Montag, 18.03.2019

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Einsatz für Malereien

Initiative will Wandgemälde in Gasthof restaurieren - 10.06.2009

Szenen aus dem Dreißigjährigen Krieg hat Künstler Karl Hemmerlein 1932 im «Grünen Baum» verewigt. Auch Gastwirt Michael Barth (re.) würde sich über eine Restaurierung freuen. Die Tucher Bräu hat dafür jedoch keine Nerven. © Winckler


Ein Stück Kulturgeschichte dieser Stadt. So bezeichnet Norbert Eimer die Wandmalereien im Gasthof «Grüner Baum», für deren Restaurierung sich der ehemalige FDP-Stadtrat und Bundestagsabgeordnete einsetzt. Geschaffen hat sie 1932 der Fürther Künstler Karl Hemmerlein.

Seine Malereien zieren die Wände gleich mehrerer Zimmer: Im Erdgeschoss sind es das eigentliche Lokal und der kleine Saal, im ersten Stock die Gustav-Adolf-Stube und das Kaminzimmer, außerdem den «Schwemme» genannten Eingangsbereich.

Und weil dereinst vor der Schlacht an der Alten Veste im Jahr 1632 der Schwedenkönig Gustav Adolf im «Grünen Baum» übernachtet haben soll und man 1932 im Rahmen des 300-jährigen Jubiläums dieser Schlacht gedachte, nimmt es nicht Wunder, dass Hemmerlein Szenen aus dem Dreißigjährigen Krieg als Motiv aufgegriffen hat. Da reiten und marschieren die schwedischen Landsknechte, andere verzocken Geld und Beute am Würfelspiel, Pferde ziehen Wagen und Kanonen vorbei.

Doch die Gemälde sind reichlich in die Jahre gekommen. Tabakqualm und Staub haben ihnen zugesetzt, sogar Nägel wurden in den vergangenen Jahrzehnten in die Wände getrieben. «Das ist sehr bedauerlich», meint Eimer. Jetzt schart er Gleichgesinnte um sich, die sich für den Erhalt der Malerei stark machen.

Sein Parteikollege, der Malermeister Kurt Georg Strattner, hat bereits signalisiert, die Kosten für eine Voruntersuchung durch einen Restaurator in Höhe von rund 300 bis 400 Euro bezahlen zu wollen. Danach wird feststehen, wie aufwändig und teuer die Wiederherstellung sein wird. Gastwirt Michael Barth («Wir befürworten das sehr») ist ebenfalls angetan von der Initiative und will einen Beitrag leisten: Nach Abschluss der Arbeiten soll eine Wandbeleuchtung die Malereien ins rechte Licht rücken.

Eigentümer spielt nicht mit

Doch alles steht und fällt mit der Zustimmung und dem Engagement der Eigentümer. Der «Grüne Baum» gehört der Inselkammer-Gruppe, die das Gasthaus wiederum an Tucher Bräu verpachtet hat. «Ich kenne die Malereien, sie sind sehr ansprechend», sagt Martin Leibhard, Generalbevollmächtigter der Inselkammer-Gruppe. Allerdings: Nach seinen Worten fällt eine Restaurierung in das Aufgabengebiet von Tucher. Der Pachtvertrag beinhalte, dass der Eigentümer für Dach und Fassade zuständig ist. «Alles, was sich im Gebäude abspielt, liegt bei Tucher», so Leibhard.

Ganz aus der Verantwortung will er sich aber nicht stehlen. Wenn erst einmal die Zahlen auf dem Tisch liegen und klar sei, über welche Größenordnung man spricht, sei er bereit, sich mit Tucher zusammenzusetzen, um einen «vernünftigen Weg» zu finden.

Doch bei der Brauerei kann man sich ein finanzielles Engagement zurzeit nicht vorstellen. Angesichts drastischer Umsatzeinbrüche in der Gastronomie, so Geschäftsführer Fred Höfler, kämpfe man darum, Arbeitsplätze zu erhalten.

Der «Grüne Baum» befinde sich insgesamt in keinem guten Zustand. In ein paar Jahren stehe daher eine Komplettsanierung an, und in deren Zuge könne man sich auch den Malereien widmen. Dann sei hoffentlich auch die wirtschaftliche Lage besser. «Vorher», sagt Höfler, «sehe ich keine Möglichkeit».

Maler Kurt Georg Strattner will sich damit noch nicht abfinden. «Jetzt warten wir doch einfach mal ab, was das alles kosten soll», sagt er. Sollten es «Unsummen» sein, dann sei ihm natürlich klar, «dass man dafür in dieser Wirtschaftskrise niemanden begeistern kann». Vielleicht seien die Arbeiten aber gar nicht so teuer und es lassen sich dafür Sponsoren gewinnen. «Schade wäre es halt», betont Strattner, «wenn das wieder auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben wird.» 

Johannes Alles

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