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Der Platz für Kiebitze wird knapp

Bund Naturschutz und Vogelschutzbund in Sorge um bedrohte Art - 05.11.2010 22:00 Uhr

Der Fürther BN-Vorsitzende Reinhard Scheuerlein (v. li.) nimmt zusammen mit Anwohnerin Barbara Büttner, BN-Zivi Rafael Grashey und Herbert Schlicht vom Landesbund für Vogelschutz den Brutbereich unter die Lupe.

Der Fürther BN-Vorsitzende Reinhard Scheuerlein (v. li.) nimmt zusammen mit Anwohnerin Barbara Büttner, BN-Zivi Rafael Grashey und Herbert Schlicht vom Landesbund für Vogelschutz den Brutbereich unter die Lupe. © Mark Johnston


Wie berichtet, plant der Discounter Norma bereits seit einiger Zeit ein Nahversorgungszentrum an der Breslauer Straße gegenüber der Einmündung des Mohnwegs. Im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens war auch der BN zur Stellungnahme aufgefordert worden. Kreisvorsitzender Reinhard Scheuerlein hatte daraufhin vor einem Jahr schon schriftlich gravierende Bedenken geltend gemacht.

Er verwies auf die seit über 30 Jahren bestehende Brutkolonie und die regelmäßig auch in letzter Zeit immer wieder beobachteten Jungvögel. Der BN forderte mit Nachdruck eine „fundierte artenschutzrechtliche Prüfung“. Gleichwohl heißt es im nun ausliegenden Umweltbericht zum Bebauungsplan: nach Auswertung aller vorhandener Daten sowie Befragung der Unteren Naturschutzbehörde seien keine Vorkommen bedrohter Tierarten bekannt. Eine Gefährdung von Artenpopulationen könne daher ausgeschlossen werden.

Europäisches Recht



Dass so mit dem Artenschutz nicht verfahren werden kann, betont Naturschutzwächter Herbert Schlicht als Funktionär des Landesbundes für Vogelschutz. Schließlich könne man europäisches Recht nicht einfach außer Kraft setzen. Baureferent Joachim Krauße sichert auf Anfrage der Fürther Nachrichten im Rahmen des Bebauungsplan-Verfahrens eine eingehende Prüfung der Artenschutzproblematik zu. Auch andernorts, etwa im Gewerbegebiet Hardhöhe-West, sieht der Baureferent Probleme auf die Stadt zukommen. Das Bebauungsplanverfahren für das Nahversorgungszentrum an der Breslauer Straße könnte nach Kraußes Einschätzung Mitte nächsten Jahres abgeschlossen sein.

Im Hinblick auf die gerade zu Ende gegangene Weltnaturschutzkonferenz in Nagoya (Japan), an der auch der Fürther BUND-Vorsitzende, Hubert Weiger, teilgenommen hat, warnt Scheuerlein davor, den Artenschutz auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Konferenzergebnisse werden von Weiger als „Möglichkeit für einen Durchbruch zum Erhalt der biologischen Vielfalt“ bewertet. In Fürth, so Schlicht, gibt es nur noch drei Brutkolonien der Kiebitze. 

VOLKER DITTMAR

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