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Dutzende Gaffer bei Fürther Großbrand behindern Feuerwehr

"Manchmal geht es um Sekunden": Retter appellieren an Autofahrer - 21.08.2018 16:50 Uhr

Dieses Foto zeigt, wie viele Gaffer in der Mainstraße vorfuhren. © Marcel Kahner


Die Rauchwolke war gewaltig. Offenbar so gewaltig, dass sie Menschen aus ganz Fürth anzog, sogar aus Nürnberg fuhren Autos in die Mainstraße. Die Kleeblattstadt wurde am Sonntagnachmittag zur Bühne, so interpretierten es zumindest Dutzende Menschen, die den Brand in einem Entsorgungsbetrieb ins Visier nahmen. Über den Kanal hinweg zückten sie Kameras. Das Problem: Über die Folgen für die Helfer machten sich viele keine Gedanken. Das ist längst keine Seltenheit mehr, Retter berichten seit Jahren von Behinderungen durch Schaulustige. Und dennoch war der Vorfall in Fürth besonders.

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Dunkler Qualm über Fürth: Großbrand in Entsorgungsfirma

Ein Großbrand forderte am Sonntag und Montag die Fürther und die Nürnberger Feuerwehr: In einer Entsorgungsfirma im Westen der Kleeblatt-Stadt fing ein größerer Haufen Plastik Feuer. Eine dunkle Rauchsäule stieg kurz nach Ausbruch des Feuers über der Stadt auf. Selbst am Tag danach waren die Einsatzkräfte noch mit der Brandbekämpfung beschäftigt.


Der Andrang war so groß, dass die Polizei zwischenzeitlich versuchte, die Mainstraße zu sperren. Weil die Fürther Feuerwehr Vollalarm auslöste, rückten auch zahlreiche Freiwillige Kräfte aus dem Norden an - etwa aus Atzenhof oder aus Vach. Sie waren nötig, um den gewaltigen Brand zu bändigen. Von einer "Materialschlacht" sprechen die Retter noch Tage danach, fast 200 Mann waren im Einsatz.

"Dann zählt wirklich jede Sekunde" 

Der Weg der Kräfte aus dem Norden führte über die Mainstraße. Doch dort parkten derweil Autofahrer teils in zweiter Reihe, um einen unverstellten Blick auf die Rauchsäule erhaschen zu können. Bilder zeigen, wie sich Dutzende am Ufer versammeln. "Das Problem war der Rückstau dort", sagt Christian Gußner, Chef der Fürther Feuerwehr. Kollegen berichteten ihm von einem regelrechten "Gaffer-Verkehr", der sich rund um die Entsorgungsfirma bildete. "Das hat auf jeden Fall Zeit bei der Anfahrt gekostet." Gußner betont, dass es dort am Sonntag nicht um Menschenleben ging - doch das nächste Mal könne das anders sein. "Dann zählt wirklich jede Sekunde, etwa bei bewusstlosen oder von Brandrauch vergifteten Personen." 

Um Gaffer abzuschrecken, hatte die Berufsfeuerwehr gemeinsam mit der Stadt am Sonntag Autofahrer gebeten, die Hafen- und Mainstraße weiträumig zu umfahren - offenbar vergeblich. Immer mehr Fahrzeuge sammelten sich. "Die Einsatzkräfte wurden durch die parkenden Fahrzeuge bei der Anfahrt extrem behindert", sagt Gußner. Deshalb appellieren die Retter jetzt an Passanten, künftig umsichtiger zu handeln. 

Seit Jahren sorgen auch Falschparker in der Innenstadt für Probleme. Um die Fürther zu sensibilisieren, initiierte die Feuerwehr im vergangenen Jahr eine Testfahrt, wollte so zeigen, wie eng es gerade in Kurven für die großen Löschfahrzeuge wird. In gleich mehreren Fällen konnten Drehleitern nicht mehr zu Bränden vordringen. "In dem Moment hofft man bloß, dass keine Menschen in der Wohnung sind oder im Treppenhaus, dass alles gut geht", sagte ein Retter damals. "Jede Minute kann Leben retten." 

Tobi Lang Online-Redakteur E-Mail

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