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Sonntag, 17.02.2019

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Extremes Klima: Bäume kämpfen ums Überleben

Der heiße, trockene Sommer hat Fürths Schattenspendern zugesetzt - 10.02.2019 10:00 Uhr

Am Schießanger werden derzeit etliche Pappeln gefällt, die instabil geworden sind und Unfallgefahren bergen. An ihrer Stelle will man junge Ahornbäume pflanzen. © Foto: Horst Linke


Mehr noch als Schädlinge wie der Borkenkäfer setzen nach den Erfahrungen des Fachmanns aus dem Fürther Grünflächenamt klimatische Einflüsse wie Trockenheit, Strahlung und Hitze den Gewächsen zu. Fatal wirke sich langfristig die Schwächung der Vitalfunktion aus. Notmaßnahmen wie das zusätzliche Bewässern von Straßenbäumen im vergangenen Sommer sind nach den Erfahrungen von Dirk Osterloh nur ein Tropfen auf den heißen Stein. An der Misere selbst können sie wenig ändern.

Im Stadtwald hat es viele alte Kiefern erwischt. Auf das Team von Stadtförster Martin Straußberger wartet heuer einige Arbeit, müssen die abgestorbenen Bäume zur Holzverwertung doch gefällt werden, bevor sich die Schädlinge darüber hermachen. In den Fichtenbeständen, so Straußberger, hat der Borkenkäfer vergangenes Jahr bereits große Schäden angerichtet.

Glück im Unglück

"Zum Glück", sagt Straußberger im Nachhinein, "haben wir im vergangenen Frühjahr nicht so viele Jungpflanzen wie sonst eingesetzt." So konnte hier die Trockenheit weniger Tribut einfordern. Etwa ein Drittel der neuen Kulturen sei vertrocknet. Auch der neue Energiewald an der Regelsbacher Brücke bei Burgfarrnbach sei betroffen. Die hier im Mai 2018 gepflanzten 8500 Pappeln werden im Abstand von etwa fünf Jahren knapp über dem Boden gekappt und für Heizzwecke zu Hackschnitzel verarbeitet. Sie treiben dann neu nach.

Für weiteren kräftigen Nachschub hat die infra gesorgt. Allein auf der 5000 Quadratmeter großen Brache an seinem Umspannwerk in der Vacher Straße ließ das kommunale Versorgungsunternehmen 2600 Jungbäume einsetzen: Vogelkirschen, Feldahorne und Hainbuchen. Weitere Bäume dieser Art und zusätzlich noch Rosskastanien wurden auf dem Grundstück des umgebauten Umspannwerks an der Dambacher Straße gepflanzt.

Neben diesen Rekultivierungen gab das Stadtjubiläum "200 Jahre eigenständig" Anlass für weiteren Zuwachs der Grünen Lunge. 200 Bäume wurden passend zur Jahreszahl im gesamten Stadtgebiet eingesetzt. Eine kleine Reminiszenz an die groß angelegte Begrünungsaktion zur Feier des 1000-jährigen Jubiläums von Fürths erster urkundlicher Erwähnung 2007, als Jubiläumswäldchen in Vach und im Wiesengrund angelegt worden waren.

Trotz erschwerter Verhältnisse insgesamt positiv nimmt sich die jetzt dem städtischen Umweltausschuss präsentierte Baumschutzstatistik 2018 aus (siehe gelber Kasten links). Allerdings fällt auf, dass so viele Bäume wie schon lange nicht mehr erlaubnisfrei entfernt werden konnten. Sie waren nämlich abgestorben. Insgesamt 106 tote Großbäume schlugen vergangenes Jahr zu Buche. 2017 waren es noch 79, 2016 nur 55 und 2015 gar nur 47.

Nach Einschätzung des Umweltamtes dürfte es sich bei diesem Anstieg um eine erste Auswirkung des trockenen Sommers 2018 handeln. Geschützt sind in Fürth Bäume (außer Obst- und Waldbäume) mit einem Stammumfang ab 80 Zentimetern, gemessen in einem Meter Höhe. Befreiungen werden nur gegen Ersatzpflanzungen erteilt.

Auch nicht geschützte Bäume dürfen mit Rücksicht auf die Brutzeit der Vögel nur noch bis 1. März gefällt und beschnitten werden. Danach sind nach dem Naturschutzgesetz bis 30. September nur noch schonende Form- und Pflegeschnitte erlaubt. 

Volker Dittmar

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