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Zunächst ist der Beitritt mittels einer Zweckvereinbarung allerdings auf zwei Jahre begrenzt. Doch, so konnte Bürgermeister Werner Tiefel schon nach den ersten drei Wochen vermelden, „es läuft sehr gut an“. Am ersten Öffnungstag im Jugendhaus begrüßte Sozialpädagoge Klaus Grau 15 Jugendliche. Er betreut nun neben der Einrichtung in Großhabersdorf auch die Seukendorfer. Zweimal pro Woche für je vier Stunden öffnet er die Türen.
„Wir hatten in Seukendorf schon vor zehn Jahren Kontakt mit dem Zweckverband aufgenommen“, so Tiefel. „Aber man dachte damals, man könne es auf eigene Beine stellen.“ Doch in den Folgejahren stellte man fest, „dass wir professionelle Hilfe brauchen, nur mit Ehrenamtlichen ist das nicht zu schaffen“.
Zu dieser Erkenntnis waren die Gründungsgemeinden Roßtal, Cadolzburg und Großhabersdorf schon zwei Jahrzehnte zuvor gekommen. Nicht ohne Stolz berichtete Maximilian Gaul, damaliger Bürgermeister von Roßtal, bei der Geburtstagsfeier in der Cadolzburger Haffnersgartenscheune von den durchaus schwierigen Anfängen. Er erinnerte an die Diskussion, „ob es wirklich nötig sei, so viel Geld für Jugendarbeit auszugeben“.
Doch bei Claus Pierer in Cadolzburg, Georg Lang in Großhabersdorf und Gaul rannte man mit dem Konzept der professionellen und kontinuierlichen Begleitung der Jugendarbeit offene Türen ein. „Es war auch diese günstige personelle Konstellation, die es ermöglicht habe, den Zweckverband aus der Taufe zu heben“, erklärte Gaul. „Viel Überzeugungsarbeit war nötig“, blickte er zurück, „aber es war wichtig und richtig.“
In das gleiche Horn stieß auch Michael Bischoff, der damals im Jugendforum Cadolzburg aktiv war. Er sprach von „bewegenden Zeiten“ und „einer schweren Geburt“. Auch die Namensgebung als „freier“ Zweckverband, wo es sich doch um „offene“ Jugendarbeit handele, beweise, dass man „damals guten Willen gezeigt“ habe, ganz nach dem Motto „egal wie’s heißt, Hauptsache wir haben’s.“
Genau wie Bischoff war auch für Christian Löbel (28) das Jugendforum die Wiege seines politischen und sozialen Engagements: „Das hat mich beeinflusst und nie mehr losgelassen.“ So wie Daniel Mischke. Der 31-jährige Informatiker engagierte sich im Jugendrotkreuz und ist heute Leiter des Cadolzburger BRK. „Als direkter Nachbar zum Jugendzentrum Herz haben wir viele Synergieeffekte erzielen können.“
Zum Geburtstag gab es allerdings nicht nur lobende Worte und eine neue Gemeinde, sondern einen Poetry Slam mit den derzeit besten fränkischen Wortkünstlern Frau Wortwahl, Martin Geier und Felix Kaden. Letzterer überzeugte die Geburtstagsgäste — Politiker und Vertreter der Jugendarbeit im Landkreis — mit seinen politischen und markigen Texten.
Mit dieser modernen Form des Dichterwettstreits demonstrierten die Mitarbeiter des Zweckverbandes, Thomas Gaßner, Claus Grau und Kerstin Wolf, wie sich Jugendarbeit im Lauf der Zeit verändert. „War es vor einigen Jahren überwiegend der offene Treff, der gefragt war, so sind es inzwischen mehr die projektgebundene Gruppenarbeit und kulturelle Angebote“, so Gaßner, seit 1995 Mitarbeiter beim Zweckverband.
„Es ist heute allerdings viel schwieriger, die Jugendlichen zu erreichen und zu motivieren“, schlägt Claus Grau durchaus kritische Töne an. Die Jugendhäuser konkurrieren mit Internet und sozialen Plattformen. „Die Jugendlichen picken sich heraus, was ihnen an einem Tag eben gerade als Event gefällt“, so Grau.
Unvermeidbar sei es für die Mitarbeiter, ebenfalls viel Zeit im Internet zu verbringen und sich mit den Medien zu beschäftigen: „Die Kids sind am besten nachts in Facebook zu erreichen“, musste der Sozialpädagoge feststellen.
Umso wichtiger, sind sich Gaßner und Grau einig, sei die Jugendarbeit: „Resignieren ist keine Lösung.“ Das erfreuliche Bespiel Seukendorf zeige das. „Der Beitritt hat uns wirklich gepuscht.“ Wenn es so gut weiter laufe, wie es sich andeutet, erwäge die Gemeinde in zwei Jahren eine Vollmitgliedschaft, stellte Werner Tiefel in Aussicht.



