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Die Macht der Kalaschnikows und ein verdächtiger Einzelgänger

Stadttheater-Saison 2018/19: Die Opernmiete mischt vorzugsweise vertrautes Repertoire - 16.09.2018 12:23 Uhr

Blaue Bohnen für ein Halleluja: Tobias Pfülb als Fra Melitone, umzingelt vom Opernchor des Staatstheaters Augsburg, in Verdis „La forza del destino“. © Foto: Staatstheater Augsburg/Jan-Pieter Fuhr


Eine harte Prüfung steht Traditionalisten, die das Stadttheater im Musiktheater-Segment mit absoluter Mehrheit regieren, am 30. Oktober bevor. "Trotz des vielen Latino-Brimboriums mit Kalaschnikows, Totenköpfen, Sombreros und Ponchos bleibt es szenisch insgesamt ein zäher Abend", urteilte der BR-Kritiker nach der Premiere von Giuseppe Verdis Die Macht des Schicksals — man singt zwar im italienischen Original, doch der Fürther Spielplan setzt aus unerfindlichen Gründen den deutschen Titel nach oben — im März 2018 am Staatstheater Augsburg.

Auch andere Rezensenten blieben eher spaßgebremst; gleichwohl spricht Stadttheater-Dramaturg Matthias Heilmann von einem "stimmigen Italo-Western" aus den Händen des Regie führenden Intendanten André Bücker und von hoher musikalischer Güteklasse, denn mit Alejandro Marco-Buhrmester als Don Carlo ist ein Stammgast der Bayreuther Festspiele an Bord. Dort sang er seit 2001 unter anderem Amfortas (in der legendären Schlingensief-Produktion) und Gunther. Als Preziosilla ist die russische Mezzosopranistin und frisch gebackene Gewinnerin des ARD-Musikwettbewerbs Natalya Boeva im Einsatz.

Eine im Kern österreichische Sängerriege ist es auch, die Die Entführung aus dem Serail am 2. Februar zum Erlebnis machen könnte. Mozarts Singspiel wird seit vielen Jahren szenisch auf seine Wirkungsmacht als topaktuelle "Culture Clash"-Parabel abgeklopft. Faustdicke Überraschungen sind jedoch nicht zu erwarten, wenn sich wieder einmal die Kammeroper Prag blicken lässt. Martin Otava inszeniert. "Rusalka", "Hoffmanns Erzählungen", "Lucia" und "Barbier": In den vergangenen Jahren hat er die Fürther mehrfach mit erregungsschwachen, aber insgesamt plausiblen Inszenierung bei Laune gehalten.

Rein in Friesennerz und Gummistiefel: Die Stürme, auch die inneren, toben und wogen heftig in einem der populärsten Musiktheaterwerke des 20. Jahrhunderts. Benjamin Brittens 1945 uraufgeführter Opernerstling Peter Grimes ist allzeit eine Erst- und Wiederbegegnung wert. Das Verdienst gebührt dem — unter neuer Intendanz segelnden — Landestheater Coburg, den Stoff über den mysteriösen Fischer und zwei Morde auf den Spielplan zu hieven. Premiere der von Alexander Charim inszenierten Produktion ist Ende Januar, am 13. April kommen die Coburger nach Fürth.

Und gleich noch eine Anpackerin, die zum Spielzeitmotto "Mehr-Wert-Arbeit" passt: Georges Bizets unverwüstliche Carmen rollt die Zigaretten im Auftrag des Meininger Staatstheaters am 4. Juni im Stadttheater.

Abo-Neubestellungen — der Opernring kostet zwischen 100 und 162 Euro — nimmt das Stadttheater Fürth (Königstraße 116) bis 5. Oktober entgegen. Im Spielplanheft zur Saison 2018/19 gibt es den Bestellzettel und weitere Informationen. 

Matthias Boll

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