Montag, 17.12.2018

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Eddy fährt nicht nur den Wagen vor

Der neue Co-Trainer der SpVgg ist deutlich präsenter als sein Vorgänger - 24.07.2007

Gemeinsame Entscheidungen an der Seitenlinie: Co-Trainer Eddy Sözer (links) und Chefcoach Bruno Labbadia. © Wolfgang Zink


Eddy Sözer hat mit Werner Dreßel, seinem Vorgänger, kaum mehr gemein als die Berufsbezeichnung. Wo Dreßel neben dem früheren Cheftrainer Benno Möhlmann stets so entschieden zweitrangig wirkte wie Harry Klein («Fahr schon mal den Wagen vor!») neben Derrick, interpretiert Sözer die Rolle des Assistenten von Bruno Labbadia deutlich selbstbewusster. Egal, ob im Ronhof oder wie jetzt im Trainingslager im Schwarzwald, der etwas gedrungene Mann, der Labbadia schon bei Darmstadt 98 zur Seite stand, ist auf dem Platz genauso präsent wie sein Chef.

Wenn er meint, ein Spieler habe eine Übung nicht ordnungsgemäß ausgeführt, zitiert er ihn zu sich, schiebt den Kopf leicht noch vorn und redet ruhig, aber bestimmt auf ihn ein. Selbst kleine Wutausbrüche darf sich Sözer leisten. Als Stürmer Stefan Reisinger bei einer Einheit, mit der Spieler darauf getrimmt werden, vor dem Tor auch auf den so genannten zweiten Ball zu lauern, für einen Moment unaufmerksam ist, brüllt Sözer genervt: «Hey, schlaf nicht!»

Wenn Werner Dreßel mal versuchte, den starken Mann zu markieren, hat die halbe Mannschaft gelacht. Diesmal lacht niemand. Möhlmann und Dreßel standen bei der täglichen Arbeit meistens weit auseinander. Möhlmann bestimmte, Dreßel führte aus. Keine Diskussion. Labbadia und Sözer betrachten ihre Schützlinge häufig Schulter an Schulter. Sie analysieren gemeinsam und entscheiden gemeinsam. Irgendwann will sich A-Lizenzinhaber Sözer auch zum Fußballlehrer ausbilden lassen. Er könnte dann selbst das Zepter führen. Dass er seinen Chef beerbt, weil der gefeuert wurde, schließt Sözer freilich kategorisch aus: «Ich habe mich entschieden, mit Bruno Labbadia eine Partnerschaft einzugehen.»

Der gelernte Informatikkaufmann formuliert im Gespräch mit der Presse eloquent, aber sehr vorsichtig, und er vergisst nicht zu betonen: «Bruno Labbadia gibt ganz klar die Richtung vor.» Im Gegensatz zu seinem Vorgesetzten - und übrigens auch zu Werner Dreßel - hat der 39-jährige Türke, der als Dreijähriger von Istanbul nach Deutschland kam und eigentlich mit Vornamen Erdinc heißt, keine Ehrfurcht gebietende Vergangenheit als Fußballprofi aufzuweisen. Sözer kickte in der Landesliga, das war’s.

Ohne Worte

Dafür hat er Abitur und schon reichlich Erfahrung als Trainer gesammelt. Seine erste Jugendmannschaft betreute er mit 18, das erste Seniorenteam mit 21. Seine Erkenntnis aus all den Jahren an der Seitenlinie: «Du musst ein klares Ziel haben und das auch vermitteln können.» Die Frage, ob er Labbadia in einer ähnlichen Weise diene, wie Joachim Löw einst Jürgen Klinsmann unterstützt hat, also als eine Art Spindoctor, erstaunt Eddy Sözer. «Was für ein Vergleich?»

Nein, sagt er nach kurzem Überlegen, der Vergleich hinke in jeder Hinsicht. Auch insofern, als er keinesfalls hauptsächlich für die Taktik und Labbadia für die Motivation zuständig sei. «Es ist total egal, wer welche Einheit leitet, das entscheiden wir situativ.» Dabei kommt das neue Traumpaar auf der Fürther Trainerbank offenbar im Zweifelsfall auch ohne Worte aus. «Wir ertappen uns ganz oft dabei, dass wir genau das Gleiche gedacht haben», sagt Sözer. 

Kurt Heidingsfelder

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