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19 verschiedene Frauen zufriedenzustellen, das schafft nicht einmal das Wunderland. So viele Wünsche tragen die in knalligem Rosa und Weiß gekleideten Alices denen vor, die sie in der neuen Welt begrüßen. Das weiße Kaninchen kann ihnen aber nicht helfen. Und anstatt zur wunschgemäßen Erfüllung beizutragen, streiten das Teekännchen und der Butterkeks, der viel lieber eine Schokopraline wäre, über ihr eigenes verkorkstes Leben. Beißende Dialoge und kreative Songtexte sorgen schon zu Beginn der Show für Lacher im fast durchweg weiblichen Publikum.
Dann darf endlich die erste Alice ihren Wunsch vortragen und bringt gleich den Traum aller Frauen zur Sprache: Abnehmen. Dabei soll ihr eine dicke, bekiffte Raupe helfen, die ganz in der Manier der Schlange Kaa aus dem „Dschungelbuch“ versucht, das schüchterne Mädchen auf der Bühne von den neuesten Trends zu überzeugen. Von „Schlankatmen nach McDonald’s“ bis hin zu „Pickel-Wickel“ ist im Wellness-Programm der Raupe alles dabei; nützen tut es aber wenig. Am Ende ist Alice moppeliger als zuvor.
Mit ihren zupackenden Chorstimmen untermalen die Sängerinnen die selbst entwickelte Geschichte, begleitet von Pianistin Julia Schmitt und einer Percussion-Spielerin. Dabei haben die Münchnerinnen Songs, Hits und Evergreens aus Pop, Schlager und Klassik bunt durcheinandergewürfelt und neu getextet. So bleiben weder die Zeilen aus „Good Vibrations“ von den Beach Boys, Ray Charles’ „Hit the Road Jack“ oder Georg Friedrich Händels „Süßer Blumen Ambraflocken“ (aus den neun deutschen Arien) unberührt. Der mehrstimmige Gesang zeugt von guter Stimmausbildung und hervorragenden Arrangements. Als Herzkönigin vor der Bühne sorgt Chorleiterin Alexandra Ziegler-Kumant für den nötigen Überblick.
In der etwas anderen Alice-Geschichte tritt die nächste Wunsch-Anwärterin hervor und erbittet sich mehr Erfolg im Beruf. Schnell wird eine Karriereleiter in Form einer einfachen Trittleiter herbeigeschafft, die sie dann hinaufsteigen kann. Das Hausfrauen-Klischee bekommt anschließend natürlich auch noch einen Song gewidmet, ehe es um die großen Gefühle geht.
Schließlich wünscht sich eine Frau doch nichts sehnlicher, als ihren Traummann oder, vor allem im Bezug auf die Show des Lesbenchors, ihre Traumfrau zu finden. Klar, dass in diesem Fall 19 Frauen vom „Schatz im Negligé“ singen. Dank eines wild gewordenen Kartenspiels findet eine Alice in der Herzdame ihre Lieblings-Liebe und fährt mit ihr nach Venedig. Doch auch dieser Wunsch geht nicht in Erfüllung, auf Leidenschaft folgt Herzschmerz.
In diesem Moment taucht eine uralte Schildkröte auf, die der liebeskummervollen Alice aber nur allzu allgemeine Weisheiten und Sprichwörter aus ihren 160 Lebensjahren vorträgt. Daraufhin gelangt die Frau zu der Einsicht, dass im Wunderland nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen. Dort erlangt man nur eins, und das ist Selbsterkenntnis.



