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Die Nachbarn machen Fürth Konkurrenz

Nicht nur in der Kleeblattstadt sind neue Einkaufszentren in Planung — Erlanger bleiben gelassen - 03.04.2011 10:00 Uhr

Der Blick von Fürth nach Nürnberg: Im früheren Quelle-Komplex in Eberhardshof (Vordergrund) will ein Investor ein riesiges Einkaufszentrum errichten. Die Stadt Fürth fürchtet, dass dadurch die eigenen Innenstadt-Projekte Schaden nehmen könnten. © Martin Bartmann


Horst Müller nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er über die Pläne spricht, die für das Quelle-Gelände im Nürnberger Stadtteil Eberhardshof existieren. „Was die dort wollen, könnte uns richtig wehtun“, sagt der Fürther Wirtschaftsreferent und meint damit das Vorhaben des Investors Valbonne Real Estate.

Die Niederländer möchten das Areal wieder in ein Einkaufsparadies verwandeln. Der Haken aus Müllers Sicht: Während im früheren Quelle-Kaufhaus auf 18000 Quadratmetern Waren unters Volk gebracht wurden, hat der neue Investor bei der Stadt Nürnberg beantragt, die Verkaufsfläche auf 25000 Quadratmeter aufzustocken. Allein der Bereich Bekleidung, Schuhe und Lederwaren soll 10000 Quadratmeter umfassen.

Zum Vergleich: Der in Fürth geplante Einkaufsschwerpunkt an der Breitscheidstraße wird eine Gesamtverkaufsfläche von maximal 15000 Quadratmetern haben. Der Wirtschaftsausschuss der Stadt Fürth hat die Nachbarkommune bereits aufgefordert, die Aufstockung nicht zu genehmigen. Horst Müller fürchtet „schädliche Effekte für unsere eigenen Projekte“. Schließlich sei Eberhardshof „quasi vor der Haustür“.

Auch in Stein im Fürther Landkreis hat ein Investor Großes vor. Das Erlanger Unternehmen Sontowski & Partner will auf dem Ex-Krügel-Areal einen Konsumtempel bauen (wir berichteten). Geplante Nutzfläche: 23000 Quadratmeter, davon 16000 für den Einzelhandel. Eine Tiefgarage soll Platz für 550 bis 600 Autos bieten.

Die Auswirkungen dieses Projekts auf Fürth hält Müller zwar „für marginal“, dennoch stört er sich an einem speziellen Punkt: Für Lebensmittel sieht das Einkaufszentrum eine Fläche von weit über 4000 Quadratmetern vor. „Völlig überdimensioniert“ sei das, sagt der Wirtschaftsreferent. Den Steinern habe man daher nahegelegt, das Warenangebot auf 2500 Quadratmeter zu beschränken. Das entspräche immer noch einem „normalen Vollsortimenter“.

In Erlangen ist man all diesen Projekten um Längen voraus. Hier hat bereits im September 2007 mit den „Arcaden“ ein großes Shopping-Center eröffnet, durch das im Jahresdurchschnitt täglich rund 28000 Besucher bummeln. „Wir sind sehr zufrieden, es war vom ersten Tag an ein Erfolg“, bilanziert der Geschäftsführer Rainer Borst. Die Kunden kommen von weither: aus der Fränkischen Schweiz, Bamberg – und aus Fürth. In den FN machen die Arcaden regelmäßig mit großen Anzeigen Werbung in eigener Sache.

„Die Arcaden haben ganz Erlangen einen Schub gegeben“, sagt Konrad Beugel, der Wirtschaftsreferent der Hugenottenstadt. Er räumt jedoch ein, dass es bei den Einzelhändlern „nicht nur glückliche Gesichter gibt“. So sei die Besucherfrequenz bei Geschäften in der Altstadt ob der Konkurrenz eingebrochen. Dass sich nun auch Fürth aufrafft, als Einkaufsstadt Profil zu gewinnen, verfolge er ohne Argwohn. Das Projekt an der Breitscheidstraße sei von der Größe her völlig im Rahmen und liege ja auch nicht an der Stadtgrenze zu Erlangen, sondern in der City. „Und wenn eine Kommune versucht, ihre Innenstadt zu stärken, werde ich dem nie widersprechen“, so Beugel.

Und was sagt man bei den Arcaden zur kommenden Fürther Konkurrenz? „Wir nehmen das sportlich“, betont Geschäftsführer Borst und bemüht ein altes Sprichwort: „Konkurrenz belebt das Geschäft.“ 

Johannes Alles

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