Dienstag, 11.12.2018

|

zum Thema

Egers und die Gelbwurst: Fürther Kulturpreise verliehen

Munterer Festakt im Kulturforum Drei Moderatoren, sieben Preisträger - 14.11.2018 15:10 Uhr

Gut drauf: Matthias Egersdörfer, Fürths 13. Kulturpreisträger seit 1970, suchte mit dem Publikum nach dem Zauberwort für das soeben überreichte Gelbwurst-Stück an der Metzgertheke. © Fotos: Thomas Scherer


Hört man jetzt auch nicht so oft, dass ein Laudator dem zu Ehrenden bescheinigt, er sei "ungehobelt und ein hemmungsloser Widerling". Ein "fränkischer Charmebolzen" halt.

Peter Angermann, bei dem Matthias Egersdörfer an der Nürnberger Kunstakademie als Meisterschüler studierte, hatte freilich auch Lobendes vorbereitet. Hinter dessen cholerisch anmutendem Bühnen-Ich stecke nämlich "ein zurückhaltender, stiller, nachdenklicher, unabhängiger, selbstständiger Geist".

Egersdörfers brachiale Herangehensweise ans Publikum sei eben keinesfalls oberflächlich, sondern eine besondere Qualität, die die Originalität seines Witzes unterstreiche. Der 48-jährige Künstler, der unter anderem mit der Kapelle aka Boygroup "Fast zu Fürth" auftritt und im Franken-"Tatort" als Spurensicherer meist die einzig wahren fränkischen Töne beisteuert, reagierte auf die Würdigung mit einer Frage ans Publikum und erkundigte sich, was denn ein Kind sagt, wenn "die Fleischfachangestellte ihm ein Stück Gelbwurst gegeben hat"? Das Echo aus den gut gefüllten Reihen kam prompt: "Danke!" Das sei korrekt, lobte Egersdörfer und das Gleiche habe er gerade auch selbst sagen wollen.

Durch den kurzweiligen Abend, der ohne Längen, aber mit einem hervorragenden Musik-Programm über die Bühne in der Großen Halle ging, führten Kulturamtsleiterin Claudia Floritz, Ewald Arenz und Oliver Boberg, der die Zuschauer mit dem Werk des Sonderpreisträgers Kultur der Stadt Fürth, Günter Derleth, vertraut machte.

Der Künstler hat mit seiner Camera-obscura-Arbeit eine ganz eigene "Ästhetik der Langsamkeit" entwickelt. Nachdem er 30 Jahre lang als selbstständiger Werbefotograf tätig war, entschied Derleth sich gegen den "inflationären digitalen Wahnsinn" und entdeckte die entspannte Lust am Zufall, der seine Aufnahmen mit der rudimentären Lochkamera prägt.

Mit einem Fürther Kulturförderpreis wurde sowohl der Geiger Pawel Zalejski (38), der international als Primarius des Apollon Musagète Quartetts Erfolge feiert und unter anderem als Konzertmeister des ensemble kontraste in Nürnberg wirkt, geehrt, als auch Lara Ermer (22). Die Psychologiestudentin hat sich mit Poetry Slam einen Namen gemacht und tourt mit ihren aktuellen Texten regelmäßig durch die Republik. Eine Entscheidung, die offensichtlich auf einer sehr weit gesteckten Auslegung des Fördergedankens beruht. Wirklich glücklich erscheint die Wahl dieser beiden Künstler, die an sehr unterschiedlichen Punkten ihrer Karriere stehen, für den gleichen Preis tatsächlich nicht.

Das perfekte Zuhause

Zu Recht freute sich Claudia Floritz, dass Pawel Zalejski, der bereits in der New Yorker Carnegie Hall oder dem Amsterdamer Concertgebouw auftrat, eben auch im Schloss Burgfarrnbach konzertiert. "Er ist weltweit unterwegs, aber doch fest in der Region verankert", machte Floritz klar. Zalejski, der im polnischen Bydgoszcz zur Welt kam und sich mit seinem Können bereits wichtige internationale Preise erspielt hat, dankte mit einem Bekenntnis: "Fürth ist für mich und meine Familie das perfekte Zuhause geworden." Als Duo Viennese gemeinsam mit Ehefrau Monika Hager-Zalejski ließ der Musiker zwei Stücke von Aleksey Igudesman folgen.

Ein gutes Beispiel ihrer erprobten selbstbewussten Bühnenpräsenz gab Kulturförderpreisträgerin Lara Ermer, die einen hintersinnigen Text über ihre Heimatstadt performte, der in der Reihe "Fürther Freiheit" der Fürther Nachrichten erschienen ist ("Fürth, du Stadt der Einbahnstraßen und Nachbarschaftsklagen").

Die Förderung junger Künstler lag dem Fürther Geschwisterpaar Leonhard und Ida Wolf am Herzen. Testamentarisch verfügten sie die Vergabe eines Gedächtnispreises, der seit 1995 verliehen wird. Ausgezeichnet wurden jetzt Moritz Neukam (Bass), Victor König (Fagott) und Laura Reicher (Klavier). Auch die drei Preisträger, die alle in diesem Jahr ihren 18. Geburtstag feierten, ließen ihre Instrumentalbeiträge zu glanzvollen Höhepunkten dieser Kulturpreis-Runde werden. 

Sabine Rempe

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Fürth