Doch auch deren optimistische Einschätzung des energiepolitischen Paradigmenwechsels sorgte für Wirbel. Als Schönfärberei stufte infra-Chef Hans Partheimüller beim Smalltalk nach den offiziellen Reden die Behauptung der Politikerin ein, der Strom sei nach dem Ausstieg aus der Atomenergie nicht teurer geworden, sondern billiger. Wie berichtet, erhöhen die infra und die N-Ergie ab März ihre Tarife.
Der Strompreis, so Partheimüller, mache gerade mal 32 Prozent des Energiepreises aus. Und letzterer werde belastet durch exorbitant steigende Kostenfaktoren wie Stromsteuer, EEG-Umlage, Konzessionsabgabe und Netznutzungsgebühr. Allein die Stromsteuer sei seit 1998 auf das zehnfache gestiegen. Ihren Zweck, den Stromverbrauch zu senken, habe sie nicht erfüllt.
Nun diene sie auch noch zur Finanzierung der Rentenreform. „Die Politiker wollen die eierlegende Wollmilchsau und lassen nur das gelten, was ihnen ins Kalkül passt“, meint Partheimüller, der sich angesichts der hohen Nebenkosten beim Stromverkauf fast schon vorkomme „wie ein Tankwart“.
Heinen-Esser demonstrierte jedoch Zuversicht, dass bis 2050 60 Prozent der gesamten Energie in Deutschland regenerativ erzeugt werden können. Der Zuwachs an Photovoltaik sei schon jetzt gigantisch. Biomasse trage zur Konstanz der alternativen Energiegewinnung bei und die Windkraft erschließe gerade im Meer große Potenziale. Die aktuell größte Herausforderung sieht die Politikerin im Ausbau der Stromnetze.
Partheimüller gibt ihr Recht: „Die stark beanspruchten Netze sind nicht stabil“. Das führe dazu, dass Großkunden bei der Abnahme von Überschuss-Strom bereits Prämien gezahlt würden. Der Fürther CSU-Stadtrat und Naturschutzwächter Herbert Schlicht, der wie sein Parteifreund Partheimüller zu den Gästen des Empfangs zählt, spricht seinerseits der Biomasse das „Bio“ ab. Denn mit biologischer Landwirtschaft habe die ausufernde Mais-Monokultur zur Gaserzeugung nichts mehr zu tun.
Die Redner, zu denen auch der Fürther Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt, gehörte, sparten nicht an werbewirksamem Lob für den Gastgeber BMW. Dessen neue Elektrofahrzeug-Generation wurden nicht nur als Hoffnungsträger gewürdigt, sondern bildeten auch den Blickfang des Empfangs.
Von der Aussicht, den Nachfolger Sigmar Gabriels im Bundesumweltministerium einmal persönlich zu treffen, ist mit den mehr als 400 Gästen viel Prominenz angelockt worden. Erstmals seit zehn Jahren auch der Regierungspräsident Oberfrankens und Fürther Alt-Oberbürgermeister, Wilhelm Wenning (CSU). Sein Nachfolger Thomas Jung (SPD) ist zum zweiten Mal mit von der Partie und hat gleich die neue Sozialreferentin Elisabeth Reichert, Stadtkämmerin Stefanie Ammon, Wirtschaftsreferent Horst Müller und Rechtsreferent Christoph Maier mitgebracht.



