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Im Mütterzentrum (Müze) gehen Väter längst ein und aus. Sie bringen ihre Kinder früh in die Netz- und Spielgruppen, holen sie nachmittags ab, nehmen an Elternabenden teil, sagt Leiterin Kerstin Wenzl. Oft wüssten sie genau, mit wem ihre Kinder spielen oder wann sie Logopädie haben. Und sie hielten schon morgens wacker, nicht immer erfolgreich, dagegen, wenn das Töchterchen bei Regen im Spitzenrock aus dem Haus spazieren will. So gesehen müsste das 1988 gegründete Müze inzwischen ein Mütter- und Väter- oder Familienzentrum sein. „Wir haben das oft diskutiert“, sagt Wenzl. Es blieb beim eingeführten Namen.
Viele moderne Männer wollen ihren Nachwuchs begleiten, von Anfang an: Sie pressen im Kreißsaal mit und halten mit Frau und Neugeborenem Einzug in den Familienzimmern der Wochenstationen. Die Papas im Pyjama irritieren im Nathanstift niemanden mehr. Und auch wenn es meist bei den zwei Mindestmonaten bleibt: Väter nehmen immer öfter Elternzeit, in Bayern tut das fast jeder dritte. Das Bewusstsein habe sich stark gewandelt, sagt Gerhard Fuchs, Geschäftsführer der IHK in Fürth, und zwar bei Männern und Firmen.
Beispiel Uvex. „Wir legen Wert auf eine familienorientierte Personalpolitik, wir wollen für Mitarbeiter attraktiv sein“, sagt Personalchef Johann Engelmann. Dem Wunsch Beschäftigter nach Zeit für die Familie komme man grundsätzlich gern entgegen. Zehn Prozent aller Uvex-Mitarbeiter in Elternzeit seien Männer, Tendenz steigend, „quer durch alle Berufsgruppen, auch in Führungspositionen“.
Auf reges Interesse stoßen denn auch Initiativen wie die von Thomas Rohlederer. Der Gemeindepädagoge von St. Rochus, Zirndorf, hat mit Väter & Co. vor Jahren ein Pendant zur klassischen Mutter-Kind-Gruppe ins Leben gerufen. Alle sechs Wochen treffen sich zwölf bis 15 Papas plus Sprösslinge, um zu spielen, zu kochen, zu basteln, durch den Wald zu stromern. Diese Männer, so Rohlederer, seien keine Exoten. „Das sind normale Väter, die bewusst Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen.“
Auch kein Einzelfall mehr ist der Mann auf Vater-Kind-Kur. Müze-Chefin Kerstin Wenzl hat eben wieder einem ausgebrannten Hausmann und zweifachen Vater — als Anwältin verdient seine Frau das Geld — bei den Antragsformalitäten geholfen. Auf ihren Hinweis, die Kurhäuser seien trotz allem noch immer voller Mütter, entgegnete er: „Das macht mir nix.“ Nun hofft er auf drei Wochen Auszeit im Schwarzwald — mit Kindern.
Eine winzige Verschnaufpause vom Familienbetrieb gönnen sich heute viele Väter. Gegen einen Tag zu deren Ehren hat die Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland nichts. Doch die üblichen Trinkgelage findet Petra Bahr „denkbar schlicht“. Sie plädiert dafür, die Väter wie die Mütter am Muttertag zu feiern und zu beschenken, statt sie „zu zwingen, sich mit anderen Vätern zusammenzurotten und den Verstand zu verlieren“. Thomas Rohlederer lacht da nur. Er wird eh nicht mit dem Leiterwagen durchs Gelände ziehen. „Ich gehe früh in den Gottesdienst, mache mir einen ruhigen Tag und trinke abends vielleicht ein Bier.“




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