Frank Kramer (38), Trainer SpVgg Greuther Fürth II (Regionalliga Süd): „Grundsätzlich muss alles, was praktikabel ist, auch genutzt werden. Der Chip im Ball, der ein Tor anzeigt, ist beispielsweise einfach umzusetzen. Man würde damit auch ein Stück Ohnmacht bei Fehlentscheidungen von Spielern und Trainern nehmen. Im Eishockey beispielsweise ist ein Tor auch wirklich ein Tor. Unterbrechungen für Videobeweise halte ich jedoch im Fußball für nicht praktikabel. Aber warum soll nicht ein Schiedsrichter auf der Tribüne sitzen, der das Spiel live auf einem Monitor verfolgt und dem Schiri auf dem Rasen in Echtzeit Signale bei strittigen Szenen gibt?
Wenn ich so manche Entscheidung bei der WM sehe, dann fasse ich mir einfach nur noch an den Kopf. Keiner will den Schiris ihren Job wegnehmen, aber unser Sport wird eben immer schneller. Fouls oder Bestrafungen bleiben ohnehin weiter Auslegungssache des Schiedsrichters. In meinem Job als Sportdozent an der Uni Erlangen komme ich mit Vertretern vieler anderer Sportarten in Kontakt. Keiner kann nachvollziehen, warum der Fußball die Technik so konsequent ablehnt. Das ist so, als ob man in der Leichtathletik noch immer die Zeiten per Hand stoppen würde.“
Thomas Adler (45), Trainer SG Quelle Fürth (Bezirksoberliga): „Ich fände die Einführung von Torkameras oder des Chips im Ball nicht schlecht. Aber darüber hinaus sollte man es nicht übertreiben und nicht zu viel verändern. Der Fußball ist als Sport gut, so wie er ist. Man darf nicht zu viel durcheinanderbringen, und auch die wichtigen Entscheidungen müssen weiterhin vom Schiedsrichter getroffen werden können. Das Spiel zu unterbrechen und die Kamerabilder anzuschauen, wäre aus meiner Sicht in Sinne des Sports sehr schwierig.“
Martin Hermann (47), Trainer ASV Zirndorf (Bezirksoberliga): „Ich halte nichts von technischen Hilfsmitteln im Fußball. Wo soll man da anfangen und wo aufhören? Soll das dann nur im Profifußball gelten oder auch im Amateurbereich? Für Amateurvereine wäre die Einführung der Technik aber viel zu teuer, und ich bin dafür, dass Fußball überall gleich durchgeführt wird. Außerdem lebt der Sport in gewisser Weise auch von den Fehlentscheidungen und den Debatten darüber. Montags wird am Arbeitsplatz mit den Kollegen diskutiert, ob diese oder jene Entscheidung richtig oder falsch war, das gehört einfach dazu.
So etwas gäbe es dann in dieser Form nicht mehr. Die Frage ist zudem, wie die technischen Hilfsmittel eingebunden werden sollen. Wird das Spiel dann angehalten oder soll es in jedem Stadion ein Komitee geben, das strittige Situationen analysiert und dann nach einer Unterbrechung eine Entscheidung trifft? Ich sehe die Problematik beispielsweise beim Tor der Deutschen gegen England durchaus, weil es dort auch um Geld geht. Aber solche Entscheidungen wird es immer wieder geben, und auch eine Torkamera kann manchmal vielleicht nicht letzte Klarheit bringen.“
Thomas Raßbach (46), Kreisvorsitzender und Kreisspielleiter Nürnberg/Frankenhöhe: „Wenn es um die Frage Tor oder nicht Tor geht, bin ich für die Einführung der technischen Hilfsmittel. Bei anderen Entscheidungen, etwa dem Abseits, bin ich dagegen. Die Technik kann die Frage nach einem Treffer heute deutlich und sicher beurteilen. Darüberhinausgehende Videobeweise hingegen sind aus meiner Sicht nicht praktikabel.
Es kann nicht sein, dass der Schiri bei strittigen Szenen erst unterbrechen und fernsehschauen muss. Sinnvoll ist die Einführung von Torkameras oder dem Chip im Ball auch nur in den obersten Ligen. Für Amateurvereine kommt die technische Ausrüstung viel zu teuer. Die Vereine könnten das gar nicht stemmen, das ist undenkbar. Überhaupt gleichen sich Glück und Pech im Laufe einer Saison meist aus und kein Schiedsrichter trifft absichtlich eine Fehlentscheidung, genau wie kein Verteidiger absichtlich über den Ball schlägt. Im Fußball fallen Tore immer nach Fehlern. Warum soll man dem Schiedsrichter, der auch nur ein Mensch ist, dann nicht mal einen zugestehen?“




Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
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