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Bei Udo Drescher sieht alles besonders flüssig aus. Und das ist kein Wunder, schließlich ist er 2011 Weltranglistenerster seiner Alters- und Leistungsgruppe geworden. Auf sieben Turnieren hat der 48-Jährige insgesamt 39 von 42 Tänzen gewonnen. Der Weg dahin war nicht leicht, hat dem Kaufmann für Datenverarbeitung allerhand abverlangt. „Ich habe viele Niederlagen einstecken müssen“, bekennt er. „Man muss dranbleiben.“ Sein Motto: „Training, Training, Training.“
Zur Büroarbeit sei das Bewegen zu Musik einfach ein toller Ausgleich. 1986 habe ihn die Countrymusik gepackt, über die Musik sei er dann zum Tanzen gekommen. Seit einigen Jahren fasziniert ihn der Line Dance, der sich im Laufe des 20. Jahrhunderts, hauptsächlich in den USA, teilweise aus dem Showtanz heraus entwickelte und in den 60er Jahren in die europäischen Diskotheken kam. In „Saturday Night Fever“ gibt es eine Szene, während der eine ganze Gruppe um John Travolta, völlig selbstverständlich nebeneinander stehend, eben „auf einer Linie“ tanzt. Das vor Publikum zu tun, ist bis heute Show und setzt Mut und Selbstbewusstsein voraus.
Die Tänzer, die sich an den Montagabenden treffen, haben das und dazu vor allem eines: Spaß. Wie Füße gedreht, Richtungen gewechselt und Drehungen in kleinen Schritten ausgeführt werden, führen Drescher bzw. seine Frau Christine vor. Dann wird langsam geübt. Konzentration braucht es schon, die Schritte nach rechts und links und zurück zu machen, Hacken und Spitzen aufzutippen, zu drehen und bei allem nicht nach unten, sondern stolz erhobenen Kopfes mit straffen Schultern um sich zu schauen. Anfänger sind am Blick auf die Füße zu erkennen. Könner sehen dort längst nicht mehr hin, sondern lassen schauen.
Einfache Tänze hat man bereits nach zehn Minuten drauf. Und wird in den sich wiederholenden Schrittfolgen schnell immer sicherer. „Shuttle rechts“, „Triple turn“, „Rock“ und „Side Rock“ kommandiert Udo Drescher. Dass in Englisch vorgegeben wird, was alle tanzen, ist dem Ursprung des Line Dance geschuldet. Inzwischen haben sich alle daran gewöhnt, da es zu den Begriffen ja auch immer die Erklärungen gibt und alles langsam gezeigt wird. So können in kurzer Zeit Sieben- bis 70-Jährige Line Dancer werden — Alter, Figur und Gewicht sind völlig unerheblich.
Auch für die Wettbewerbe, von denen es in dieser Tanzsportart fast jedes zweite Wochenende innerhalb Europas einen gibt, stehen die Tänze und die dafür vorgegebenen Schritte fest. Die sicher zu beherrschen, ist Grundlage, um zu starten. Bewertet wird, ob alles sauber und elegant ausgetanzt wird. Als Kleiderordnung festgeschrieben sind Hut und Stiefel, Glitzer an der Kleidung ist erst von einer bestimmten Leistungsstufe an erlaubt.
Wenn sich Ute Riehl in ihrem eleganten Kleid dreht, blitzen ihre Stiefel nur kurz unter dem schwingenden Kleid hervor. Dass sich im Line Dance viele Schritte und Bewegungen aus dem klassischen Tanz finden, ist für sie ein großes Plus. Denn die hat die 52-Jährige nach sechs Jahren Paartanz natürlich drauf. Auch weiche Bewegungen und Drehungen zur Musik liegen der gepflegten, schlanken Frau, die inzwischen auch schon auf einigen Siegertreppchen stand und Titel nach Stadeln geholt hat.
„Ich finde die Kombination aus Bewegung und Musik optimal“, begründet sie ihre Begeisterung für dieses Hobby. Das Einprägen der Schritte sei auch fürs Hirn ein gutes Training. „Und jeder kann dabei so viel Ehrgeiz ausleben, wie er mag.“ Heißt, wem das einmalige Treffen pro Woche genügt, der tut das. Wer aber, wie immer mehr Mitglieder der noch jungen Gruppe, Titel und Pokale holen will, der muss häufiger üben.
Bei den Weltmeisterschaften im Country- & Westerntanz Anfang Januar in Kalkar am Niederrhein konnte Ute Riehl in der Kategorie „Silver Newcomer Female (Damen ab 50 Jahre) den Weltmeistertitel erringen. Udo Drescher holte sich den Titel in der Kategorie (Diamond Novice Man — Herren ab 40 Jahre).
Nächster Wettkampftermin sind die offenen deutschen Meisterschaften am 18. März in Berlin. Die Teilnahme an solchen Turnieren ist mit Kosten für Fahrten, Übernachtungen und Startgebühren verbunden. Auch die Kostüme müssen bezahlt werden sowie die speziell gearbeiteten Tanzschuhe. Insgesamt 75000 Kilometer habe er allein in den letzten zwei Jahren mit dem privaten Pkw zurückgelegt, so Drescher. Bis Madrid war er mit seiner Familie zu Turnieren unterwegs, auch Tochter Bettina tanzt erfolgreich Line Dance. „Sponsoren wären schön“, meint Udo Drescher, damit würden auch Engagement und Erfolge der Tänzer gewürdigt.
Wer sich davon überzeugen möchte, dass einen die Gruppe der Line Dancer vorbehaltlos akzeptiert, jeden mittanzen und einfach einen schönen Abend erleben lässt, der sollte montags gegen 20.30 Uhr einfach mal bei der Tanzsportgemeinschaft Fürth e.V. in Fürth-Stadeln, Bayernstraße 51, vorbeischauen. Und nach dem Tanz „Let’s chill“ fragen, den Udo Drescher selber choreographiert hat. Und der in kurzer Zeit sitzt, wetten?
Weitere Informationen auch unter www. linedancefun.de



