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Eine intergalaktisch kreative Klasse

Zirndorfer Schüler waren beim „mischen“-Projekt des Bezirksjugendrings dabei - 21.10.2010 09:00 Uhr

Fleißige Bastler in ihren futuristischen Kostümen: Der Nürnberger Choreograf Carlos Cortizo (hinten) mit der intergalaktischen Schar der Klasse 5 G.

Fleißige Bastler in ihren futuristischen Kostümen: Der Nürnberger Choreograf Carlos Cortizo (hinten) mit der intergalaktischen Schar der Klasse 5 G. © Sabine Rempe


Marie trägt ihre „Unterwassermaske“. Ein aufregendes Teil, das die Zehnjährige urplötzlich in ein Mädchen aus einer fernen Galaxie verwandelt. Stolz erklärt Marie: „Das habe ich alles aus Müll gebastelt.“ Mert (10) erinnert mit seinem langen schwarzen Plastikplanen-Umhang an einen sehr jungen Star-Wars-Helden, der es durchaus einmal mit Darth Vader aufnehmen könnte.

Angelina hat dagegen eine „Putzfrauenmaske“ erfunden. Eine bahnbrechende Idee: „Wenn ich die aufziehe, dann erschrecken sich meine Katzen Cindy und Xena, rennen weg und — ich kann saubermachen“, erklärt die Elfjährige lachend.

Fantasie auf dem Stundenplan

Kreativität und Fantasie stehen in der 5G auf dem Stundenplan. Eine Herausforderung, die den Jungen und Mädchen ganz offensichtlich Spaß macht. Konzentriert arbeiten alle an ihren Projekten, die im Rahmen eines Workshops von „mischen“, den Kinder- und Jugendkulturtagen des Bezirksjugendrings Mittelfranken, in der Mittelschule Zirndorf entstehen. Angeregt und begleitet wird die Aktion von dem Tänzer, Choreographen und Videokünstler Carlos Cortizo aus Nürnberg.

„Die Kinder machen das super“, stellt Cortizo erfreut fest, „eigentlich habe ich nur das Thema genannt und schon ging es ganz von alleine los...“ Und während er das sagt, gibt er schon wieder Tipps, rät, regt an, hält fest und bindet geduldig Schleifen, damit etwas störrische Kreationen problemlos sitzen.

Für Petra Pfab, die im Tandem mit Christine Lochner die Ganztagesklasse leitet, ist die auf drei Tage angelegte Aktion schon jetzt ein Erfolg: „Es ist befruchtend und anregend zu sehen, wie die Kinder mitmachen.“ Carlos Cortizo, ihrem Kollegen auf Zeit, der als Künstler eine ganz andere Art des Arbeitens in den Unterrichtsraum gebracht hat, loben die beiden Pädagoginnen. „Als Lehrer“, sagt Christine Lochner, „will man grundsätzlich mehr kontrollieren, hat vielleicht manchmal sogar Angst vor Kontrollverlust.“ Cortizo gebe den Schülern im Gegensatz dazu den „absoluten Freiraum“ für die Zeit dieser Projektarbeit. Davon, so die Klassleiterinnen, könne man auch lernen: „Es ist unheimlich interessant zu sehen, dass es bei so einer Sache eben auch einmal anders geht.“

Tim hat mittlerweile seinen „superintergalaktischen Gürtel“ angelegt. Geduldig hat der Elfjährige das gute Stück aus vielen leeren Joghurtbechern zusammengesetzt: „Der ist praktisch, da kann man alles Wichtige reinlegen: Trinkflaschen, Süßigkeiten und so weiter.“

Gearbeitet wird grundsätzlich nur mit Müll. Leere Verpackungen, ausgelöffelte Becher, Trinkflaschenverschlüsse, Folien – alles wird wiederbelebt und kommt zu neuen Ehren. Allerdings haben Lehrerinnen und Choreograph als Allererstes streng darauf geachtet, dass sämtlich Plastiktüten große Luftlöcher bekommen, bevor damit gebastelt wird.

Abfall verwandelt sich

Carlos Cortizo ist begeistert von dem kreativen Potenzial: „Wir alle kaufen, kaufen, kaufen und stehen auf einmal vor Bergen von Abfall, für die Kinder ist das Zeug aber alles verwandelbar, sie sehen darin sofort neue Möglichkeiten.“

Selbstverständlich werden die intergalaktisch schönen Kostüme und fantasievollen Bastelarbeiten wie Julians (11) Riesenspinne jetzt nicht einfach in irgendeinem Schrank verschwinden. „An unserer Schule gibt es unter anderem einen Theaterkurs, dort können die Sachen zum Beispiel für Sketche und so weiter eingesetzt werden“, erzählt Petra Pfab, während sich die kreative Klasse 5G vor ihren Augen langsam aber sicher in eine freundliche Meute überaus fantasievoller Wesen von einem ganz anderen Stern verwandelt... 

Sabine Rempe

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