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Montag, 25.06.2018

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Elvis, Sinatra, Beatles: Vinyl-Schätze aus Fürth

Indie-Plattenlabel wurde in San Francisco gegründet - 21.01.2018 11:00 Uhr

Die Geschichte der Plattenfirma "MT Undertainment" fängt mit Kassetten an: 1984 produziert Joe Raimond, damals Kunststudent in San Francisco, mit einem Freund einen Kassettensampler. 400 Etiketten habe er dafür auf seiner Schreibmaschine getippt.

Zur selben Zeit gründet er das Indie-Label "Empty Records", um Songs seiner eigenen experimentellen Band Doc Wör Mirran zu veröffentlichen. 1985 nimmt Raimond einen Job als Grafiker in Deutschland an, er zieht erst nach Darmstadt, später nach Nürnberg. Ab 1986 veröffentlicht sein Label Empty Records Schallplatten – zunächst Aufnahmen seiner eigenen Musikprojekte, dann auch die anderer Musiker. Ein Freund startet in den USA das Schwesterlabel eMpTy Records, 1996 wird man sich allerdings im Streit trennen.

In Deutschland gründet Raimond mit der Zeit mehrere Tochterlabels, etwa Musical Tragedies. Vertriebspartner ist EFA (Energie für Alle), damals der wichtigste Betrieb für die deutsche Szene der Independent-Labels im Bereich Punk, New Wave, Alternative. Seit 2004 werden MT-Produkte durch den Großhändler Indigo in Plattenläden vertrieben.

Von Elvis bis J.B.O.

Bekannt werden Musical Tragedies ab 1992 für Vinyl-Singles, die aussehen wie ein Kreissägeblatt. Es gelingt, Songs prominenter Künstler wie Motörhead, Alice Cooper, Die Toten Hosen, Ramones, Frank Zappa, Nina Hagen, Cher, Blondie, Jimmy Page oder Frank Sinatra zu veröffentlichen. 1995 zieht die Firma nach Fürth um, sie bringt das Album "Explizite Lyrik" der Erlanger Spaß-Metal-Band J.B.O heraus – ein Verkaufshit.

Mit den verschiedenen Labels kommt MT Undertainment inzwischen auf fast 600 Veröffentlichungen – alle seien offizielle Platten, für die er die Rechte eingeholt hat, betont Raimond, keine einzige sei ein Bootleg, also ein nicht-autorisierter Mitschnitt. "Ich weiß schon, das klingt für eine kleine Firma unglaublich", sagt er, "aber manchmal sind den Musikern kleine Leute, die sich tatsächlich mit Herzblut engagieren, lieber." Wo immer es geht, arbeite er mit den Künstlern zusammen, um möglichst schöne Platten und CDs zu machen.

Die Rechte zu bekommen, sei unterschiedlich schwer gewesen: "Mit Motörhead, den Ramones, den Toten Hosen und vielen anderen war es ganz einfach zu reden, sobald ich an die rangekommen war", sagt Raimond. "Bei Elvis Presley und Frank Sinatra hingehen waren es Lizenzagenturen, da muss man Geduld haben. Und ein paar Euro."  

ewn/czi

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