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Die Auslosung war kaum vorbei, da wühlte Günter Gerling in seiner Videosammlung. Und fand gleich, was er suchte: Mit großem Vergnügen schaute sich der Vize-Präsident der SpVgg einen Zusammenschnitt eines Spiels aus dem Jahr 1990 an. Es war in jenem furchtbar heißen August die erste Runde im DFB-Pokal, Borussia Dortmund kam in den Ronhof. „Wer da alles bei denen gespielt hat“, staunte Gerling beim Anblick der „historischen“ Aufnahmen, „der Thomas Helmer und der Michael Rummenigge, vorne der Frank Mill...“. Gerling sagt dies nach über 20 Jahren immer noch mit Erstaunen, dabei war er als SpVgg-Trainer in der ersten Reihe gesessen, als sein Team als erster Viertligist in der Geschichte des DFB-Pokals einen Bundesligisten rauskegelte. 3:1 gewannen die in der Landesliga angesiedelten Fürther mit Gerling als Trainer gegen den haushohen Favoriten.
Oliver Zettl schoss zwei Tore, eins steuerte der aktuelle B-Jugendcoach der SpVgg, Achim Beierlorzer, bei. Nicht einmal ganz 4000 Zuschauer waren bei weit über 30 Grad in den Ronhof gekommen. Hört man sich heutzutage um, müssten es 14000 gewesen sein, denn jeder will dabei gewesen sein. Gerling jedenfalls sah eine Rote Karte für seinen Verteidiger David Schneider in der zweiten Minute, was den Erfolg in Unterzahl letztlich noch sensationeller machte. Knapp vorbei an einer ähnlichen Sensation schrammte die SpVgg gegen die Dortmunder im Jahr 1997.
Gerade frisch in Liga zwei aufgestiegen, empfing man die Borussia in der zweiten Runde. Leider musste man damals ausweichen nach Nürnberg, der Ronhof bekam sein Flutlicht erst im Jahr 2000. „Wir waren nahe dran, vor allem, da Jürgen Kohler schon früh Gelb-Rot hätte sehen müssen“, rekapituliert SpVgg-Manager Rachid Azzouzi. 1:0 durch Didi Probst hatte die SpVgg geführt, als der bereits verwarnte Kohler ein absichtliches Handspiel beging. „Schiri Heynemann hat gepfiffen, aber die Karte stecken lassen“, ärgert sich Azzouzi. Am Ende stand es 4:2 für die Borussia, allerdings setzte es das entscheidende Gegentor durch Lars Ricken erst Sekunden vor Schluss. Azzouzi hatte zuvor zum vermeintlichen 3:3 getroffen, das wegen Abseits nicht anerkannt worden war.
Im März muss man wegen eines fehlenden Flutlichts nicht nach Nürnberg ausweichen, und man wird es auch wegen möglicher höherer Einnahmen nicht tun. „Dieser Verein, alle Leute, die hier arbeiten, besonders auch unsere Fans — alle haben es verdient, dass wir dieses Spiel im Ronhof spielen“, legt sich Präsident Helmut Hack fest und liegt absolut auf einer Linie mit Mike Büskens. „Wir wissen doch, dass dieses Spiel das wichtigste in der Vereinsgeschichte seit über 50 Jahren ist – das gibt uns aber keinen Druck, sondern es macht uns stolz, dass wir es so weit geschafft haben“, so der Trainer. Nun wolle man aber noch den entscheidenden Schritt machen, betont Büskens: „Und dazu gibt uns der Heimvorteil hier in unserem Stadion die Chance, auch wenn wir natürlich wissen, dass wir absoluter Außenseiter sind.“



