Montag, 10.12.2018

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Dresdner Fans verwüsten Fürther Busse

Die infra schätzt den Sachschaden auf 15 000 Euro — „Das war der schlimmste Einsatz, den wir bisher hatten“ - 10.08.2011 11:00 Uhr

Ein Teil der Schäden ist schon wieder beseitigt: Klaus Dieregsweiler (rechts) und Martin Bolic beschäftigen sich mit der Abdeckung einer Dachluke, die Dresdner Hooligans kurzerhand aus ihrer Verankerung gerissen haben. © André De Geare


Zunächst hatte die Polizei die Vorkommnisse als halb so wild dargestellt. Gemessen am schlechten Ruf, der dem harten Kern der Dynamo-Fans vorauseilt, sei der Nachmittag relativ ruhig verlaufen, hieß es. Abgesehen von einer Körperverletzung — ein Ordner erlitt beim Spiel ein Knalltrauma, nachdem im Dresdner Fanblock laute Böller gezündet worden waren — sprach die Polizei von kleineren Sachbeschädigungen in den Stadtbussen, die die Sachsen vom Stadion zurück zum Nürnberger Hauptbahnhof brachten. Einige Tage später hört sich das ganz anders an. Einsatzleiter Roland Gradl: „Ich wusste von Beschädigungen, aber dieses Ausmaß war mir nicht bekannt.“

Die Rede ist von eingetretenen und verzogenen Türen, zerbrochenen und zerkratzten Fensterscheiben, aufgeschlitzten Sitzkissen und herausgerissenen Sicherheitsabdeckungen der Dachluken in insgesamt sechs Bussen. Dass der Boden der Fahrzeuge nach dem Einsatz übersät war mit leeren Bierflaschen, Bierdosen und Zigarettenkippen, betrachtet der Leiter des infra-Verkehrsbetriebs, Klaus Dieregsweiler, als das kleinste Übel. Zurzeit werden die Busse instandgesetzt. Den Schaden schätzt Dieregsweiler auf 15000 Euro, das Fünffache der 3000 bis 3500 Euro, die sein Unternehmen sonst pro Jahr ausgibt, um Vandalismusschäden zu beseitigen.

Wegen der 1:0-Niederlage von Dynamo Dresden erklärt Gradl den Gewaltausbruch mit dem „Frust nach dem Spiel“. Doch es ging schon auf der Hinfahrt los: Mit „rhythmischem Hüpfen“, so Dieregsweiler, setzten die Fans in einem der Busse eine Technik außer Kraft, die das Fahrzeug im Gleichgewicht hält. Sie stemmten nicht nur Türen auf, sondern rissen auch Türgummis heraus und deaktivierten so den Einklemmschutz. Der Fahrer erhielt eine Warnmeldung. Er hatte keine Wahl, musste augenblicklich anhalten. Der Bus blieb in der Allersberger Straße liegen — auf den Straßenbahnschienen. Während der Fahrer und ein weiterer herbeigerufener infra-Beschäftigter die Schäden im Beisein von Spezialkräften der Polizei — deren Mannschaftsbusse begleiteten die Fanbusse — provisorisch reparierten, stand der Straßenbahnverkehr still. Nach einer halben Stunde setzte der Bus die Fahrt nach Fürth fort. Dort wurde er ausgetauscht.



Bei der Rückfahrt „ging’s dann richtig los“, sagt Dieregsweiler. Ein „Chaot“ habe versucht, den Lüfter im Fahrerbereich aus der Verankerung zu reißen, und sich über das Lenkrad gebeugt. Mitten auf dem Frankenschnellweg habe das zu einer „sehr unsicheren Fahrsituation geführt“. Passiert ist nichts, besonnene Insassen hielten den Störer zurück. Trotzdem ist das für Dieregsweiler „kein Spaß mehr“. Denn: „Hier stehen Menschenleben auf dem Spiel.“

„Seelische Gewalt“

Auch wenn — abgesehen von einem Dresdner, der eine Scheibe zerstörte, sich Schnittwunden zuzog und von Sanitätern weggebracht wurde — keine Personen zu Schaden kamen, war das „mit Abstand der schlimmste Einsatz, den wir bisher hatten“ (Dieregsweiler). Gradl bestätigt: „So was hab’ ich noch nicht erlebt.“ Unvergessen dürfte den Fahrern die Tour bleiben. Martin Bolic, infra-Verkehrsmeister und Vorgesetzter der Busfahrer, saß selbst am Steuer. Wie seine Kollegen musste er sich „wüste Beschimpfungen“ und Drohungen anhören. Tonart: „Wenn wir den Zug nicht erwischen, siehst du deine Familie nicht mehr.“ Für Bolic ist das „seelische Gewalt“. Wenn man durch das Gejohle im Rücken dann noch mehr ahne als höre, dass etwas zu Bruch geht, „dann schaltet das Gehirn auf Stress, dann macht man diesen Job und hofft, dass nicht mehr passiert“.

Den Notrufknopf drückten er und die anderen Fahrer an diesem Tag nicht. „Wir wurden nicht körperlich bedroht“, und die Polizei sei ja stets greifbar gewesen. In den Bussen selbst waren keine Polizisten. Gradl zufolge wollte die infra die Stimmung nicht noch anheizen. Und Dieregsweiler versichert: „Dass das so ausartet, damit hat niemand gerechnet.“

  

Birgit Heidingsfelder

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