Dienstag, 26.03.2019

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Confiserie Riegelein setzt auf faire Nikoläuse und Pulzermärtel

Nach Anden-Exkursion: Cadolzburger Firma produziert nur noch mit nachhaltigem Kakao - 25.11.2018 21:00 Uhr

Nikoläuse so weit das Auge reicht: Bei der Confiserie Riegelein wird alle Schokolade aus Fairtrade-Kakao gefertigt. © Foto: Armin Leberzammer


"Wir wollten nicht länger Teil des Problems, sondern Teil der Problemlösung sein", erklärt Firmenchef Peter Riegelein. Spätestens nach einem Besuch bei Kakaobauern in Südamerika habe bei ihm das Umdenken begonnen: "Wenn man einmal vor Ort war und Anbau und Produktion gesehen hat, lässt einen das nicht mehr los."

Riegelein ist Gründungsmitglied im international zusammengesetzten "Forum Nachhaltiger Kakao" und hat laut eigener Aussage als erster weltweit verkaufender Schokoladen-Hersteller sein komplettes Sortiment auf Fairtrade-Kakao umgestellt. 2016 wurde das Unternehmen dafür mit dem Fairtrade Publikumsaward ausgezeichnet. "Ich wusste viel über Schokolade, aber wenig über Kakao", räumt Peter Riegelein ein. Eine Exkursion zu Landwirten in den Anden hat das geändert. Mit einigen von ihnen pflegt er seitdem eine Zusammenarbeit, die zu in kleinen Mengen produzierter, exklusiver Schokolade führte.

Fränkischer Rübenzucker

Doch auch die übrigen rund 18 000 Tonnen Schokolade, die in Cadolzburg und an zwei weiteren Standorten jährlich hergestellt werden, entsprächen hohen Qualitätsanforderungen. Der Kakao stammt aus fairem Handel, ebenso der Rohrzucker. Da letzterer allerdings deutlich teurer als heimischer Rübenzucker ist, ist diese Produktlinie vergleichsweise klein. Die überwiegende Mehrheit wird mit Rübenzucker hergestellt. "Ich glaube aber nicht, dass fränkischer Rübenzucker unfair ist", sagt Riegelein.

In der Region pflegt die Confiserie, die mit 750 verschiedenen Produkten einen Umsatz von rund 110 Millionen Euro erwirtschaftet, weitere gute Geschäftskontakte zu einheimischen Zulieferern. In der Beliebtheitsskala bei den Kunden ganz oben stehe der "Cadolzburger Nussbruch" mit frisch gerösteten Haselnüssen vom Stiegler-Hof in Gonnersdorf.

Die Anfänge von Riegelein gehen zurück auf die 1892 in Cadolzburg gegründete Bäckerei Gassner. Hier legten später Peter Riegeleins Eltern die Basis, als sie sich in den 1950er Jahren auf Schoko-Artikel spezialisierten. Heute zählt die Confiserie europaweit zu den Marktführern, beschäftigt 800 Mitarbeiter — in der aktuellen Hochsaison sogar über 900.

Weil der lange warme Sommer heuer nicht gerade Schokoladenwetter war, hofft Riegelein nun auf ein gutes Winter- und Weihnachtsgeschäft. Bei den Cadolzburgern gibt es übrigens noch "echte" Nikoläuse und Pulzermärtel. Auch wenn es für das Aussehen des letzteren keine genauen Vorgaben gebe und letztlich die Fantasie der Entwickler und Konditoren den Ausschlag gebe, ist eines für Peter Riegelein ganz wichtig: "Unser Martin schaut nicht aus wie der Nikolaus und schon gar nicht wie der Coca-Cola-Weihnachtsmann."

Bei einem Besuch von Vertretern der Regionalinitiative "Gutes aus dem Fürther Land" würdigte Cadolzburgs Bürgermeister Bernd Obst (CSU) nun das Unternehmen als identitätsstiftend für die Marktgemeinde. Erst kürzlich hatte Obst auf der Nürnberger Consumenta um Besucher geworben und dabei häufig gehört: "Cadolzburg? Das ist doch da, wo die Schokolade herkommt."

Landrat Matthias Dießl (CSU) wiederum sieht in der Riegelein-Schokolade "eine wunderbare Vereinigung" von Regionalität und Fairtrade. Zu kaufen gibt es die Produkte im Lebensmittelhandel und in der 2014 eröffneten Chocothek direkt am Werksgelände in Cadolzburg. 

Armin Leberzammer

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