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Es werde Zirkus!

TKKG-Sommerspaß: "Leonce und Lena" auf der Freilichtbühne im Fürther Stadtpark - 05.08.2018 11:40 Uhr

Gesucht und gefunden: Prinzessin Lena vom Königreich Pipi und Prinz Leonce vom Königreich Popo sehen einem Paar aus dem Vereinigten Königreich auffallend ähnlich. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Aufrührerische Worte schallen in der Dunkelheit durch den Fürther Stadtpark. Irgendjemand schreit, es sei strafbar, sich krank zu arbeiten, wer im Schweiße seines Angesichts sein Brot verdiene, sei verrückt, lieber solle man sich in den Schatten legen und Makkaroni mit Melonen futtern.

Doch die Polizei braucht nicht einzugreifen, denn es handelt sich (nur) um Theater: Das TKKG zeigt Büchners "Leonce und Lena" auf der Freilichtbühne.

Die Thesen von Leonces Diener Valerio kann man angesichts der Sommerhitze gerne unterschreiben, denn die tropischen Fürther Temperaturen treiben einem auf den harten Bänken des Amphitheaters selbst im Sitzen noch den Schweiß ins Hemd. Auch sonst bietet Büchners Lustspiel viel Stoff für aktuelles Weiterdenken, was Regisseur Markus Nondorf eifrig aufgegriffen hat.

Er inszeniert das Stück als eine Mischung aus Rummelplatz-Reigen (auf dem Bühnengerüst steht "Es werde Zirkus"), commedia dell‘arte und Polit-Satire. Dabei agieren die italienischen Schriftsteller Vittorio Alfieri (Tanja Busch) und Gasparo Gozzi (Joachim Zons) als kommentierende Pausen-Auguste, die immer wieder den alten Dean-Martin-Song "That’s Amore" anstimmen. Erik Streit ist als Leonce ein dynamischer, aber auch grübelnder Urban Cowboy, ein durchtrainierter Vertreter einer Null-Bock-auf-konventionelle-Politik-Generation, der in seinem berühmten utopischen Schlusswort alle Uhren zerschlagen und alle Kalender verbieten will.

Esther Sambale interpretiert die Prinzessin Lena als zartgliedrige "Lady In Black", die ihre Herkunft aus dem Königreich Pipi auf der Bühne ganz wörtlich nimmt. Und der alte König Peter (Ralf Ahlborn) aus dem Reiche Popo verkündet seine rätselhaften Ansagen an das Volk von einem Holzthron mit eingebauter Kloschüssel. Lautstark schleudert der pfiffige Diener und spätromantische Taugenichts Valerio (David O. Riedel) revolutionär-anarchistische Botschaften gegen die frühkapitalistische Arbeitsethik ins Publikum; zusammen mit der Lena-Gouvernante (Sandra Bauer) wird er zum sexuell aktiven Buffo-Pärchen.

Die Background-Musik stammt, durchaus passend, vom Siebziger-Jahre-Barden Cat Stevens ("Where Do The Children Play", "If You Want To Sing Out"), die Zuschauer dürfen auch mal beim Einzug des neuen Prinzenpaares, bei dem Leonce und Lena die Masken von Prinz Harry und Ehefrau Meghan tragen, mit Deutschland-Fähnchen wedeln — und der alte König zieht sich glücklich in den Ruhestand zurück, um endlich ungestört nachdenken zu können. Würden wir das nicht auch dem Herrn Trump wünschen?

Das Ensemble des Fürther Freie-Szene-Theaters aus dem KulturKammerGut agiert zwar mit viel Enthusiasmus, einige Straffungen im Timing hätten dem Abend aber noch gut getan. Doch wie sagt schon Leonce: "Wir zählen Stunden und Monde nur nach der Blumenuhr".

"Leonce und Lena": Freilichtbühne im Stadtpark. Bis 12. August täglich (19.30 Uhr). Karten mit ZAC-Rabatt in der FN-Geschäftsstelle (Schwabacher Straße 106, Tel. 2 16 27 77) und ohne Rabatt an der Abendkasse. 

Wolfgang Reitzammer

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