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Echt Jugend: Teenager sollen an Politik teilhaben

Jugendring und Jugendamt gehen mit einem ungewöhnlichen Projekt neue Wege — Direkter Dialog erwünscht - 26.09.2012 22:00 Uhr

Auch „echt TV“ gehört zum Projekt: Unter Federführung des Jugendmedienzentrums Connect — hier Ferienreporter bei der Arbeit — drehen Jugendliche Videos, Teenager-Redaktionen berichten über den Fortschritt. © Winckler


„Für Stühle hat es leider nicht mehr gereicht“, entschuldigt sich Jan Wagner, Vorsitzender des Stadtjugendrings Fürth (SJR). Aber schließlich gehe es bei dem Projekt, das nun präsentiert werde, ja auch darum, in Räumen zu kommunizieren, die dafür nicht geschaffen sind. Partizipation ist das Thema: Jugendliche rücken in den Fokus, für die „Politiker oft Menschen in einer anderen Welt sind, die eine andere Sprache sprechen“, so Wagners Beobachtung.

Meinungen hätten diese jungen Menschen natürlich trotzdem, das Klischee vom „Null-Bock-Teenager“ sei barer Unsinn. Doch diese Meinungen an Politiker herantragen – das will die in knapp zwei Monaten entworfene Initiative in der Jugendarbeit der Stadt leisten. Über ein Online-Portal und so unbürokratisch wie nur möglich sollen 14- bis 27-Jährige in ihrer Stadt „echt“ was bewegen. „echt“ — dieses Etikett haftet allem bei dieser Kampagne an. „echt neu“ zum Beispiel, eine Rubrik, in der das Jugendmedienzentrum Connect unter Leitung von Florian Friedrich Videos drehen wird („echt TV“), Teenager- Redaktionen über den Fortschritt des Projekts berichten und es mit medialem Marketing bewerben.

„Echt Geld“ gibt es außerdem: Mit bis zu 500 Euro und „professionellem Coaching“, so der Leiter der Initiative, unterstützt „echt Fürth“ jedes „Mikroprojekt“ von jungen Fürthern, das gemeinnützig ist und mindestens fünf Unterstützer findet. Bewertet werden die einzelnen Ideen dabei nicht. Swantje Schindehütte vom Jugendzentrum Catch Up, die die praktische Umsetzung begleitet, zuckt mit den Schultern: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“

Ihren Stadtteil sollen die Teenager unter die Lupe nehmen und analysieren, wo es etwas zu verbessern gibt. Was im Ergebnis an Projektideen auf sie zukommen könnte, wissen die Beteiligten noch nicht. Sie wollen sich überraschen lassen und den Jugendlichen nur „ein Werkzeug in die Hand geben“.

Auch eine Plattform will man jungen Fürthern bieten – mit „echt Dialog“ und „echt Upload“. Hier kann seine Meinung äußern, wem danach ist. Auch in der Vergangenheit habe es zwar stets die Möglichkeit gegeben, als Jugendlicher an den Stadtrat heranzutreten — doch viel zu fremd sei den meisten dieser Weg.

Maria Ludwig, SPD-Stadträtin und Mitglied im kommunalen Jugendhilfeausschuss, kann das aus eigener Erfahrung bestätigen: Nur ein einziges Mal habe sie so etwas erlebt, sagt sie. Das soll sich mit Hilfe des neuen Projekts ändern, ganz direkt sollen die jungen Menschen ihre Meinung über einen Website-Kommentar oder eben einen Datei-Upload im Internet mitteilen. Und möglichst ebenso unmittelbar von den Politikern Rückmeldung bekommen. Talkshows wären hier denkbar oder eben ein simpler „Dia.Log“.

All diese Bausteine bewirken, so stellen es sich die Initiatoren vor, letztendlich eines: Sie bauen die Hemmschwelle zwischen Jugend und Kommunalpolitik ab. Für das Projekt stehen anderthalb Jahre lang ansehnliche 100000 Euro an Fördermitteln aus der Kasse des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur Verfügung.

Nun sind die Jugendlichen am Zug: Sie müssen beweisen, dass sie wirklich alles andere als „null Bock“ haben. „Einfacher geht’s nicht“, meint Oswald Gebhardt von der städtischen Jugendarbeit. Echt einfach, sozusagen.

Das Online-Portal der Initiative findet sich unter der Adresse www.echt-fuerth.de, die facebook-Präsenz unter der Adresse www.facebook.com/echt.furth 

Moritz Schulz

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