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Anno 1314 wird Jaques de Molay, Großmeister des Ordens der Tempelritter, in Paris als Ketzer verbrannt. Kurz vor seinem grausamen Tod spricht er einen furchtbaren Fluch über die gesamte Königsdynastie der Kapetinger aus: dem Untergang sollen sie verfallen sein.
Anfangs nimmt das niemand so richtig ernst. Doch dann stirbt nach und nach tatsächlich ein Familienmit-glied nach dem anderen auf mysteriöse Weise. Darunter auch vier Könige Frankreichs. Die Prophezeiung scheint sich zu bewahrheiten.
Diese wahre Begebenheit hat den Historiker Jan von Flocken so fasziniert, dass er sie in einem Buch aus Sicht des letzten Überlebenden Kapetingers verarbeitet hat. Herausgekommen ist eine spannende und flüssig zu lesende Lektüre über die Vernichtung des Ordens der Tempelritter, die gleichzeitig mit so manchem Vorurteil über das Mittelalter aufräumt.
Für seinen Literatur-Vortrag mit dem Titel „Ritter, Hexen, Keuschheitsgürtel — unser Mittelalter war ganz anders“ hätte er keinen besseren Ort wählen können als die altehrwürdige Cadolzburg. Denn auch das Schmuckstück des Rangau hat im tiefen Keller ein Verlies.
Aber: „Folterkammern sind eine Erfindung des 19. Jahrhunderts“, stellt von Flocken klar. Seine simple Überlegung: „Welchen Sinn hätten
sie auch haben sollen?“ Verliese und „Angstlöcher“ freilich habe es zuhauf gegeben, um Geiseln festzuhalten, schließlich habe man Lösegeld bekommen wollen. Tot hätten die Gefangenen nichts genützt. Und auch Folterinstrumente wie die sogenannte Eiserne Jungfrau oder die Mundbirne habe es nicht gegeben — „zumindest gibt es keine Belege dafür.“
Mit der heutzutage allgemein vorherrschenden Meinung, Frauen wären zur damaligen Zeit unterdrückt worden, räumt der Historiker auf. „Sie waren im Mittelalter nicht rechtlos, schon seit ungefähr 1100 etwa gaben sich Eheleute das Ja-Wort, das heißt, es mussten beide einwilligen“, sagt von Flocken. Unter den 16 reichsten Kölner waren etwa 20 Prozent Frauen, also selbstständige Unternehmerinnen. Und erste Meisterbriefe für das weibliche Geschlecht in Berufen wie Kupferschmied oder Messingschläger gab es schon anno 1300.
Andererseits, so Historiker von Flocken, gebe es auch positiv besetzte Klischees, die widerlegt werden müssten. Zum Beispiel, dass es keine Bürokratie gegeben habe. „Die erste Straßenverkehrsordnung stammt aus dem Jahr 1220 — und es gab sogar Gesetze, die regelten wie viele Gäste auf eine Hochzeitsfeier geladen werden dürfen oder wie tief der Ausschnitt einer Frau sein darf.“
Das Phänomen Umweltverschmutzung war im Mittelalter durchaus bekannt, auch wenn man es noch nicht so nannte. Von Flocken: „Wälder wurden rücksichtslos abgeholzt, bei der Holzkohleherstellung wurde die Luft gnadenlos verpestet und mit Fäkalien wurden viele Flüsse verschmutzt.“
Die Erkenntnis aus dem kurzweiligen Vortrag Jan von Flockens: Ritter gehören zum Mittelalter, bei den Hexen ist nur zehn Prozent Wahrheit dran und die Keuschheitsgürtel sind „reiner Blödsinn“, weil eine Erfindung des 19. Jahrhunderts.
„Der Fluch des Tempelritters — vom Untergang einer Königsdynastie im Hochmittelalter“, von Jan von Flocken, Kai-Homilius-Verlag.




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