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Die Stadt gibt Gas in Oberfürberg Nord

Umstrittene Neubausiedlung soll für 8,25 Millionen Euro in kommunaler Regie entwickelt werden - 30.11.2012 09:00 Uhr

Noch wird das Gelände am Oberfürberger Ortsrand (links) landwirtschaftlich genutzt. Ein bis zu 15 Meter hoher Wall soll das Baugebiet vom Lärm der Schnellstraße B 8 im Hintergrund abschirmen.

Noch wird das Gelände am Oberfürberger Ortsrand (links) landwirtschaftlich genutzt. Ein bis zu 15 Meter hoher Wall soll das Baugebiet vom Lärm der Schnellstraße B 8 im Hintergrund abschirmen. © Günter Distler


Die Stadt setzt auf Wachstum. Dem Trend des allgemeinen Bevölkerungsrückgangs konnte sie bislang erfolgreich die Stirn bieten – mit Trümpfen in Form von vergleichsweise günstigen Mieten und reichlich neuem Wohnraum auf den großen Konversionsflächen. Doch sie will für die Zukunft vorsorgen. Neben dem Dambacher Reichsbodenfeld für 317 Wohneinheiten gehört Oberfürberg Nord zu den Siedlungsschwerpunkten. In Dambach wie in Oberfürberg fürchten Anwohner um die Wohnqualität. Was ihnen Angst macht, ist der Verlust der alten Siedlungsstruktur und die zu erwartende Blechlawine.

Aufgrund massiver Anwohnerproteste ist die ursprünglich 800 Wohneinheiten auf 300000 Quadratmeter umfassende Neubausiedlung im Norden Oberfürbergs bereits zusammengestutzt worden. Sprachrohr des Protests ist der Verein „Rettet Oberfürberg“, der bereits 1528 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt hat.

Das Vorhaben der Kommune, die Entwicklung selbst zu stemmen, sorgte bei der Hauptversammlung des Vereins am Dienstagabend für Furore. Wie Baureferent Joachim Krauße auf Anfrage der Fürther Nachrichten erklärte, ist der bisherige Erschließungsträger, die Firma L&I Consult, insolvent. Da die Stadt selbst über eine große Fläche im Bereich des Baugebiets verfügt, ist sie an der Vermarktung interessiert.

Allerdings muss die Kommune für die Erschließung eine Menge Geld in die Hand nehmen. Rund 8,25 Millionen Euro sind im noch nicht verabschiedeten Haushaltsplan für die Jahre 2013 bis 2015 vorgesehen. Das Geld ist nötig, um die übrigen Grundstücke aufzukaufen, Straßen und Versorgungsleitungen herzustellen. Wenn die Grundstücke baureif sind, kann die Stadt das Geld anteilig von den neuen Besitzern wieder einfordern.

Während „Rettet Fürberg“-Sprecher Reinhard Hammerbacher ein erhebliches finanzielles Risiko sieht, falls die Vermarktung nicht so rund läuft, wie gedacht, geht Stadtplanungsamtschef Dietmar Most von einem problemlosen Absatz aus. Die Nachfrage gerade nach Einfamilien-, Reihen- und Doppelhäusern sei enorm, sagte er auf FN-Anfrage.

Fürths Finanzreferentin Stefanie Ammon rechnet sogar mit einem satten Gewinn aus den Grundstücksverkäufen. Insgesamt 13,5 Millionen Euro erhofft sie sich. Jeweils drei Millionen in den Jahren 2013 und 2015, 7,5 Millionen 2014. Auf der Ausgabenseite schlägt laut Ammon im kommenden Jahr der Grunderwerb mit 2,5 Millionen Euro und die Erschließung mit 335000 Euro zu Buche. Zur weiteren Erschließung muss die Stadt 2014 vier Millionen und 2015 1,4 Millionen Euro aufwenden. Die Finanzreferentin hält es für geboten, dass die Stadt den Lockangeboten des Landkreises wie mit dem Baugebiet Egersdorf Nord Paroli bietet und so Abwanderungsbewegungen aufhält.

Wie der Verein „Rettet Fürberg“ hält auch der Bund Naturschutz (BN) das städtische Engagement für verfehlt und riskant. „Es gehört nicht zu den Hauptaufgaben der Stadt, in Grundstücksgeschäften mitzumischen“, meint BN-Kreisvorsitzender Reinhard Scheuerlein. Bei einem privaten Investor wären die enormen Vorleistungen für Lärmschutz und Erschließung besser aufgehoben. Gerade in Zeiten knapper Mittel sollte die Stadt das viele Geld nach Ansicht von Hammerbacher für wichtigere Dinge einsetzen – zumal sich der Immobilienboom nicht endlos fortsetzen werde.

Das Thema birgt also viel Zündstoff für die Bürgerversammlung heute Abend in der Fürther Stadthalle und für die Haushaltsberatungen am 4 und 5. Dezember im Rotkreuzhaus. Am 13. Dezember will Oberbürgermeister Thomas Jung den Oberfürbergern Rede und Antwort stehen. 

Volker Dittmar

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