Samstag, 17.11.2018

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Die Sportart Jugger ist in Seukendorf der Hit

Mal richtig abschädeln in der neuen Abteilung des SV Seukendorf - 16.02.2018 10:56 Uhr

Gleich freut sich Team Schwarz: Der Läufer steckt den Hundeschädel, den sogenannten Jugg, ins Mal, seine Kameraden schützen ihn. Das Bild stammt von der Deutschen Jugendmeisterschaft 2017 in Nürnberg. © Foto: Horst Linke


Bereit und todesmutig stehen sich jeweils fünf Gladiatoren gegenüber. Die einen mit langen Ketten, andere mit kleinen und großen Knüppeln. Der Zeremonienmeister betritt anmutig das Schlachtfeld und legt in dessen Mitte einen Hundeschädel, den Jugg. Es folgt das Kommando: "Drei, zwei, eins, Jugger!" Sofort stürmen beide Seiten, wie einst Mel Gibson in "Braveheart" mit seinen tapferen Schotten, aufeinander zu. Zeitgleich setzen Trommelschläge ein, die die Dauer der Auseinandersetzung bestimmen sollen.

Diese Schlacht endet jedoch nicht in einem blutigen Gemetzel, sondern mit aufrichtigen Handschlägen nach einem fairen und sportlichen Wettkampf. Die zwei Teams sind Teil einer neuen und wachsenden sportlichen Bewegung: Jugger.

Dass die Szenen einem mittelalterlichen Raubzug oder einem Gladiatorenkampf im Kolosseum gleichen, kommt nicht von ungefähr. "Inspiriert durch den Endzeitfilm "The Blood of Heroes" – darin zieht eine Gruppe Verstoßener durch verwüstetes Land und verdient sich mit blutigen Juggerspielen den Lebensunterhalt – entstand Anfang der Neunziger die weit weniger gewalttätige Sportart Jugger. Anfangs vor allem in der Rollenspielszene beheimatet, entwickelte sich Jugger zu einer offiziell anerkannten Disziplin, die es 2017 auch ins Fürther Land geschafft hat.


Ketten und Pompfen: So spielt man Jugger.


Seit Oktober ist der SV Seukendorf um eine Abteilung reicher. An zwei Tagen in der Woche wird Jugger trainiert, montags üben die Jüngeren, donnerstags die Älteren ab 15 Jahren. "Das Spiel ist für jeden geeignet. Egal ob jung oder alt, ob dick, dünn, trainiert oder untrainiert", sagt Alexander Brülls, der Jugger bei seiner Lizenzverlängerung als Trainer kennen und lieben gelernt hat: "Das Spiel ist für alles gut: fürs eigene Selbstbewusstsein, für Bewegung und Koordination, Geschicklichkeit, Gelenkigkeit und Ausdauer."

Brülls schwärmt auch vom Zusammenhalt. "Man spielt als Mannschaft, jeder muss jedem auch mal aus der Patsche helfen. Es ist einfach ein Teamspiel." Trotzdem kann jeder Teilnehmer während des Spiels sein eigenes Ding machen. "Man hat immer was zu tun. Nicht wie beim Fußball, wo nur einer den Ball hat", sagt einer der Seukendorfer Sportler.

"Nicht mehr so zaghaft"

Vor einigen Wochen konnten sich die Seukendorfer das erste Mal bei einem offenen Training in Nürnberg mit anderen Mannschaften messen. Bei den Neulingen waren die Erwartungen nicht allzu groß, da andere Teams schon lange zusammen spielen und trainieren. Dafür schlugen sich die selbsternannten "Fünf im Weggla" tapfer und lernten viel dazu. Auch Brülls ist stolz: "Meine Mannschaft hat in der kurzen Zeit sehr große Fortschritte gemacht. Sie sind nicht mehr so vorsichtig und zaghaft, sondern trauen sich mehr und kommen aus sich heraus." Alles gute Voraussetzungen, um sich weiter zu verbessern und regelmäßig gegen andere Mannschaften spielen zu können.

Wegen der noch geringen Popularität von Jugger ist das gar nicht so einfach: "Richtige Vereine gibt es meines Wissens nach hier in der Umgebung nicht viele. Erlangen, Bamberg und die Oberpfalz sind mir bekannt", sagt Brülls. Allerdings gibt es sogar feste Ligen mit Meisterschaften – auch auf europäischer Ebene. "Um an einer Liga teilzunehmen, gibt es uns noch zu kurz. Wir möchten das aber forcieren und uns vergrößern, 20 Mitspieler wären super." Brülls nennt Jugger-Fans auch Alternativen zum Verein. "Jugendhäuser organisieren ebenfalls offene Turniere oder Trainings. Im Internet stößt man zudem immer wieder auf Turniere, die meisten werden aber in Norddeutschland angeboten, dort ist Jugger weiter verbreitet."

Wen jetzt die Lust gepackt hat, der ist eingeladen, in Seukendorf vorbeizukommen. Man braucht lediglich Sportkleidung, alles andere wird gestellt, auch wenn die Geräte sehr teuer sind und sich durch den intensiven Gebrauch schnell abnutzen, wie Brülls bedauert: "Wir haben uns durch Spenden eine Erstausstattung kaufen können, leider gehen auch diese Sachen immer mal wieder kaputt." Die Abteilung sei wegen der hohen Kosten also weiterhin auf Spenden angewiesen. Das ist aber auch das einzig Negative, was Alexander Brülls zu dieser ungewöhnlichen Sportart sagen kann. Er garantiert: "Wenn man das einmal gemacht hat, wird man richtig süchtig." Ob Kette, kleine oder große Pompfe – jeder finde schnell das Lieblingsgerät, mit dem er am besten zurechtkommt, so Brülls. "Man muss das einfach einmal ausprobieren."

ZTraining in der Turnhalle des SV Seukendorf: Montag 16 bis 17.15 Uhr für Kinder bis 15 Jahren, Donnerstag 19.30 bis 21 Uhr, ab 15 Jahren. 

KASIA PAUHSE

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