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Comödie Fürth: "Die Spanische Fliege" surrt wie am Schnürchen

Munterer Reigen entfesselter Biedermänner kam beim Publikum prima an - 20.04.2017 17:30 Uhr

Echter Spaß mit falschen Bäuchen: Martin Rassau (li.) und Volker Heißmann haben den Schwank-Klassiker mit reichlich Fürther Lokalkolorit aufgepeppt. © Foto: Thomas Scherer


Tugend ist ein schönes Wort, das meist ein wenig hochtrabend daher kommt. Vor langer Zeit bedeutete der hehre Begriff allerdings nichts anderes als "brauchbar" oder "tüchtig". In diesem Sinne ist das Personal dieses bürgerlichen Spaß-Stücks unglaublich tugendhaft. Am tüchtigsten sind die gestandenen Männer in diesem Spiel, denn keiner macht denen etwas vor, wenn es darum geht, Peinliches unter den Teppich zu kehren. Warum das so ein großes Vergnügen ist, gehört zu den Betriebsgeheimnissen dieser Komödie, die 1913 uraufgeführt wurde.

Martin Rassau (Regie) und Volker Heißmann lassen "Die Spanische Fliege" in ihrem ureigensten Gefilde herumsummen: in der wilhelminischen Zeit. Dank der opulenten Dekoration (Franz Schwarz) und der fabelhaften Kostüme (Angela Algeier) gelingt in der Comödie auf Anhieb der Transfer ins heimelige Ambiente jener Zeit, die so gerne die "gute alte" genannt wird. Die Fürther Inszenierung setzt dagegen auf Tempo. Das erhöht die Schlagzahl der Pointen per Minute und macht aus der ausgelassenen Hatz um Väter, Alimente und den Spross eines leidenschaftlichen Aufeinandertreffens eine atemlose Sause, die vom Premierenpublikum vom Start weg goutiert wird.

Flotte Sohle

Die beiden Hausherren agieren mit spürbarer Lust an diesem turbulenten Theater, sind perfekt aufeinander eingestimmt – auch beim Flamencotanzen – und jeden Moment im Kontakt mit ihren Zuschauern. Natürlich fehlt die gewohnte Brise Lokalkolorit nicht (Dramaturgie: Stephanie Schimmer), inklusive einer liebevollen Reminiszenz an die große Zeit der Fürther Brauereien – von Evora & Meyer bis zur Farrnbacher Weißbierbrauerei.

Im großen Ensemble mit insgesamt zwölf Darstellern (Angélique Verdel, Elena Otten, Markus Lohmüller, Luisa Rhöse, Patric Dull, Adi Pivernetz, Gernot Endemann, Sabine Schmidt-Kirchner und Stephanie Schimmer) erspielt sich nicht zuletzt Halil Yavuz als mehr oder weniger unverhoffter Sohn Heinrich große Publikumsgunst mit Slapstick-Einlagen und einem relativ kölschen Tonfall.

Am Ende hat in dieser feinen Gesellschaft jeder jedem so ziemlich alles zugetraut. Keiner hat sich von irgendwelchen Skrupeln ausbremsen lassen. Jede Falle ist zugeschnappt, und sämtliche Irrungen haben zu neuen Wirrungen geführt. Ein Spaß, der Schlag auf Schlag abläuft, als könnt’s gar nicht anders sein. In der Comödie gab es für "Die Spanische Fliege" die passende Antwort: Klatschen natürlich. Laut, lang und begeistert.

"Die Spanische Fliege": Comödie Fürth (Theresienstraße 1). Bis 19. Mai täglich (außer montags) 19.30 Uhr, sonntags 16 Uhr. Zusatzvorstellung am 6. Mai (16 Uhr). Karten bei Franken-Ticket am Kohlenmarkt, Tel. 74 93 40. Fans können Volker Heißmann und Martin Rassau auch an diesem Samstag begegnen: Bei der Einweihungsfeier des neuen Domizils der Fürther Nachrichten in den Malzböden (Schwabacher Straße 106) treten sie um 13 Uhr auf. Der Eintritt ist frei. 

SABINE REMPE

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