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Ein Plädoyer für seltene Berufe

Letzter Teil der FN-Sommerserie: Stefania Küble ist Flechtwerkgestalterin - 08.09.2013 10:00 Uhr

Ein bisschen Schreiner, ein bisschen Designer: Stefania Küble. © Gabi Pfeiffer


Frau Küble, immer nur Körbe flechten, das wäre Ihnen doch zu langweilig. Oder?

Küble: Der Beruf ist äußerst vielfältig. Man macht den „kleinen Schreiner“, hat Möbel- und Metallbau dabei und lernt sogar, Zäune zu bauen. Die Flechtwerker beschäftigen sich mit Design und Grafik, arbeiten auch am Computer.

Spiegelt sich das in Ihrem Arbeitsalltag?

Küble: Vorrangig sind Möbel und Reparaturen, aber ich mache auch Sonderanfertigungen für historische Museen, biete Kurse an und arbeite mit Schulen zusammen. Dazu kommt meine Kunst.

Wie kamen Sie auf den Beruf?

Küble: Über die Waldorfpädagogik, die Wert auf praktische Fähigkeiten legt. Ich habe eine Fortbildung bei einem Korbmacher besucht und habe gedacht: Flechterei, das wär’s! Ein Handwerksberuf, ganz praktisch, das war mein Traum von Kindheit her. 2006 habe ich gekündigt und die dreijährige Ausbildung an der Berufsfachschule in Lichtenfels gemacht.

Ein großer Schritt...

Küble: Ich wollte mir etwas für mein Leben erarbeiten. Wollte unabhängig sein, meine eigene Chefin sein – und etwas können, was ich noch im Alter machen kann.

Können Sie von Ihrer Hände Arbeit leben?

Küble: Man muss Eigeninitiative mitbringen und darauf verzichten, viel Geld verdienen zu wollen. Aber ich habe noch ein zweites Standbein, ich bin Erzieherin. Morgens bin ich in der Werkstatt, nachmittags im Kindergarten, und an den Wochenenden halte ich Kurse oder bin auf Märkten in der Region unterwegs.

Wie finden Sie Ihre Kunden?

Küble: Auch auf den Märkten und beispielsweise beim Höfefest, wo ich oft höre: „Ach, Sie sind da! Ich suche Sie schon lange.“ Ich bin bewusst nur in 50 Kilometern Umkreis unterwegs, weil hier die Aufträge kommen. Für einen maßgefertigten Korb, einen Untersetzer oder den Stuhl, der ein neues Geflecht braucht. Alles andere kommt über Mundpropaganda oder ein Netzwerk, das wir in Fürth aufgebaut haben. Alles Menschen, die alte Handwerkstechniken beherrschen. Mit dabei sind zum Beispiel Hutmacherin, Weber, Schneiderin und Schreiner.

Was reizt Sie an dem Beruf?

Küble: Dass ich meine Ideen mit meinen Händen umsetzen kann. Eigentlich brauche ich nur ein Messer und eine Schere, ich könnte in die Steppe gehen und würde einen Haselnussstrauch finden oder Stroh und könnte anfangen. Dazu kommt meine Leidenschaft für die Kunst. Ich sehe mich auch als Künstlerin, die mit handwerklichen Techniken Neues entwickelt. Aus den Formen von Teppichklopfern etwa meine Ornamente „Linalüs“.

Warum sollte jemand einen seltenen Beruf, wie Ihren, ergreifen?

Küble: Weil das Herzblut und Leidenschaft verlangt, das hat ganz besondere Energien. Das stärkt einen, das macht einen ein bisschen stolz.

Sind Sie ein glücklicherer Mensch, seit Sie flechten?

Küble: Ja, ich bin ausgefüllter. Man lernt ja nicht nur die Techniken, sondern auch Geduld und Durchhaltevermögen, was mich auch durchs Leben trägt.
  

Interview: GABI PFEIFFER

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