Solocello wie eine Bratsche leicht beschwingt singen, beim Transponieren in eine höhere Tonart dann gar geigenähnlich schwelgen. Es folgten ein Folksong aus Irland und ein Song des Duos Simon and Garfunkel, auch hier faszinierend, wie die Gesangslinien ineinander verwoben waren.

Eine südamerikanische Suite für vier Celli führte dann in eine ganz andere Klangwelt mit einem fetzigen Mambo, einer Samba, bei der die Musiker den Bogen weglegten und im Pizzicato mit feinen dynamischen Schattierungen aufwarteten, ehe im Paso doble die Atmosphäre einer argentinischen Bar fühlbar wurde. Dann gab es, wieder ziemlich unvermittelt, Filmmusik aus „Susi und Strolch“, ehe es mit dem Meister des Swing Benny Goodman und einem Ragtime jazzig wurde. Auch diese modernen Klänge und Rhythmen wieder in perfektem Zusammenspiel und Virtuosität. Von wem die tollen Arrangements stammen, wurde mangels eines Programmheftes allerdings nicht verraten.

Mit der ersten Zugabe ging es noch einmal in die argentinische Welt des Tango und dann zurück zum Thema „Notturno“ mit dem Abendsegen aus der Oper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck, und schöner als die vier EvangCellisten können die vierzehn Englein im nächtlichen Märchenwald bestimmt auch nicht singen.  

GÜNTER GREB

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