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Samstag, 20.10.2018

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Demo gegen Krieg und Flüchtlingselend in Fürth

Rund 100 Menschen forderten bei Kundgebung in Fürth ein Ende der Gewaltspirale - 30.01.2016 13:30 Uhr

Am Dreiherrenbrunnen zeigten die Kundgebungsteilnehmer Flagge. Statt den Waffen das Feld zu überlassen, sollen diplomatische Mittel eingesetzt und die Fluchtursachen bekämpft werden. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Am 83. Jahrestag der nationalsozialistischen Machtergreifung fühlte sich die Fürther Kundgebungsorganisatorin Anny Heike von der Linkspartei durch die Forderungen der AfD-Sprecherin Frauke Petry, Flüchtlinge mit Waffengewalt zu stoppen, an die Judenhetze unter Hitler erinnert. So wie damals würden auch heute viele Menschen den Scharfmachern das Feld überlassen. Dabei seien sie auch für das verantwortlich, was sie unterlassen, um Unheil abzuwenden.

Wie bereits vergangenes Jahr im Gottesdienst führte der evangelische Dekan Jörg Sichelstiel anhand mittelalterlicher Kriterien zur Definition eines gerechten Krieges vor Augen, dass der aktuelle Syrieneinsatz der Bundeswehr nicht gerechtfertigt ist. Denn dieser habe weder Legitimation noch Erfolgsaussicht. Er sei zudem nicht das letzte Mittel und angesichts der zivilen Schäden auch nicht verhältnismäßig. Sichelstiel beklagte, dass es richtig schwer geworden sei, über die gefährlichen Entwicklungen der weltweiten Krisenherde ins Gespräch zu kommen.

Deshalb begrüßte er die Fürther Kundgebung an der auch Vertreter des türkisch-islamischen Kulturzentrums Dtib teilnahmen. Sichelstiels katholischer Kollege André Hermany wiederum plant am 15. Februar um 17.30 Uhr einen Empfang für allle Besorgten in der Fürther Stadthalle.

Dass alle sogenannten Friedensmissionen bisher keinen Frieden gebracht haben, gab Ursula Lischke von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zu bedenken. Politiker, die über Flüchtlingsobergrenzen schwadronierten, seien nicht in der Lage, sich in die Situation Fliehender hineinzuversetzen. Um Fluchtursachen bekämpfen zu können, müsse Wohlstand und Reichtum mit dem Ziel einer Umverteilung von oben nach unten hinterfragt werden.

Die teure Werbung der Bundeswehr an Schulen kritisierte Ruth Brenner als Sprecherin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Mit Abenteuercamps würden Minderjährige geködert, was über dem eigentlichen Zweck der Truppe hinwegtäusche. Als absurd stufte der Fürther Europaabgeordnete Thomas Händel die Vorstellung ein, Krieg mit Krieg bekämpfen zu können.

Die derzeitigen Stellvertreterkriegen beschwörten nur Hass und Flucht herauf. Händel: „Diese Kriege kann man nur verlieren“. Der Linkspartei-Abgeordnete sprach sich für einen Stopp der Waffenlieferungen und der Kriegsfinanzierung sowie für verstärkte Flüchtlingshilfen aus. 

VOLKER DITTMAR

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