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Auf den ersten Blick sind es einfach nur drei Mandalas, symmetrisch schmiegen sich Muster um das giftgrün leuchtende Zentrum. Dann entdeckt der Betrachter Hände, viele Hände und immer mehr Körperteile. Erst auf den wohl empfohlenen zweiten Blick wird klar, dass die „Vision“, wie Gottfried Faaß sein von Lilatönen beherrschtes Bild nennt, doch nicht im mathematischen Sinn um ein Zentrum herum erwächst. Es ist eines der drei Fraktale, die der 57-Jährige in der Galerie der Kofferfabrik ausstellt. „Es ist mein liebstes Stück, weil ich es als letztes fertig gestellt habe“, sagt der Künstler. So einfach kann es sein.
Doch auch die anderen zwei Drucke, die alle zentripetal verlaufen und aus vielen verschieden angelegten Spiegelungen bestehen, lassen erst nach längerer Betrachtung die Symmetrien erkennen. Das kräftige Rot der „Evokation“ sticht sich dabei mit dem dunklen Lila. Als drittes Werk im Bunde wirkt die gelblastige „Evolution“ fast schon wie ein friedlicher Frühlingstag.
Neben den Drucken, die ihren Ursprung im digitalen Zeitalter haben, hängt eine Leinwand, die Faaß mit der handwerklichen Maltechnik Airbrush bearbeitet hat. Die Stimmung, die Farben, die Themen beider Werke sind identisch, nur in verschiedenen Medien umgesetzt. So koexistiert Alt neben Neu, Moderne neben Tradition. Und es wirkt hervorragend.
Faaß, der nach Stationen am Ruffino Tamajo in Mexico Stadt und am Mercato von Oaxaca sowie in der Tate Gallery in London wieder nach Franken zurückkehrt ist, gelingt es so, die persönliche Farbgebung, die individuellen Muster und kreativen Ideen auf unterschiedliche Art und Weise umzusetzen. Der gebürtige Schwabacher arbeitet mit Schwarzlicht, Holzschnitten und Bambusvorhängen. Dabei überfrachtet der Künstler seine Werke derart, als wolle er wie ein Sammler versuchen, alle erdenklichen Eindrücke auf einer einzigen Leinwand zusammentragen.
Erst im Lauf des Entstehungsprozesses entscheidet Faaß, wo beim Bild oben und wo unten ist. Obwohl er Skizzen folgt, lässt er sich Raum für aufkommende Kreativität, die ihn, wie er sagt, schon sein ganzes Leben lang begleitet. So gehört zum „Farbrausch“, so der Titel der Fürther Schau, auch ein graues Werk, das in seinen verschiedenen Farbnuancen den farbkräftigen Konkurrenten in nichts nachsteht. „Pluto“ wirkt dreidimensional, wie eine hügelige, karge, fremdartige Landschaft oder zerknittertes Papier. Man möchte hinlangen, die Oberfläche erfühlen. Doch die ist glatt, das Relief nur eines fürs Auge.
Inspiriert von lodernden Lagerfeuern, schönen Frauen, tätigen Vulkanen, Magie, dem mittelatlantischen Rücken, dem Rand der Zeit auf den Graten der hohen Berge und in der Gezeitenzone der Weltmeere, gelang es Faaß in den vergangenen drei Jahren, eine beachtliche Anzahl von farbintensiven, individuellen und tiefgründigen Werken zusammenzutragen. Homogen, aber ohne langweilende Monotonie. In leuchtenden Rot- und Gelbtönen. Ein erlebenswerter Farbrausch.
„Farbrausch oder Sans Titre oder Feb13“: Galerie in der Kofferfabrik Lange Straße 81. Montags bis samstags 18-1 Uhr, sonntags 10-1 Uhr. Eintritt frei. Bis 30. April.




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