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Die Mehlschwalben-Residenz in Unterschlauersbach

Vogelschar kommt jedes Jahr zum Ehepaar Scheuerlein - 29.05.2015 11:00 Uhr

Die Stammgäste sind so groß wie eine Kinderhand. © dpa


Gut möglich, dass Berliner so einen stark frequentierten Landeplatz mit Neid betrachten – wer vor dem Haus der Scheuerleins in der Unterschlauersbacher Hauptstraße steht, dem schwirrt’s ohne Unterlass über den Kopf. Nonstop flattern Mehlschwalben unter die Traufe des Daches. Gut einen halben Meter Überstand zwischen Regenrinne und Hauswand finden die eleganten Flieger hier vor, ein idealer Schutz vor Sonne und Regen. „Da bauen sie gerne ihre Nester“, sagt Manfred Scheuerlein, „als ich heute Morgen gezählt habe, waren es 43 Stück.“

Auch wenn die gefiederten Gäste Dreck machen, für Frieda und Manfred Scheuerlein steht fest: „Die Vögel müssen ja auch irgendwo hin.“ © Foto: Sabine Rempe


Seit vielen Jahren stellen sich die Vögel mit dem charakteristischen weißen Bürzel im Frühjahr und im Sommer als Untermieter bei der Familie ein. „Manche fragen uns: Warum tut ihr euch das an?“, sagt Frieda Scheuerlein. Denn die flatterhafte Schar hinterlässt deutliche Spuren. „Früher haben sie unter anderem auf die Fensterbretter gemacht“, erklärt die 68-Jährige. „Das habe ich dann immer wieder abgekehrt und als Dünger für die Blumen benutzt, als so eine Art von Guano.“

Doch im vergangenen Jahr bekam das Haus einen neuen Anstrich. „Da haben wir direkt unter die Stelle, wo die Nester gebaut werden, Alubleche montiert“, erklärt Manfred Scheuerlein. Über die gesamte Hausbreite von 12,50 Metern zieht sich nun diese 25 Zentimeter breite Leiste. Der 69-Jährige zuckt die Schultern: Was als Schutz vor dem Vogelkot gedacht war, funktioniert nicht ganz so wie geplant. „Jetzt verdrecken die Tiere beim An- und Abflug das Haus.“ Unzählige dunkle Punkte auf der gelben Wand zeigen, wovon er spricht.

Freilich wäre es ein Leichtes gewesen, den Nestbau zu verhindern. Ein Netz, das den bevorzugten Bauplatz abdeckt, würde zum Beispiel den Mehlschwaben die Einkehr vereiteln. Manfred Scheuerlein will davon nichts wissen: „Das möchten wir nicht. Die Vögel müssen ja auch irgendwo hin.“

Auf dem Speisezettel der Sommergäste stehen unter anderem Fliegen. „Die fangen sie in der ganzen Ortschaft“, sagt Frieda Scheuerlein. Mücken und Blattläuse werden ebenfalls gerne vernascht: „Und Spinnen nehmen sie auch mit.“ Es gab eine Zeit, da hatte fast jeder im Ort einen Stall, erinnert sich die Unterschlauersbacherin. „Um die zwanzig Stück müssen das gewesen sein und da waren dann überall Schwalben drin und die Leute waren froh, weil eben die Fliegen weggefressen wurden.“

Der emsige Luftverkehr am Haus wird inzwischen beobachtet. Auf der Regenrinne hocken zwei Spatzen und wirken missmutig: „Wenn im Frühjahr die Mehlschwaben kommen, hocken die Spatzen oft in den alten Nestern, dann geht der Kampf los . . .“

Frieda und Manfred Scheuerlein gehörten im Januar zu den Empfängern des Umweltpreises der Gemeinde, gewürdigt wurde ihr Engagement und ihr geduldiger Einsatz, der hilft, den Bestand der Zugvögel zu sichern. Die beiden wissen, was nun bald wieder auf sie zukommt: „Wenn die Jungen gefüttert werden müssen, geht es hier erst richtig dramatisch los.“

Im Spätsommer werden sich die Mehlschwalben auf die Reise Richtung Süden machen. Für Manfred Scheuerlein das Signal, zum Besen mit dem extralangen Stiel zu greifen: „Dann wird die Wand gründlich abgekehrt“, schmunzelt er. Der Flugverkehr über Unterschlauersbach wird dann dem Betrieb auf dem Hauptstadtflughafen BER gleichen – bis zum nächsten Frühling. 

Sabine Rempe

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