Dienstag, 20.11.2018

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Digitale Revolution bei Zahnärzten beginnt in Cadolzburg

Gebiss lässt sich inzwischen präzise scannen — Technik soll bekannter werden - 12.09.2016 21:00 Uhr

So sieht das Ergebnis eines digitalen Gebiss-Scans aus: Dr. Ingo Baresel, Zahnarzt aus Cadolzburg und Präsident der Deutschen Gesellschaft für digitale orale Abformung (DGDOA), erklärt die moderne Technik. © Foto: Leberzammer


Beinahe jeder hat die Prozedur schon einmal beim Zahnarzt erlebt: Mit Hilfe eines kieferförmigen Löffels und einer klebrigen Kunststoffmasse werden Abdrücke der Zähne erstellt. Obwohl es die genauere – und vor allem weitaus angenehmere – Methode der digitalen Vermessung des Mundraums gibt, arbeiten bundesweit noch immer über 90 Prozent der Zahnärzte konventionell.

Ingo Baresel kann das nicht verstehen. „Die digitale Abformung bringt für uns Mediziner eine Reihe von Erleichterungen und für die Patienten hat sie eigentlich nur Vorteile“, findet der 44-Jährige, der in Cadolzburg gemeinsam mit seinem Vater Wolfgang und seinem Bruder Jens eine Zahnarztpraxis betreibt. Schneller, sauberer und genauer arbeiten seiner Ansicht nach die digitalen Scanner. In weniger als fünf Minuten wird demnach die Stellung und Form der Zähne erfasst — mit einem Gerät, das nur wenig größer als eine Zahnbürste ist.

Die Baresels arbeiten seit fünf Jahren mit digitalen Scannern. Bekannt ist die Technologie seit über 30 Jahren. Allerdings war sie anfangs ziemlich ungenau, weshalb Kronen oder Brücken häufig schlecht passten und nachbearbeitet werden mussten. Diesen schlechten Ruf scheint die digitale Abformung bis heute nicht loszuwerden. Anders lasse sich die geringe Akzeptanz kaum erklären, meint Ingo Baresel. „Mittlerweile ist die Technik aber extrem präzise und anwenderfreundlich“, so der Cadolzburger.

Mit der vor zwei Jahren gegründeten Gesellschaft will er seine Kollegen für das Thema sensibilisieren. Das Interesse sei riesig. „Das Ganze explodiert gerade“, berichtet Baresel. Zu einer bundesweiten Fachtagung kamen über 100 Teilnehmer aus Medizin, Wissenschaft und Wirtschaft. Die Gesellschaft habe sich quasi zu seinem „Hobby“ neben der Arbeit entwickelt. Laufend kämen Anfragen, die er als Präsident oder sein Bruder als Vizepräsident beantworteten.

Ihre Cadolzburger Praxis habe sich sogar europaweit zu einer der größten Scanner-Anwender entwickelt. „Die Patienten sind begeistert“, berichtet Baresel, denn manchen sei von der Abdruckmasse übel geworden. Die Innovation wird auch vom 71-jährigen Vater Wolfgang mit großer Überzeugung mitgetragen. „Er erstellt aufwändige wissenschaftliche Studien, die die Methodik oder die Scanner-Typen untersuchen“, so Ingo Baresel. Von alleine arbeiten die allerdings nicht.

Ohne Übung geht es nicht

Man müsse schon üben, „aber ich habe früher auch erst 100 konventionelle Abdrücke machen müssen, bevor ich es richtig konnte“, gesteht der Zahnarzt. Mit der DGDOA wollen die Baresels künftig weiter als Mittler arbeiten, um die Technik bekannter zu machen. Außerdem planen sie über die Gesellschaft einmal Zahnärzte und zahnmedizinische Fachkräfte beim Umgang mit den Scannern zu zertifizieren. Von Cadolzburg ausgehend könnte also bald eine kleine digitale Revolution die deutschen Zahnarztpraxen erfassen. 

Armin Leberzammer

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