Dienstag, 20.11.2018

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Chinesischer Nussknacker

Zheng Qiang aus Shenzhen ist in Fürth zu Gast - 16.08.2018 12:00 Uhr

Geschafft: Der Künstler nach getaner Arbeit. Gerade hat er seine Gemälde aufgehängt. © Foto: Thomas Scherer


Gut 9000 Kilometer Luftlinie trennen Shenzhen von Fürth. Doch seit 1997 gibt es zwischen der 15-Millionen-Einwohner-Stadt im Süden der Volksrepublik China und der Metropolregion eine Partnerschaft, zu der auch Begegnungen von Künstlern gehören. Zheng Qiang, der sich jetzt auf die Reise machte, studierte an der Akademie in Hubei, der ältesten Kunsthochschule in China. Inzwischen arbeitet der 63-Jährige am Shenzhen Fine Art Institute.

In diesem Moment steht Zheng Qiang allerdings versunken im Ausstellungsraum der Park Side Studios von Fotografin Martina Striegl-Klehn und Designerin Marion Wagner-Neuner. Der Künstler ist vertieft in die Hängung seiner Arbeiten. Es sind großformatige Tuschemalereien, die historische Elemente mit aktuellen Motiven vereinen. Die Fürther Künstlerin Barbara Engelhard hat sich bereits mit den Werken des Kollegen auseinandergesetzt und erfahren: "Er hat unter anderem Abbildungen aus traditionellen Akupunkturbüchern mit neuen Inhalten besetzt."

Logos statt Hirn

So ist auf einem Bild zum Beispiel ein Kopf samt Akupunkturpunkten zu erkennen, doch da, wo das Hirn sein sollte, drängen sich dicht an dicht die Logos einer französischen Nobelmarke. Die Botschaft erschließt sich unschwer: Wenn Konsum den Kopf vernebelt, wird es eng . . . Vor seiner Tour nach Franken erbat sich der Künstler Fotos von herkömmlichem Spielzeug, so wie es hierzulande einst gefertigt wurde. Als Hommage an seine Gastgeber hat er aus diesen Impressionen neue Werke geschaffen, die verblüffen. Da schaut etwa ein Nussknacker mit verschlossener Miene den Betrachter an, ein vertrauter Anblick – eigentlich. Doch Zheng Qiang hat dieses Porträt auf traditionell chinesische Weise in Tusche gearbeitet. Ein Effekt, der aufbricht, was auf den ersten Blick so bekannt erscheint. Dieser kernige Held hat seine Herkunft weit hinter sich gelassen, scheint einem gänzlichen neuen Universum entsprungen zu sein.

Während Besucher bis 29. August die Chance haben, Zheng Qiangs Bilder in Fürth kennenzulernen (der Eintritt ist frei), macht sich der Künstler mit seiner Frau Zhang Ning die Metropolregion ein Stück weit vertraut. Die Kommunikation klappt dank Technik, ein Übersetzungsprogramm auf seinem Smartphone macht Gespräche möglich. Der Besucher aus China nutzt die Gelegenheit, Komplimente zu machen: "Fürth ist eine wunderschöne Stadt mit einer sehr interessanten Geschichte, alle sind sehr freundlich und es ist überall sehr sauber." Tatsächlich erkenne er einige Ähnlichkeiten zu seiner Heimatstadt.

Das überrascht ein bisschen. Shenzhen, so lässt sich bei Wikipedia nachlesen, gilt als "bedeutende Stadt für ausländische Investitionen und ist eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt". Der Begriff "Boomtown" fällt, wann immer die Rede von der südchinesischen Metropole ist. Die Frage, wie ihm denn das fränkische Essen mundet, beantwortet der Künstler mit perfekter Höflichkeit. Es sein, nun, "ein wenig ungewöhnlich", und dann verrät er, dass ihn die Mengen an Fleisch, die hier manchmal serviert werden, sehr erstaunt haben.

Sehr lecker

Zheng Qiang lacht sein mitreißendes Lachen, für das es keinen Übersetzungscomputer braucht, um überall verstanden zu werden, und lobt freundlich: "Die kleinen Würste und das Sauerkraut sind sehr fein und das Brot ist sehr gut, das kennen wir so gar nicht". Ganz besonders lecker findet er allerdings die "Tomaten, die wir direkt aus einem Garten bekommen haben".

Auf dem Programm der Gäste aus China standen jetzt unter anderem auch intensive Treffen mit deutschen Kollegen. Begeistert ist Zheng Qiang von der Stuhl-Installation, die Barbara Engelhard bis vor wenigen Tagen am Paradiesbrunnen gestaltet hatte. Die Fürther Künstlerin wird im November zum Gegenbesuch nach Shenzhen reisen. Schon jetzt freut sie sich auf Inspiration und die Chance, vor Ort zu arbeiten. Vor der fremden Sprache und den Schriftzeichen ist ihr nicht bange: "Ich nehme bei Ausflügen einfach immer eine Karte mit, auf der meine chinesische Adresse steht. Dann klappt das."

  

SABINE REMPE

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