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Dienstag, 18.09.2018

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Diakonie Oberasbach fährt auf Elektroautos ab

Strom für die acht E-Mobile kommt auch aus dem hauseigenen Blockheizkraftwerk - 21.03.2018 18:20 Uhr

Pflegedienstleiter Harald Meßner ist E-Mobilitäts-Pionier. Hier betankt er die Stromautos der Diakoniestation Oberasbach. © Foto: Thomas Scherer


Treibende Kraft hinter dem Projekt ist Harald Meßner. Der 53-jährige Pflegedienstleiter beschäftigt sich bereits seit langem mit Elektromobilität und Nachhaltigkeit. Privat sammelte er über Zehntausende von Kilometern jede Menge, meist positive Erfahrungen mit diversen E-Autos. 2013 konnte er auch die Diakonie Oberasbach von den Vorteilen überzeugen, gerade im Einsatz bei der häuslichen Pflege und bei Essen-auf-Rädern.

"Wir fahren pro Tour etwa 50 Kilometer und halten dabei an gut 25 verschiedenen Stellen", sagt er. Die früher eingesetzten Diesel-Pkw quittierten zumeist nach wenigen tausend Kilometern angesichts dieser Anforderungen ihren Dienst und verursachten horrende Reparaturkosten.

Einem elektrisch betriebenen Auto hingegen ist es völlig egal, wie oft es angelassen wird und wie kurz oder lang die Strecken sind. Das erste angeschaffte Vehikel konnte auch nach weit über 10 000 Kilometern noch derart überzeugen, dass seither der Fuhrpark auf acht Autos mit rein elektrischem Antrieb umgestellt wurde.

Die Reparatur- und Wartungskosten geben Meßner Recht. "Keine Kupplung geht kaputt, Ölwechsel gehören der Vergangenheit an und Bremsen müssen erst nach 80 000 Kilometern erneuert werden", berichtet er. Wo andere Fahrzeuge mittels Bremsfuß verlangsamt werden und ein Großteil der Fahrtenergie in Wärme umgewandelt wird, führt ein E-Auto die Bewegungsenergie ähnlich einem Fahrraddynamo in den Akku zurück. "Das dazu nötige vorausschauende Fahren ist schnell gelernt", weiß Meßner aus Erfahrung. Inzwischen sind alle 70 Mitarbeiter mit der neuen Fahrtechnik vertraut.

Ihre Kraft beziehen die 48 bis 67 PS starken Stromer, die eine Höchstgeschwindigkeit von 135 km/h haben, aus dem hauseigenen Blockheizkraftwerk oder von einem zertifiziertem Ökostromanbieter. Mit Betriebskosten zwischen vier und sechs Cent pro Kilometer sind sie dabei unschlagbar günstig.

Damit das hauseigene Stromnetz während des zweimal täglich durchgeführten Ladevorgangs nicht zusammenbricht, ließ Meßner acht unabhängige Ladeplätze installieren. Jeweils ein dickes Kabel, ausreichend lang und fachmännisch abgesichert, reicht zu jedem Auto. Selbst als es vor wenigen Wochen morgens minus 15 Grad kalt war, gab es weder Start- noch Reichweitenprobleme, da auch bei diesen Extremverhältnissen die eingebauten Akkus ausreichend Reserven haben. Besonders gefreut haben sich die Fahrer der Kleinkombis, die das Essen zu den vielen Menschen in Oberasbach bringen: Ihre Autos lassen sich vorheizen, beim Einstieg empfängt sie eine wohlige Wärme.

Meßner hat seine Mitarbeiter inzwischen zu wahren Kennern der Materie gemacht. Automatisch wird nach der Frühschicht, die von 6 bis 13 Uhr dauert, das Auto mit Ökostrom betankt, damit die Spätschicht ab 15.30 Uhr auf einen fast vollen Akku trifft. "Bei Tausenden von Fahrten blieb nur zweimal ein Auto liegen. Jeweils mit leeren Akkus und nicht aufgrund technischer Probleme", berichtet der Ökopionier.

In naher Zukunft baut der Diakonieverein auf einem Nachbargrundstück weitere Ladestationen, damit der weiter wachsende Fuhrpark genügend Möglichkeiten zum Tanken hat. Mit den neuen "Wallboxen" geht das dann doppelt so schnell. 

Thomas Scherer

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