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Der einfachste Weg, um dem schneidend kalten Wind zu entkommen, ist natürlich der nach drinnen. Bei minus elf Grad ist das Wärme-Gebläse am Eingang der Wöhrl-Filiale an der Freiheit für manchen Kunden ein wahrer Segen. Vom Café Piazzetta — direkt neben dem Eingang — hat man einen guten Blick auf die Türen. Zwar hat Kellnerin Claudia Gagliardi noch nicht beobachtet, dass Kunden in dem Gebläse eine extra-lange Dusche nehmen, aber: „Viele bleiben länger im Café sitzen.“
Dass es die Fürther nicht allzu schnell wieder hinaus in die Kälte zieht, bestätigt Eleni Triandafilidou, vom „Café am Park“ in der Moststraße. Und wer Platz nimmt, der lässt sich viel lieber an einer Heizung nieder als in Türnähe.
Doch manchmal reicht die Zeit für einen ausgedehnten Plausch nicht aus. Der Kaffee „to go“, der Kaffee zum Mitnehmen also, ist dann eine wärmende und derzeit sehr willkommene Alternative, wie Verkäuferin Barbara von Mr. Bleck in der Fußgängerzone bemerkt hat: Bei sibirischen Temperaturen lässt sich die Laufkundschaft gerne einen heißen Kaffee in die Hand drücken. Aber auch Barbara stellt fest, dass sich viele gerne länger setzen. Zum Aufwärmen.
Angesichts der Kälte würden die meisten statt im Café wohl lieber an der Strandbar sitzen. Das große Los gezogen haben in diesem Fall die Überwinterer. Bei gegenwärtig knapp 20 Grad und Sonnenschein lassen es sich manche Fürther seit Herbst beispielsweise auf den Kanarischen Inseln oder Mallorca gutgehen, weiß Udo Milbradt vom Reisebüro DER. Sechs bis zwölf Wochen verbringen sie in wärmeren Gefilden des Mittelmeeres — eine Auszeit, die sich fast bloß Rentner leisten können.
Einer von ihnen ist Karl Knöfel. Der ehemalige Tuspo-Vorsitzende und SpVgg-Funktionär weilt zurzeit auf Teneriffa und weiß schon genau, wie er den heutigen Tag verbringt: „Ab zehn Uhr liege ich in der Sonne, dann gehe ich schwimmen, dann liege ich wieder in der Sonne.“ „Lebensverlängernd“ sei diese Flucht vor dem fränkischen Winter. Von den Minusgraden zu Hause hat er gehört. Die Vorfreude auf den Rückflug am Mittwoch halte sich daher in Grenzen — ein Sieg der SpVgg an dem Abend im Pokalspiel gegen Hoffenheim allerdings würde dann sein Herz wärmen.
Wer im kalten Fürth von angenehmen 20 Grad träumt, der kann schon mal den Sommerurlaub buchen. „Im Moment haben wir gut zu tun“, sagt Milbradts Kollegin Sandra Kopkow. „Viele Leute planen bereits ihren Urlaub.“ Wenn es draußen grau ist, sei besonders viel los. Michael Lenker von C&L Tours bestätigt: „Januar ist ein beliebter Frühbuchermonat.“
Um der Kälte zu entfliehen, könnten auch ein paar Stunden im Fürthermare helfen. Der Januar ist laut Geschäftsführer Horst Kiesel traditionell einer der besucherstärksten Monate. „Wenn es draußen so kalt ist, kommen die Leute gerne in die Sauna.“ Deshalb hält das Thermalbad auch Angebote bereit wie die Sauna-Nächte, bei der die Besucher bis ein Uhr nachts Wärme tanken können.
Und auch in den Außenbecken darf trotz minus elf Grad weiter entspannt werden. Mit einer Wassertemperatur von bis zu 35 Grad sind die Becken unter freiem Himmel laut Kiesel eine Attraktion: „Der Kopf ist kalt, aber der Körper ist im Warmen.“ Da kann den Schwimmern auch Hoch Dieter mit seinem eisigen Atem nichts anhaben — und 35 Grad Wassertemperatur haben nicht mal die Überwinterer auf den Kanarischen Inseln.



