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Ein weiterer Sommer ohne Mieträder

Fürth wartet mit der Anbindung an das Nürnberger NorisBike-Modell — Zirndorf nutzt die Marktlücke - 25.08.2012 16:00 Uhr

Nicht nur Fahrräder verleihen Paul Reubel, seine Frau Helga und Tochter Karin seit April in Zirndorf: Auch Rikschas sind im Angebot.

Nicht nur Fahrräder verleihen Paul Reubel, seine Frau Helga und Tochter Karin seit April in Zirndorf: Auch Rikschas sind im Angebot. © Thomas Scherer


„Mit mir stehst Du nie im Stau“ versprachen die nextbike-Räder auf den Werbetafeln direkt unterm Sattel, bevor sie Ende 2010 aus der Kleeblattstadt verschwanden. Zurückgekehrt sind sie immer noch nicht — obwohl die Leihräder immer mehr Fans finden. Das Angebot kommt insbesondere bei denen an, die auf die Umwelt achten oder auf den Geldbeutel und das Auto wegen der hohen Benzinpreise stehen lassen.

Die Liste der Städte, die das Leipziger Unternehmen nextbike seit der Gründung 2004 zu den Standorten seines Fahrradverleihs zählen kann, ist immer länger geworden. In 23 Großstädten Deutschlands haben Bürger derzeit die Möglichkeit, für einen Euro pro Stunde (maximal acht Euro am Tag) aufs Rad zu steigen. Touristen können so spontan zu Stadttouren aufbrechen, Pendler schwingen sich für den Weg vom Bahnhof zur Arbeit auf den Sattel, und auch wer viel erledigen muss, ist mitunter dankbar, wenn der Fahrradkorb die Einkaufstasche trägt. Wird das Rad nicht mehr gebraucht, stellt man es an einer der Stationen ab.

Mit mittlerweile 750 Leihrädern an 65 Stationen gehört der Standort Nürnberg zu einem der größten von nextbike in Deutschland. NorisBike heißt das Projekt dort, das als Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehrsangebot konzipiert wurde. VAG-Abo-Kunden können sogar 30 Minuten täglich kostenlos fahren. Richtig gut laufe der Verleih in Nürnberg, sagt Firmensprecherin Mareike Rauchhaus. Mehr als 32700 Ausleihen wurden seit Januar registriert.

Der Verleih, den es von September 2008 an in Fürth gab, fiel wesentlich kleiner aus: Am Bahnhofplatz, am Rathaus und am Stadttheater standen zuletzt insgesamt 25 Räder bereit. Ende 2010 waren auch sie weg. Ausschlaggebend dafür war eine Projektförderung für „innovative öffentliche Fahrradverleihsysteme“, die das Bundesverkehrsministerium 2009 ausschrieb. Die Fahrräder aus Nürnberg, Fürth und auch Erlangen zog nextbike daraufhin wieder ab, da nur Projekte, die noch nicht begonnen hatten, prämiert werden konnten.

Das in der Folgezeit für Nürnberg entwickelte NorisBike-Modell setzte sich erfolgreich durch; noch bis Dezember erhält es im Rahmen des Modellversuchs Zuschüsse. Die Stadt unterstützt den Ausbau des Verleihsystems ebenfalls finanziell.

„Wir wollten unsere Kapazitäten voll auf Nürnberg konzentrieren. Und einen kompletten Neuanfang, zunächst ohne Fürth und Erlangen, starten“, erklärt Pressesprecherin Mareike Rauchhaus. Eine Anbindung an die beiden Nachbarstädte sei bereits Anfang 2012 in Erwägung gezogen worden. Die Stadt Fürth lehnte allerdings, trotz grundlegendem Interesse, bisher ein „regionales System“ ab.

„Es erschien uns zu dem Zeitpunkt noch zu früh“, erklärt Benjamin Hartung, Fahrradbeauftragter der Stadt Fürth, „denn das System muss sich ja erst einpendeln. Wir wollen die Erfahrungen in Nürnberg abwarten und nächstes Jahr abwägen, wie sinnvoll es wäre, dass Fürth sich anschließt.“ Tatsächlich dauerte es bis zum Frühjahr, bis in Nürnberg ein dichtes Netz von Stationen aufgebaut war.

Auch Eike Söhnlein, Leiterin der Fürther Tourist-Information, verfolgt interessiert, wie sich NorisBike entwickelt. „Natürlich wäre es für uns auf Dauer wichtig, so etwas zu haben.“ Immer wieder werde in der Tourist-Info nach Leihrädern gefragt. „Manchmal stehen auch welche vor der Tür“ — offenbar weil Radler annehmen, dass es NorisBike auch in der Kleeblattstadt gibt.

Dass die Räder früher eher wenig genutzt wurden, sei einfach zu erklären: „Es dauert, bis so etwas bekannt genug ist und angenommen wird. Anfangs hatten wir auch nicht viele Stadtführungen, jetzt boomen sie.“ Für die Stadt wäre ein Einstieg in NorisBike freilich mit gewissen Kosten verbunden. Wie hoch sie wären, hängt Rauchhaus zufolge unter anderem von der Zahl der Räder und Stationen ab.

Doch nicht alle, denen die Idee eines Fahrradverleihsystem gefällt, müssen dieses Jahr darauf verzichten: Das Hotel Reubel in Zirndorf wirbt seit einiger Zeit für „Zirndorfs ersten Fahrradverleih“. Auch Rikschas und sogenannte Känguru-Räder — mit angebautem Kindersitz — aus China sind im Angebot. „Der eine oder andere hat schon eine Rikscha für seine Hochzeit gemietet“, erzählt Hotelbesitzer Paul Reubel. Obwohl sich das Angebot noch in der Testphase befindet, zeigen sich schon viele Interessenten. Der Hotelbesitzer ist zufrieden: „Überraschenderweise kommen auch viele Anwohner zu uns.“

  

Christine Müller/Claudia Ziob

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