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Die schönsten Bücher in Cadolzburg

Ds Heimatmuseum zeigt starke Gestaltungen - 11.09.2017 19:20 Uhr

„Die schönsten deutschen Bücher“ heißt die Ausstellung im Historischen Museum Cadolzburg, dieses Foto zeigt eines davon: Seeungeheuer bedrohen einen kleinen Hasen auf einem Floß. © Foto: Horst Linke


Ein kahler Raum im zweiten Stock des Heimatmuseums am Pisendelplatz, gegenüber der Cadolzburg. 25 Bücher stehen schräg auf kleinen Präsentationsplatten an den Holzpfosten und wollen in die Hand genommen und durchblättert werden. Intuitiv entscheiden wir uns für ein Buch in leuchtendem Honiggelb. Hier dreht sich alles um die Biene. Honigbienen und Wildbienen, deren Haltung und Organisation. Liebevolle Illustrationen bringen uns das Leben dieser Nutzinsekten näher.

Und hier? Ein Comic-Roman: "Hans Fallada – der Trinker", eine Vermischung aus Falladas Roman und der Biographie des suchtkranken Autors, der nur knapp die Psychiatrien des Dritten Reichs überlebte, um nach dem Krieg ausgelaugt zu sterben. Dargeboten in einer Bildersprache, die vorwiegend die Farben des Dritten Reichs – Schwarz, Weiß, Rot – einsetzt. Und da? Ein Doppelbuch: "Alice im Wunderland" und "Alice hinter den Spiegeln" von Lewis Carroll. Dargeboten als Wendebuch. Soll heißen, wenn das Wunderland ans Ende gelangt, steht der folgende Text auf dem Kopf. Der Leser muss das Buch auf den Kopf stellen und quasi von hinten nach vorne lesen.

Drei von 25 preisgekrönten Büchern. Worauf kommt es bei der Buchgestaltung an? Das fängt schon beim Papier an. Dick oder hauchzart, glänzend oder matt, schneeweiß, mattweiß, eierschalenweiß, elfenbeinern oder in verschiedenen Farben leuchtet es dem Leser entgegen. Der Einband: geriffelt oder glatt, samten oder fest, biegsam oder starr. Wie liegt das Buch in der Hand? Lässt es sich leicht aufschlagen oder sperrt es sich? Klappt es von alleine zu oder bleibt es offen liegen? Liegt der Daumen auf dem Text oder auf dem Rand daneben?

Und erst die Schrift: Passt die Type zum Text? Sind alle Typen gestochen scharf? Schmeichelt die Schrift dem Auge in den Farben Schwarz, Blau oder Flieder? Und schließlich: Wie riecht das Buch eigentlich? Nach Staub? Oder gar nach Bananen, wie einst Guillermo Mordillos Kinderbuchklassiker "Das Dschungelbuch"?

Soviele Kriterien, die über das Wohl und Wehe der Buchgestaltung bestimmen. Wie soll sich die Jury der Gestalter einigen? Vielleicht stecken die Experten der Stiftung Buchkunst ihre Nasen tief in den Aufschlag rein, fahren mit den Fingern übers Papier, beißen gar hinein wie der Buchwurm? Oder schlagen sich im Zweifelsfall die Exemplare gegenseitig auf den Kopf? Denn jedes Jahr stellen sich 800 bis 1000 Bücher dem Gestaltungswettbewerb der Stiftung Buchkunst. Drei von einander unabhängige Jurys sieben die 25 besten Werke aus.

Ganz unabhängig vom Inhalt ist die Gestaltung nun aber auch nicht. Die Sieger verteilen sich auf fünf Kategorien: Belletristik, wissenschaftliche Bücher (auch Schul- und Lehrbücher), Sachbücher, Kunst- und Fotobildbände sowie Kinder- und Jugendliteratur. Die Kaufpreise variieren zwischen 15 und 79 Euro. Wer sich durch die Kategorien wühlt, erlebt manch dicke Überraschung. Ermöglicht hat diese Ausstellung der Cadolzburger Buchhändler Artur Schmidt, der die Wanderausstellung für das Heimatmuseum an Land gezogen hatte. Schmökern dringend erwünscht. 

REINHARD KALB

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